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3.Zur Geschichte der Henning von Burgsdorff-Stiftung

 

Zur Geschichte der Henning von Burgsdorff-Stiftung

Die Geschichte der Henning von Burgsdorff-Stiftung beginnt im Jahre 1999. Am 12.9.1999 traten drei ehemalige Bundespräsidenten – Herzog, von Weizsäcker und Scheel - mit einem Aufruf zu mehr bürgerlichem Gemeinsinn an die Öffentlichkeit. Sie forderten höheres Engagement der Bürgergesellschaft für humanitäre, soziale, kulturelle und ökologische Aufgaben. Wenn man sich die große Zahl der in der Folgezeit entstehenden Bürgerstiftungen vergegenwärtigt, taten sie dies mit großem Erfolg.

Auch Henning von Burgsdorff fühlte sich angesprochen, denn er beobachtete bedrückt die damals erstarkenden rechtsradikalen Tendenzen bei einem Teil der Jugendlichen und sah in einem motivierenden, modernen Geschichtsunterricht das wichtigste Mittel, den jungen Leuten in Zeiten des Umbruchs Orientierung zu geben und sie durch historische Kenntnisse gegen Manipulation zu immunisieren.

Henning von Burgsdorff war selbst Geschichtslehrer. Aus konservativen Milieu stammend, aber von Jugend an in kritischer Distanz zum Hitlerregime, wurde er als junger Offizier an der Ostfront schwer verwundet. Die Tragik seines Lebens fasste er in einer Zeitzeugenbefragung durch Gymnasialschüler mit dem Satz zusammen: “Wir haben dem Teufel gedient.“ Nach dem Krieg studierte H.v. Burgsdorff Geschichte und Religion, war als Gymnasiallehrer und Dozent tätig und widmete sich bis zu seinem Tod 2003 der Analyse der verhängnisvollen Mechanismen des NS-Regimes.

Henning von Burgsdorff war aber auch ein besonderer Mensch, vornehm und in der Lebensführung bescheiden. Obwohl nicht reich, war er bereit für sein Anliegen persönlich einzustehen, der jungen Generation ein Geschichtsbewusstsein zu vermitteln, das zu kritischen und verantwortungsvollen Bürgern einer rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaft passt.

So wurde es mir im Jahr 2000 als Vorsitzender des Geschichtslehrerverbands nicht allzu schwer gemacht, ihn zu überreden, eine Stiftung zur Förderung des Geschichtsunterrichts mit einem Startkapital von 500.000,- DM auszustatten.

Von den zwischen uns verabredeten Förderschwerpunkten kann das erste Anliegen als beendet angesehen werden, nämlich ein von der Stiftung finanziertes und in Zusammenarbeit zwischen mir und dem Klettverlag erstelltes zweibändiges Taschenbuch zur deutschen und europäischen Geschichte. Die Verfasser der einzelnen Kapitel – durchweg Universitätslehrer - mussten sich auf das Abenteuer einlassen, eine Darstellung zu erstellen, die den Stand der Forschung spiegeln, aber zudem durch einem verständlichen essayistischen Schreibstil Interesse wecken sollte. Die Bücher sollten junge Leute zur selbstständigen Lektüre anregen, um ihnen neben dem auf spezielle Themen eingeengten, auf das Zentralabitur vorbereitenden Unterrichtslehrgang einen profunden Überblick zu verschaffen. Da wir Neuland betraten, konnten wir in den Zusammentreffen in Berlin einerseits begeisterte Zustimmung bei Autoren ernten, die sich auf diese Anforderungen einließen, anderen mussten wir allerdings ihre Probekapitel, die von Oberstufenschülern gegengelesen waren, zurücksenden - sehr zum Unmut mancher namhafter Professoren.

Die unverminderte Nachfrage zeigt, dass die Bände ankommen.

Der Vorstand der Stiftung trat 2000 zur seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Es war zwischen Herrn v. Burgsdorff und mir verabredet, eine Verwaltungs- und Entscheidungsebene zu schaffen, so klein und so kompetent wie möglich. Die satzungsgemäße Zusammensetzung des Vorstands aus je einem Vertreter der 1. Phase der Ausbildung, einem der 2. Phase und von zwei Vertretern des Vorstands des Geschichtslehrerverbands hat sich bis heute sehr bewährt.

In den vergangenen 10 Jahren folgte auf Prof. Mütter, Uni Oldenburg, Prof. Sauer, Uni Göttingen, auf Dr. Sinemus, Fachseminar Göttingen, nach dessen Pensionierung Herr Dr. Eckhardt, Fachseminar Hameln. Als Vertreter des Geschichtslehrerverbandes amtierten im Vorstand der Stiftung neben mir als Gründungsvorsitzender nacheinander Herr OStD Thunich, Frau Fachberaterin StD‘ Dr. Hanslik und Herr OStD i.R. Dr. Stupperich.

Seit 2000 kommt der vierköpfige Vorstand einmal im Jahr zusammen und bemüht sich in ausführlicher Diskussion, dem 2. Schwerpunkt der Stiftung, der Verleihung von jährlichen Preisen für ausgezeichnete Leistungen im Geschichtsunterricht, gerecht zu werden. Für eine fachgerechte Beurteilung der eingereichten Arbeiten liegen Kriterien vor: Relevanz des Themas, Dokumentation des Arbeitsprozesses und kritische Analyse der angewandten Methoden sowie die Präsentation des Arbeitsergebnisses.

In den 10 Jahren meiner Tätigkeit konnten zudem viele Tagungen mit der Erstattung der Referentengelder unterstützt werden. So hat die Stiftung – wie ihr 3. Schwerpunkt ausweist - viel zur Fortbildung der Geschichtslehrer und Geschichtslehrerinnen beigetragen.

In den vergangenen Jahren hat die Stiftung alle finanziellen Zuwendungen primär aus den Erträgen des vorhandenen Stiftungskapitals getätigt. Das Einwerben von Spenden war leider sehr begrenzt. Hier würde sich ein lohnendes Betätigungsfeld für die Zukunft auftun.

B. Netzel


   
 Preisverleihung durch Frau OStD Netzel in den Landtagsterrassen Hannover 2004    
 Preisverleihung durch Frau OStD Netzel in den Landtagsterrassen Hannover 2004  
   
 

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