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Preisverleihung 2010 - Rede der Vorsitzenden Frau OStD' Brigitte Netzel

Rede der Vorsitzenden der H. von Burgdorff-Stiftung

am „Tag des Geschichtslehrers“ am 3.11.2010 in Hannover



Sehr geehrter Herr Dr. Stupperich, liebe Kolleginnen und Kollegen,

auf dem Programm steht nun wieder – wie jedes Jahr - die Preisverleihung der Henning von Burgsdorff-Stiftung. Ich will sie gern ein letztes Mal vornehmen, denn ich werde mit Ablauf des Jahres den Vorsitz der Stiftung abgeben.

Deshalb zu Geschichte und Zielsetzung der Stiftung, die mir 10 Jahre sehr am Herzen lag und deren Bekanntheitsgrad immer noch einiges zu wünschen übrig lässt, einige kurze Worte.

Am 12.9.1999 traten drei ehemalige Bundespräsidenten –Herzog, von Weizsäcker und Scheel- mit einem Aufruf zu mehr bürgerlichem Gemeinsinn an die Öffentlichkeit; sie forderten höheres Engagement der Bürgergesellschaft für humanitäre, soziale, kulturelle und ökologische Aufgaben. Wenn man sich die große Zahl der in der Folgezeit entstehenden Bürgerstiftungen vergegenwärtigt, taten sie dies mit großem Erfolg.

Auch Henning von Burgsdorff, der Sponsor unserer Stiftung, ein pensionierter Geschichtslehrer, fühlte sich angesprochen, denn er beobachtete bedrückt die damals erstarkenden rechtsradikalen Tendenzen bei einem Teil der Jugendlichen und sah in einem motivierenden, modernen Geschichtsunterricht das wichtigste Mittel, den jungen Leuten in Zeiten des Umbruchs Orientierung zu geben, sie durch historische Kenntnisse gegen Manipulation zu immunisieren und ihnen ein Geschichtsbewusstsein zu vermitteln, das zu kritischen und verantwortungsvollen Bürgern einer rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft passt.


So wurde es mir im Jahr 2000 als Vorsitzender des Geschichtslehrerverbands nicht allzu schwer gemacht, ihn zu überreden, eine Stiftung zur Förderung des Geschichtsunterrichts mit einem Startkapital von 500000,- DM auszustatten.

Von den zwischen uns verabredeten Förderschwerpunkten kann das erste Anliegen als beendet angesehen werden, nämlich ein von der Stiftung finanziertes und in Zusammenarbeit zwischen mir und dem Klettverlag erstelltes zweibändiges Taschenbuch zur deutschen und europäischen Geschichte. Die Verfasser der einzelnen Kapitel – durchweg Universitätslehrer – mussten sich auf das Abenteuer einlassen, eine Darstellung zu erstellen, die den Stand der Forschung spiegeln, aber zudem durch in einem verständlichen essayistischen Schreibstil Interesse wecken sollte. Die Bücher sollten junge Leute zur selbstständigen Lektüre anregen, um ihnen neben dem auf spezielle Themen eingeengten, auf das Zentralabitur vorbereitenden Unterrichtslehrgang einen profunden Überblick zu verschaffen.

Die unverminderte Nachfrage zeigt, dass die Bände ankommen.

Der zweite Schwerpunkt, ist die Förderung von Fortbildung, die angesichts leerer öffentlicher Kassen chronisch unter oder überhaupt nicht finanziert wird. Dieses Anliegen könnte besser laufen und wird zu wenig von den Kollegen nachgefragt. Immer noch ist nicht klar, dass nicht nur die zentrale, sondern auch regional oder lokal organisierte Fortbildung finanziert wird.

Der 3. Schwerpunkt ist die Auszeichnung von Kolleginnen und Kollegen, die gute pädagogische und fachliche Arbeit im Fach Geschichte oder im fachübergreifenden Unterricht geleistet haben. Wir hoffen, dass die Stiftung durch Würdigung dieser Arbeit und deren finanzielle Anerkennung einen kleinen Beitrag zu größerer Motivation der Fachkollegien leisten kann.


Der vierköpfige Vorstand kommt einmal im Jahr zusammen und bemüht sich in ausführlicher Diskussion um eine fachgerechte Beurteilung der eingereichten Arbeiten. Kriterien sind Relevanz des Themas, Dokumentation des Arbeitsprozesses und kritische Analyse der angewandten Methoden sowie die Präsentation des Arbeitsergebnisses.

Die satzungsgemäße Zusammensetzung des Vorstands aus je einem Vertreter der 1. Phase der Ausbildung, einem der 2. Phase und von zwei Vertretern des Vorstands des Geschichtslehrerverbands hat sich dabei bewährt.

In den vergangenen 10 Jahren folgte auf Prof. Mütter, Uni Oldenburg, Prof. Sauer, Uni Göttingen, auf Dr. Sinemus, Fachseminar Göttingen, nach dessen Pensionierung Herr Dr. Eckhardt, Fachseminar Hameln. Als Vorstandsmitglieder des Verbandes amtierten im Vorstand der Stiftung neben mir als Gründungsvorsitzender nacheinander Herr OstD Thunich, Fachberaterin Frau Dr. Hanslik und Herr Dr. Stupperich - allen Anwesenden bekannt.

Ich hoffe, deren Entscheidung genießt Ihr Vertrauen.


Meine Damen und Herren, mit Ausnahme eines Jahres hatten wir eine konstante Zahl erfreulicher Einsendungen. Aus dieser haben wir zu diesem Termin wieder drei würdige Preisträger wählen können, wobei wir uns auf zwei 1. Plätze mit einem Preisgeld von 1000,- Euro und einem Preis mit 500,- Euro geeinigt haben. Schön ist, dass wir Vertreter verschiedener Schulformen und verschiedenen Alters berücksichtigen konnten.


Zunächst Herrn StR Steffen Schulz vom Gymnasium Meckelfeld in Seevetal, der die Fächer Geschichte und Sport vertritt.
Er legte eine Unterrichtseinheit von 5 Doppelstunden in der Sekundarstufe II vor. Das Thema: „Zwischen Fluchthilfe und Freizeitvergnügen - Sport in der DDR“.

Her Schulz hat Stellenwert und Grenzen dieser Unterrichtseinheit in der Oberstufe klar benannt. Voraussetzung ist eine ausführliche Unterrichtsreihe zur Geschichte der DDR, die den historischen Hintergrund und das dazugehörende Fachwissen vermittelt. Ziel ist es, nach der intellektuellen Beschäftigung mit dem Themenkomplex DDR Raum zu geben, um am Beispiel des Sports, der als Massenphänomen Emotionen und Mentalitäten ganzer Nationen zu prägen vermag und der in der DDR ein Politikum schlechthin war, in Anknüpfung an die Lebenswelt der Schüler Wissen emotional zu verarbeiten und nachhaltig zu festigen und zu vertiefen.

Thema und didaktischer Ansatz harmonieren ideal.

Gelungen auch – und für andere Lehrer gut zu übernehmen - die Zusammenstellung der von Herrn Schulz ausgewählten Literatur und der Quellen, die zwar wissenschaftlich gut aufgearbeitet, im Schulbereich jedoch weitgehend unbekannt sind.

Das perfekt strukturierte Sportsystem zur Förderung des Hochleistungssports mit dem Ziel internationaler Anerkennung, andererseits der Breitensport, der der sozialistischen Erziehung und der Wehrertüchtigung diente, lassen sich mit den Folgen hautnah nachvollziehen: Bespitzelung, Menschenrechtsverletzungen durch zu hartes Training oder Doping, Manipulation u.a.


Dazu bedient sich der Lehrer innovativer Methoden und der Spielformen des

Erfahrungsunterrichts wie dem Nachspiel von Interviewsituationen, dem Planen einer Breitensportveranstaltung in Gruppenarbeit, dem Rollenspiel zum Thema: Flucht von Spitzensportlern, den sog Verrätern, oder dem spielerischen Nachvollziehen des Weges eines Sportlers bis hin zu den Olympischen Spielen.

Dass diese Methoden zum Ziel führten, zeigen die klugen Rückmeldungen der Schüler am Schluss der Einheit.


Einen weiteren 1. Platz haben wir Herrn Manfred Schmidt zuerkannt, Realschullehrer an der IGS Fürstenau.

Herr Schmidt hat sich mit Schülerinnen und Schülern einer Arbeitsgemeinschaft im Jahrgang 7 auf Spurensuche begeben. Zu untersuchen war das Verhältnis der polnischen Besatzungssoldaten zur deutschen Bevölkerung in Fürstenau in den Jahren 1945 bis 48.

Ein halbes Jahr arbeitete die Gruppe an der gestellten Aufgabe für eine Bewerbung um den Preis des Bundespräsidenten unter dem von der Körberstiftung vorgegebenen Rahmenthema: Helden - verehrt, verkannt, vergessen?

Die heutige Anerkennung durch die H.v. Burgsdorff - Stiftung ist im Rahmen der gesamten engagierten Tätigkeit des Lehrers bei der Betreuung von zahlreichen Wettbewerben der Körberstiftung zu sehen. Seit 1986 beteiligte er sich mit verschiedenen Schülergruppen mit Arbeiten zur Lokalgeschichte und war mit 6 weiteren Bewerbungen sehr erfolgreich.


Wichtig für unsere Würdigung war uns auch, dass Herr Schmidt in einem detaillierten Erfahrungsbericht offen reflektierte, welche notwendigen Anforderungen und Voraussetzungen der Lehrer bei einer solchen Kärrnerarbeit mit Schülern dieser Altersgruppe zu erbringen hat, indem er die Schwierigkeiten der Betreuung, deren Intensitätsgrad und die zwischenzeitlichen Abbruchrisiken thematisierte.

Die Voraussetzung des vorliegenden Projekts, nämlich die Kenntnis des 2. Weltkrieges, die Rolle Polens, die Verabredungen der Alliierten zur Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen musste der Lehrer in diesem Jahrgang weitgehend selbst vorgeben.

Fürstenau lag in der britischen Zone, in der auch 250000 polnische Besatzungssoldaten zum Einsatz kamen. Anlass zum Vorhaben, die Rolle der Polnischen Soldaten zu klären, war eine Kriegsgräberstätte mit 20 Gräbern, insb. polnischer Soldaten. Die Schülerinnen und Schüler klärten durch die Einsicht schriftlicher Quellen den Umfang der Einquartierungen und die Aufgaben der Soldaten sowie deren Lebensbedingungen. Durch Interviews mit Zeitzeugen wurden Grundzüge des Verhaltens der Besatzungssoldaten, deren kritische Einstellung zu der einheimischen Bevölkerung sowie deren Reaktionen darauf deutlich. Trotz Fraternisierungsverbots gab es aber auch – wenn auch schwierige - Liebesverhältnisse. Die Frage des Wettbewerbs, ob Soldaten – Freund oder Feind – Helden sein können, wurde kontrovers ohne Lösung diskutiert.


Einen weiteren Preis von 500,- Euro haben wir Herrn Steffen Kaliske zugedacht, Studienrat am Otto Hahn Gymnasium in Springe.

Seine interessante Unterrichtseinheit in Klasse 7 über 4 Stunden mit dem Thema: „Lüneburg, eine mittelalterliche Stadt“.

Nach der Behandlung der mittelalterlichen Stadt im Unterricht der Klasse 7 sollte das Lokalmodell Lüneburg durch die Animation des Stadtplans von 1574 die Unterrichtsergebnisse sichern und vertiefen.

In kluger Begrenzung des Themas wählte der Lehrer relevante, altersangemessene und im Zeitrahmen zu bearbeitende Aspekte aus und schlug acht im Stadtplan markierte Bereiche wahlweise den Schülerinnen und Schüler zur Animation vor, so die Saline, das Rathaus, den Hafen, ein Patrizierhaus, zwei Kirchen u.a.

Eine richtigerweise überschaubare und gute Auswahl an Forschungsliteratur und von Stadtführern gab der Lehrer als Präsenzliteratur vor. Zudem wurde das Internet benutzt. Die Ergebnisse der 4 Stunden wurden in erstaunlich übersichtlichen Projektmappen zusammengefasst und eine virtuelle Stadtführung unter Anwendung von Power-Point gemeinsam visualisiert. Abschluss war eine Exkursion an den konkreten Ort.

Fazit: Eine gut machbare Unterrichtseinheit, in der eine hohe intrinsische Motivation erreicht wurde und die auf andere Stadtprojekte leicht übertragbar ist.



Ich möchte mich jetzt von Ihnen verabschieden und mich nochmals bei allen bedanken, die mich in meiner Arbeit zunächst im Vorsitz des Geschichtslehrerverbands und dann im Vorstand der Henning von Burgsdorff- Stiftung so tatkräftig und menschlich so angenehm unterstützt haben.

In ihrer Sitzung vom 23.10. dieses Jahres haben die Mitglieder des Vorstands einstimmig Herr Dr. Stupperich zum neuen Vorsitzenden der Stiftung gewählt.

Ich weiß, dass er diese Aufgabe im Sinne des Stifters erfolgreich weiterführen wird und freue mich besonders, dass Verband und Stiftung in sinnvoller Weise wieder in einer Hand vereint sind. Vielen Dank, Herr Dr. Stupperich, dass Sie sich im Interesse unseres Fachs dieser zusätzlichen Aufgabe stellen.

Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, danke ich für Ihre die Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen einen erfolgreichen Nachmittag.

   
 Preisrede 2010 der Vorsitzenden der Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD' B. Netzel 
 Preisrede 2010 der Vorsitzenden der Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD' B. Netzel 
   
 Aufmerksame Zuhörer im Votragssaal des Historischen Museums Hannvoer 
 Aufmerksame Zuhörer im Votragssaal des Historischen Museums Hannvoer 
   
 Die Preisträger nehmen ihre Urkunde ... 
 Die Preisträger nehmen ihre Urkunde ... 
   
 ... und den anerkennenden Applaus der versammelten Kolleg/innen entgegen. 
 ... und den anerkennenden Applaus der versammelten Kolleg/innen entgegen. 
   
 Den meisten Applaus erhält die scheidende Vorsitzende für ihre engagierte langjährige Arbeit im Dienste d.Geschichtsunterrichts 
 Den meisten Applaus erhält die scheidende Vorsitzende für ihre engagierte langjährige Arbeit im Dienste d.Geschichtsunterrichts 
   
 

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