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Preisverleihung 2005 - Ansprache der 1. Vorsitzenden der Stiftung, OStD' Brigitte Netzel

 

Henning von Burgsdorff-Stiftung zur Förderung des Geschichtsunterrichts - Preisverleihung 2005,
14. November 2005 (Tag des Geschichtslehrers in Hannover)

 

Sehr geehrter Herr Dr. Stupperich,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

ich freue mich, dass wir uns heute zu einer interessanten Tagung getroffen haben, deren Ertrag  Ihnen - so meine ich - in Ihrem täglichen Tun von Nutzen sein wird. Deshalb haben wir diese Tagung gern finanziert.

Seit Jahren beklagen wir den unhaltbaren Zustand, dass  das Land keine fachliche Fortbildung  organisiert und finanziert. Da ich in meiner Zeit als Landesvorsitzende des niedersächsischen Geschichtslehrerverbands die leidvolle Erfahrung  gemacht habe, dass auch der Verband nur schwer ohne finanzielle Mittel diese Lücke schließen kann, kam auf meine Initiative die H. v. Burgsdorff- Stiftung zustande, mit deren Hilfe ich heute meinem Nachfolger das Leben erleichtern kann.

 

Der Zweck der H.v. Burgsdorff Siftung ist es, Tagungen des Geschichtslehrerverbands, aber  auch anderer  Träger, die der Fortbildung von Geschichtslehrern dienen, zu unterstützen, und zwar sowohl zentrale, regionale oder auch lokale. Außerdem ist es  immer noch nicht genug bekannt, dass auch Fachkollegien an Schulen für eingeladene Referenten Zuschüsse beantragen können. Darin liegt eine Chance, die Sie bitte auch nutzen sollten.

 

Der Vorstand der Stiftung hat in seiner letzten Sitzung zwei zusätzliche Erweiterungen beschlossen :

Es können jetzt auch über die Landesgrenzen von Niedersachsen  hinausreichende Fortbildungsveranstaltungen  gefördert werden, wenn u.a.  niedersächsische Geschichtslehrer teilnehmen. Neu ist ebenfalls, dass sich  Fortbildungsförderung ?in Ausnahmen- auch auf Fortbildungsveranstaltungen beziehen kann, deren Teilnehmer Referendare sind.

 

Im Interesse der Stiftung möchte ich noch ein wenig Werbung für unser zweites  Anliegen  machen: Ich verweise auf das in Zusammenarbeit mit dem Klett - Verlag herausgegebene zweibändige Taschenbuch  für Schüler ab der Klasse 10 zur weitgehend selbstständigen und hoffentlich anregenden Lektüre. Titel: ?Wie wir wurden - was wir sind.? Im Schwerpunkt steht die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Gerade, wenn Sie sich im Unterricht auf spezielle  Themen für das  Zentralabitur konzentrieren müssen, sollten  unsere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe nicht ohne einen gewissen Überblick zu diesem Thema die Schule verlassen.

 

Nun aber zum heutigen Anlass. Die öffentliche Verleihung des jährlichen Preises der  H.v.Burgsdorff- Stiftung an Lehrkräfte unseres Faches soll ein  Beitrag zu der an den Schulen dringend nötigen Kultur der Anerkennung sein. Viel Innovatives und Interessantes wird an den Schulen aller Schulformen in unserem Fach oder fachübergreifend  geleistet. Andere Stiftungen zeichnen die Schülerinnen und Schüler aus, so die Körberstiftung mit dem Preis des Bundespräsidenten oder das Land Niedersachsen mit dem Geschichtsatlas n 21, dessen Entscheidungen ich als Jurymitglied mitverantworte. 

  

Der H.v. Burgsdorff- Stiftung geht es dagegen  um die Lehrkräfte. Ich  möchte  zu breiter Teilnahme an der Bewerbung anregen. Die Bewerbungsbögen gehen Anfang März Ihren Schulen zu, im gymnasialen  Bereich den Fachkonferenzen, sonst den Schulleitungen. Wir wissen, dass es einer zusätzlichen Mühe bedarf, das Erarbeitete zusammmenzustellen, den   Arbeitsverlauf  zu beschreiben und das Ergebnis  aus Lehrersicht zu bewerten. Darauf müssen wir bestehen. Man könnte dies ja auch während des Unterrichtsverlaufs mit bedenken.

Wir haben das Problem, dass  jedes Jahr gute Arbeiten eingesandt werden, die naturgemäß dann nicht prämiert werden können.

 

Um zu verhindern, dass dies- wie in der Vergangenheit - zu Enttäuschung führt - gebe ich neuerdings wenigstens  telefonische Rückmeldung zum Verlauf der Diskussion über den Beitrags, wie er im Vorstand stattgefunden hat. Viele Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten 5 Jahren gute Beiträge eingesandt haben, sollten sich nicht entmutigen lassen, es mit einem neuen Vorhaben ein zweites Mal zu versuchen.

 

Die Veröffentlichung der Beiträge ist schwierig, in besonderen Fällen könnten wir aber eine redaktionell überarbeitete  Zusammenfassung an die Verlage von Fachzeitschriften vermitteln.

 

Der Vorstand der Stiftung hat  entschieden,  für das Jahr 2005  zwei Einsendungen zu prämieren, und zwar mit einem  2. Preis von 500 Euro und einem 1. Preis mit 1ooo Euro.

 

1. 500 Euro erhält Herr Dr. Friedemann Neuhaus  vom Ernst- Moritz- Arndt ?Gymnasium in Osnabrück.   

Herr Dr. Neuhaus unterrichtet die Fächer Geschichte, evangelische  Religion  und Politik

Er ist Jahrgang 1967, studierte in Göttingen und Heidelberg, promovierte in Erfurt, z. T. parallel zum Referendariat in Braunschweig. Seit 1999 unterrichtet  er an seiner Schule in Osnabrück und vertritt  die Fachgruppe Geschichte als Obmann.

 

Mit einer 11. Klasse hat sich Herr Neuhaus an der Ausschreibung eines Wettbewerbs des Volksbundes  für Kriegsgräberfürsorge  zum 60. Jahrestag des Kriegsendes beteiligt. Im Rahmen  des für Jahrgang 11 vorgegebenen Themas ?Krisen und Umbrüche? wurden zunächst Verlauf, Ende und Folgen des 2. Weltkrieges erarbeitet. Anschließend wurde auf dem Hintergrund der Kenntnisse der allgemeinen  Krise  in einer zeitlich überschaubaren Projektarbeit  die Geschichte der eigenen Schule  in  Kriegs- und Nachkriegszeit  an Primärquellen erarbeitet. Ergebnis war eine Ausstellung mit  sehr sorgfältig gestalteten Schautafeln zur Schulgeschichte dieser Zeit, erarbeitet durch Internetrecherche, Archivarbeit und Befragungen von zeitzeugen. In Podiumsdiskussionen mit Ehemaligen und in  Führungen anderer Klassen durch die Ausstellung entstand breites, lebendiges Geschichtsbewußtsein.

                                                           

2. Den ersten Preis erhält Herr Thilo Lausecker. Er unterrichtet die Fächer  Deutsch, Geschichte und Politik. Er ist 1977 geboren, verbrachte seine Schulzeit an Schulen in Braunschweig, studierte in  Göttingen, absolvierte seine Referendarzeit am Ratsgymnasium in Goslar und ist seit 2005 Studienassessor am Gymnasium Lehrte.

 

Vorgelegt wurde eine Unterrichtssequenz in einem Leistungskurs 13 mit 11 Schülerinnen und Schülern mit dem Thema: ?Die Reichsbauernstadt Goslar.?

Herr Lausecker hat diese Unterrichtssequenz in seiner Examensarbeit beschrieben.

Damit hatte der Vorstand der Stiftung zunächst ein Problem. Ergebnis der Diskussion war, dass wir in Ausnahmefällen auch Unterrichtsbeispiele von Referendaren in die Auswahl mit einbeziehen werden, falls  in einer Zusammenfassung der  innovative Charakter überzeugend verdeutlicht wird, sodass sich  für  andere Kollegen anregende und beispielgebende Aspekte ergeben.

Im Leistungskurs  von Herrn Lausecker  erforschten  vier Arbeitsgruppen  die  Gründe für die Ernennung Goslars zur ?Reichsbauernstadt?  1934, die Verlegung der Berliner Behörden, die Planungen riesiger Bauvorhaben, den Investitionsschub und den Prestigegewinn für die Stadt als Zentrum der Reichsbauerntage und des Ernte-Dank-Besuchs Hitlers 1935, ebenso den ideologischen Hintergrund, den der Leiter des Reichsernährungsministeriums, Oskar Darre, in Schriften und Reden propagierte: das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse, der Neuadel aus Blut und Boden.

Überzeugend das ist das Lokalmodell und die Relevanz des Themas in der heutigen Stadt : Die Schülerinnen und Schüler leisteten  einen Beitrag zu einer aktuell  in der Goslarer Presse diskutierte Frage, ob Darres Grab weiterhin von der Stadt unterhalten werden sollte.                               

Beispielhaft ist die Sorgfalt, mit der die Schülerinnen und Schüler an wissenschafts-propädeutisches Arbeiten und an die Archivarbeit durch gezielte Arbeitsaufträge und Hilfen herangeführt wurden. Die Notwendigkeit der  Präsentation und einer öffentliche Ausstellung  ergab sich aus dem Anlass. Die Evaluation zeigte, dass die Schülerinnen und Schüler diese Phase ihres Unterrichts als echten persönlichen Gewinn erlebten .

 

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 1. Preisträger: Thilo Lausecker, Lehrte 
 1. Preisträger: Thilo Lausecker, Lehrte 
   
 2. Preisträger: Dr. Friedemann Neuhaus, Osnabrück 
 2. Preisträger: Dr. Friedemann Neuhaus, Osnabrück 
   
 

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