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Preisverleihung 2012 - Rede des Vorsitzenden OStD i.R. Dr. Martin Stupperich

Auf dem Tag des Geschichtslehrers am 8. November 2012 in Hannover fand wie in den vergangenen Jahren die  Preisverleihung der Henning von Burgsdorff Stiftung statt. Sie würdigt die besonderen Einsätze von Lehrerinnen und Lehrern, die überzeugende geschichtsbezogene Projekte mit ihren Schülerinnen und Schülern durchgeführt haben.

Ausgezeichnet wurden drei Arbeiten, die vom Vorsitzenden des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes, der zugleich Vorsitzender der Burgsdorff Stiftung ist, den anwesenden Kolleginnen und Kollegen wie folgt vorgestellt wurden:

 

1. Preisträger: Dr. Stefan Krolle, Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim 

 

 

Lieber Herr Dr. Krolle,

 

Sie haben in Ihrer Schule, dem Cato Bontjes van Beek-Gymnasium in Achim das nach Ihrer Namenspatronin benannte Cato Bontjes van Beek-Archiv aufgebaut. Sie haben somit einen Ort des Erinnerns in Ihrer Schule geschaffen, der zugleich ein Archiv zur regionalen Geschichte seit ca. 1900 darstellt. Klassen und Kurse können sich aus dem laufend wachsenden Bestand an originalen und in Fotokopie vorliegenden Quellenbeständen für den eigenen Unterricht, für Referate und Facharbeiten bedienen. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten eine hervorragende Möglichkeit anhand dieses Archivs in die Methodik historischen Arbeitens einzuführen. Vor allem biete dieses Archiv reichhaltige Möglichkeiten, wichtige Themen wie die Geschichte des Nationalsozialismus nicht nur mit immer neuen regionalgeschichtlichen Bezügen, sondern auf der Basis regionalgeschichtlicher Quellen durchzuführen. Damit entspricht der Geschichtsunterricht an Ihrer Schule dem so wichtigen Prinzip der räumlichen Nähe der Inhalte, die für den Aufbau der Motivation und des Gegenwartsbezuges im Unterricht so wichtig ist. Bedingt durch die unmittelbare Möglichkeit der Rekonstruktion des Geschehens aus den Quellenbeständen des Landkreises durch die Schüler selbst bietet Ihre neue Einrichtung ein wichtiges Mittel des Aufbaus von Geschichtsbewusstsein.

 

Ermöglicht wurde Ihnen die Einrichtung des Archivs durch die Überlassung von drei Schulräumen mit insgesamt 210 qm durch den Landkreis Verden. Sie haben diese Räume inhaltlich zugeordnet, indem Sie die Schwerpunkte „Weimarer Republik“, „Nationalsozialistische Diktatur“ und „Deutsche Nachkriegsgeschichte“ setzten. Ihr Archiv ist öffentlich zugänglich, kann also auch von anderen Schulen genutzt werden.

 

Von großer Bedeutung ist die neue Einrichtung für die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit der Namenspatronin der Schule. Cato Bontjes van Beek war 1920 in Bremen geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Fischerhude. Beide Eltern waren Künstler. Ab 1940 lebte sie in Berlin bei ihrem Vater und kam in Kontakt zur Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Sie beteiligte sich an Druck und Verteilung illegaler Flugblätter, wurde 1942 verhaftet und zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im Augaust 1943 vollstreckt. Sie wurde nicht älter als 23 Jahre. Ihre offizielle Rehabilitierung erfolgte 1999. Damit gab sich die Schule den Namen einer demokratischen Widerständlerin gegen die NS-Diktatur. Diese Namensgebung entspricht der Erziehung der Jugend zu verantwortlichen Persönlichkeiten.

Das Familienarchiv mit den Quellen zu Cato Bontjes van Beek steht im Zentrum des Archivs, das jedoch darüber hinaus die gesamte Regionalgeschichte des 20. Jahrhunderts erschließt, um die unmittelbare Einordnung der Biographie Catos in die Zeitgeschichte zu ermöglichen. Das Archiv wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung in die Reihe der „Orte des Erinnerns“ aufgenommen. Am 18.04.2012 wurde das Archiv in Anwesenheit von Catos ein Jahr jüngerem Bruder Tim Bontjes van Beek feierlich eröffnet.

 

Der 90. Geburtstag von Cato am 14. November wurde fächerübergreifend  an drei Tagen mit zahlreichen Veranstaltungen begangen, so wie Sie in Ihrer Schule seit mehr als zehn Jahren regelmäßig an den Geburtstagen der Namensgeberin gedacht hatten. Auf diese Weise stand und steht Catos Leben und ihre Bedeutung den Schülerinnen und Schülern Ihrer Schule stets lebhaft vor Augen.

 

Sie haben fast ein Jahr lang mit Schülern und zahlreichen Kollegen an der Entwicklung dieses Archiv intensiv gearbeitet. Die von Ihnen ausgehende Begeisterung für die Sache, der spürbare Impetus des Handelns, den Sie auf andere übertrugen, und die stets präsente leitende Hand bei der Verwirklichung dieses umfassenden und weit in die Öffentlichkeit hinausgreifenden Unternehmens haben uns veranlasst, Ihnen den 1. Preis des Jahrespreises der Henning von Burgsdorff Stiftung zuzusprechen.

Dazu möchte ich Ihnen im Namen der Stiftung, aber auch des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes herzlich gratulieren.

 

 

2. Preisträgerin: Frau Dorit Schierholz, Christian-Hülsmeyer-Schule in Barnstorf 

 

Liebe Frau Schierholz,

 

Sie haben sich mit dem Fortsetzungsprojekt „Augen auf mir Anne Frank“ auch in diesem Jahr um den Jahrespreis der Henning von Burgsdorff Stiftung beworben und auch dieses Mal erhalten Sie den 2. Preis. Damit steht auch Ihre Schule, die Christian-Hülsmeier-Realschule in Barnsdorf im Kreis Diepholz erneut im Fokus. Wenn ein Preis für die vorbildliche Arbeit einer Kollegin oder eines Kollegen vergeben wird, steht immer auch die Schule, die die Rahmenbedingungen dafür bot, mit auf dem Podium.

 

Sie haben nach dem stärker schul- und ortsbezogenen Projekt in diesem Jahr ein ganz neues schulformübergreifendes und die ganze Region erfassendes Projekt mit einer neuen Schülergruppe, deren Kern aber immer noch von der Christian-Hülsmeier-Schule gestellt wurde, initiiert und durchgeführt. Dabei konnten Sie sich auf mehrere Kooperationspartner stützen. Sie haben die Ausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ in die Diepholzer Mediothek geholt. Zahlreiche Schüler nahmen an dem Begleitseminar des Anne Frank Zentrums aus Berlin teil. Diese Schüler haben dann den ca. 1500 Jugendlichen, die die Ausstellung im Laufe der Zeit besuchten, die Geschichte von Anne Frank erklärt.

Auf zwei Hompages haben Sie diese gesamte Arbeit dokumentiert. Außerdem haben Sie eine Projektwoche durchgeführt, in deren Rahmen Sie mit den Schülerinnen und Schülern die Gedenkstätte Bergen-Belsen und das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besucht haben. Zudem nahm die Schülergruppe an einem friedenspädagogischen Seminar in Lommel in Flandern teil, das dem Ziel diente, das Geschehen um Anne Frank in einen größeren historischen Zusammenhang zu stellen. In Lommel liegt das größte deutsche Kriegsgräberfeld in Westeuropa.

Unbeschadet des neuen Projekts begleiteten sie die Auswirkungen Ihres vorigen Projekts weiter. So ergab sich eine Auseinandersetzung mit der Ratsmehrheit Ihres Ortes um die Benennung der Turnhalle in Barnsdorf nach dem jüdischen Mitbürger Moritz Wesermann, der sich um das Sportvereinswesen verdient gemacht hatte.

In Kooperation mit anderen Fächern haben Sie ein Rahmenprogramm mit mehreren Schulveranstaltungen durchgeführt.

Ein Teil Ihrer Gruppe hat sich über die engere Thematik hinaus mit dem Problem des Rechtsradikalismus in unserer Gesellschaft befasst.

Ihr Projekt hat verbunden mit dem umfangreichen Rahmenprogramm für viel Öffentlichkeit in Barnsdorf und im Kreis Diepholz geführt. So erhielten Sie Besuch von mehreren überregional bekannten Landespolitikern und konnten für die Schüler ein Gespräch mit der Landtagsfraktion der Grünen arrangieren. Bei diesen Gelegenheiten konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Anerkennung der Öffentlichkeit für Ihre Arbeitsergebnisse entgegennehmen, sondern auch sehr viel über die Gegenwartsbedeutung der Jüngeren deutschen Geschichte lernen, was bei vielen von Ihnen die Bereitschaft geweckt hat, sich selbst öffentlich einzumischen. Insbesondere bei der Debatte um die Namensgebung Ihrer Turnhalle ließen sie nicht locker und reagierten empört, wenn versucht wurde, sie mit wenig durchdachten Argumenten abzuspeisen. Sie organisierten eine Demonstration, informierten die Presse und konnten sogar den NDR interessieren. Dazu gehört auch das öffentliche Auftreten für die Stolpersteine vor Häusern Ihres Ortes gerade angesichts der Zerstörung einzelner dieser Steine durch Unbekannte.

Ihre Arbeit zeichnet sich durch die enge Kooperation mit anderen Fächern, z.B. Deutsch und Musik, aus. Daher waren Sie in der Lage, eine Schreibwerkstatt zu organisieren, deren Ergebnisse an einem Abend verbunden mit musikalischen Beiträgen als Hommage an Anne Frank vorgestellt wurden.

 

Für diese umfassende Leistung vergibt die Henning von Burgsdorff Stiftung an Sie den Zeiten Preis im Rahmen des Jahresgesamtpreises 2012.

Dazu möchte ich Ihnen herzlich gratulieren.

 

3. Preisträger: Herr Stefan Küllmer-Timm, Gymnasium am Mühlenweg in Wilhelmshaven

 

Lieber Herr Küllmer-Timm,

 

Sie haben sich mit dem Projekt

Vor- und Nachbereitung einer Exkursion zum Schauplatz der Varusschlacht im Osnabrücker Land um den Jahrespreis der Henning von Burgsdorff Stiftung 2012 beworben.

Es handelt sich bei diesem Projekt um die Darstellung einer gut vorbereiteten und vor allem ausführlich nachbereiteten Exkursion mit Schülerinnen und Schülern einer 6. Klasse nach Kalkriese im Osnabrücker Land zum Schauplatz der Varusschlacht ausgehend vom Wilhelmshavener Gymnasium am Mühlenweg.

Die didaktische Analyse weist das Vorhaben als Projekt mit landesgeschichtlichem Bezug aus, wie es im KC gefordert wird. Somit wird ein gelungenes Beispiel des Lernens vor Ort  vorgestellt.

Als Lernpotential für Klasse 6 wird vor allem die Arbeit mit authentischen Quellen, zu denen auch archäologische Funde gehören, vorgestellt. Gerade die Arbeit mit Quellen gibt Gelegenheit zur Reflexion über den Konstruktcharakter der Geschichte, in diesem Fall am Beispiel der Varusschlacht.  Weiterhin führen Sie vor, in welcher Weise mit Schülerinnen und Schülern dieser Jahrgangsstufe über Perspektivität in der Geschichte gearbeitet werden kann. Darüber hinaus geben Sie den Schülern  den Schülern Gelegenheit, ihre Methodenkompetenz zu schulen. Insbesondere betrifft dies die Unterscheidung von Quellen und Darstellungen.

 

Sie orientieren sich methodisch am sog. Planungsdreischritt für außerschulisches Lernen (Vorbereitung, Durchführung, Auswertung). Entscheidend ist für Sie, dass neben der Vorbereitung vor allem die Auswertung ein weit größeres Gewicht bekommt als dies üblicherweise der Fall ist.

Sie führen den Dreischritt in sehr übersichtlicher und für jeden Schüler nachvollziehbarer Weise beginnend mit der Vorbereitung der Erkundungen vor Ort. Um dem Gebot der didaktischen Reduktion zu entsprechen, wurde ein Exkursionsbogen erstellt, der konkrete Arbeitsbögen enthielt. Um zielführend vorzugehen wurden Leitfragen erarbeitet, für die der Exkursionsbogen Raum für Notizen vorsah.

Die Phase der Durchführung ist bestimmt durch die selbstständige Erschließung des Geländes und des Museums durch die Schüler. Exponate und Beobachtungen im Gelände sollen von den Schülern medial festgehalten werden. Auf dieser Basis soll der Graben überwunden werden, der zwischen den schriftlichen Sekundarquellen und dem realen Geschehen klafft und die Rekonstruktion des Geschehens zum Problem werden lässt. Während der Exkursion und der Führung durch einen Museumspädagogen wird z.T. auch die Methode des Rollenspiels aus unterschiedlicher Perspektive (Römer/Germanen) eingesetzt.

 

Der Entwurf besticht durch die klar Konzeption und das deutlich erkennbare Bemühen des Lehrers, eine Überforderung der Schüler auf dem Weg der sorgfältig geplanten didaktischen Reduktion zu vermeiden.

Insbesondere besticht der methodische Schritt der fotografischen Motivwahl eines einzigen Motivs, mit dem sich die einzelnen Schüler dann im Detail auseinandersetzen sollen. Daran knüpft sich die Reflexion über den Quellencharakter und die Möglichkeiten historischer Rekonstruktion. Dies letztere vollzieht sich in der sehr ausführlichen Phase der Nachbereitung im schulischen Unterricht.

 

Dieses Beispiel einer Exkursion zu einem außerschulischen und landesgeschichtlich bedeutsamen Lernort hat Beispielcharakter und kann als Vorbild dienen, das zur Nachahmung herausfordert.

 

Daher haben wir Ihnen, Herr Küllmer-Timm den dritten Preis zuerkannt. Dazu möchte ich Ihnen herzlich gratulieren.

 

 

 

 

   
 1. Preisträger: Dr. Krolle, Achim 
 1. Preisträger: Dr. Krolle, Achim 
   
 2. Preisträgerin: Frau Schierholz, Barnstorf 
 2. Preisträgerin: Frau Schierholz, Barnstorf 
   
 3. Preisträger: Herr Küllmer-Timm, Wilhelmshaven 
 3. Preisträger: Herr Küllmer-Timm, Wilhelmshaven 
   
 

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