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Preisverleihung 2009 - Rede der Vorsitzenden der H.-v. Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD´ B. Netzel

 


Rede der Vorsitzenden der H.-v. Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD´ B. Netzel,

zur Preisverleihung am 5.11.2009
auf dem Tag des Geschichtslehrers des NGLV, Hannover



Sehr geehrter Herr Dr. Stupperich, liebe Kolleginnen und Kollegen,


ich begrüße Sie herzlich zum 2. Teil der jährlichen Zentraltagung des Geschichtslehrerverbands.

Es ist ein Förderschwerpunkt der H.v.Burgsdorff-Stiftung, solch lohnenden Fachtagungen ihre finanzielle Unterstützung zuzusagen.

Für die heutige Tagung sind es 1000,- Euro.

Ich nehme mir aber - wie in jedem Jahr - die Freiheit, öffentlich zu kritisieren, dass das Land Niedersachsen zwar immer neue Themen für das Zentralabitur vorgibt, jedoch keine unterstützende Fortbildungen für die Fachlehrer organisiert und finanziert.

Der Geschichtslehrerverband verdient deshalb um so mehr Dank für seine fachliche Initiative, finanziell wäre er aber bei weitem überfordert.

Da mir dies aus meiner Zeit als Vorsitzende des Geschichtslehrerverbands sehr vertraut ist, haben wir damals im Jahr 2000 die H. v. Burgsdorff-Stiftung gegründet.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die Möglichkeit dieser Förderung im Kollegenkreis bekannt ist. Denn die Stiftung – um dies nochmals zu betonen - gibt nicht nur Zuschüsse zu zentralen Tagungen sondern sie unterstützt auch regionale, lokale und - in bestimmten Fällen - innerschulische Fortbildung.

Der Unterstützung des Geschichtsunterrichts soll zweitens das von der Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Klett-Verlag herausgegebene zweibändige Taschenbuch zur deutschen und europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts dienen. Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen.

Der dritte Schwerpunkt der Stiftung ist die jährliche Auszeichnung von Kolleginnen und Kollegen, die Vorbildliches im Fach Geschichte oder im fachübergreifenden Unterricht geleistet haben. Nicht nur Fortbildung ist wichtig, sondern auch die Motivation der Kolleginnen und Kollegen durch die öffentliche Würdigung guter fachlicher und pädagogischer Arbeit. Auch bildungspolitisch ist es notwendig, dass nicht immer die Lehrerleistung hinter den vielfach gelobten Schülerarbeiten verschwindet und für selbstverständlich gehalten wird.

Ich freue mich deshalb, dass Sie, meine Damen und Herren, heute mit mir zusammen die Preisträger ehren wollen. Eine größere Öffentlichkeit wird durch die Wiedergabe dieser Rede zur Preisverleihung im Internet unter der Home-page des Geschichtslehrerverbands erreicht.

Bevor wir zur Preisverleihung 2009 kommen, möchte ich noch etwas zur Bewerbung für das nächste Jahr sagen. Die Bewerbungsbögen gehen Ihren Schulleitern mit einem Begleitschreiben jeweils im März des Jahres zu. Sie können aber auch aus dem Computer heruntergeladen werden ( www.vgd-nds.de –Link: H. v. Burgsdorff-Stiftung). Ich weiß, wie groß die Belastungen des Alltags an der Schule sind. Sie sollten sich aber zur Teilnahme ermutigt fühlen, wenn Sie einmal mit eigenen Ideen in einer Unterrichtseinheit oder in einem Projekt von der täglichen Routine abgewichen sind und auch andere davon Kenntnis erhalten sollen. Auf der zusätzlichen Mühe, die Arbeitsergebnisse zusammenzustellen, den Arbeitsverlauf zu beschreiben und das Ergebnis aus Lehrersicht zu kommentieren, müssen wir allerdings bestehen, da wir nur so zu einem fachgerechten Urteil kommen.

Genug der Vorrede – kommen wir zur Preisverleihung.


Wir haben für das Jahr 2009 einen ersten Preis von 1000,- Euro und zwei zweite Preise zu je 400,- Euro ausgegeben.


Meine Vorstandskollegen Herr Prof. Dr. Sauer von der Universität Göttingen, Herr Dr. Eckhardt vom Fachseminar Hameln und Herr Dr. Stupperich für den Geschichtslehrerverband haben sich mit mir zusammen auf eine intensive Diskussion der eingereichten Beiträge eingelassen. Bewertungskriterien waren dabei die Relevanz des Themas, der methodische Anspruch und die Ergebnispräsentation.


Vor der Auszeichnung der Preisträger ist es uns aber ein herzliches Anliegen, einer im Sommer 2009 nach 39 Dienstjahren pensionierten Kollegin aus Osnabrück, Frau Beate Elbracht für Ihre lange engagierte Arbeit zu danken.


Frau Elbracht leitete 17 Jahre lang eine Geschichts-Arbeitsgemeinschaft am

Graf Stauffenberg-Gymnasium, und prägte mit ihrer sogenannten „Historischen Wand“ das Profil der Schule, die sich zur Aufgabe gemacht hat, immer wieder lokale und regionale Geschichtsthemen zu bearbeiten. Außerdem initiierte sie an maßgeblicher Stelle den sogenannten „Anderen Stadtführer“, der ein Durchwandern des nationalsozialistischen Osnabrück erlaubt und bereits in der 6. Auflage vorliegt.

Wir danken Ihnen, Frau Elbracht, auch dafür, dass Sie ein treues Mitglied des Geschichtslehrervereins war und wir Sie bei so vielen Tagungen begrüßen konnten.

Ihre Kollegen haben Sie als humorvolle, liebenswerte, und vorbildliche Persönlichkeit erlebt.

Liebe Frau Elbracht, sie haben sich um den Geschichtsunterricht verdient gemacht und deshalb möchten wir Ihnen zwei Bände zum 20. Jahrhundert schenken, das von Prof. Gerhard Paul herausgegebene „Jahrhundert der Bilder“. Die Bände zeigen die Schlüsselbilder, die die Welt bewegten, und erzählen ihre Entstehung, ihre Wahrnehmung, ihre Benutzung und Wirkung.

Ich hoffe, Sie werden sie als gute Ergänzung Ihrer Bibliothek willkommen heißen. Von Herzen alles Gute für Sie in Ihrem Ruhestand.

Nun zu den Preisträgern 2009.

Anders als in den Vorjahren kommen alle aus dem gymnasialen Bereich. Ein hoffnungsvolles Zeichen!


400 Euro haben wir Herrn StR Stephan Kohser, Lehrer am Otto Hahn-Gymnasium in Springe, zuerkannt.

Er hat mit seiner Klasse 7 neue organisatorische Möglichkeiten beispielhaft genutzt. Die Klasse ist eine sogenannte „Europa“-Klasse, d.h. Profilklasse mit Zusatzstunden in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern und Kunst.

Das Thema der gelungenen Projektarbeit war „Europa im Mittelalter“, diese wurde sinnvoll eingebettet und vernetzt mit dem regulären Unterrichtsthema: Lebens- und Herrschaftsformen im Mittelalter. Eine mobile Laptop-station stand zur Verfügung.

Ziel war es, in den Profilstunden ein eigenes Geschichtsbuch zu 8 Aspekten des Mittelalters nach Interessenlage der Schüler zu erstellen, z.B. zu den Kreuzzügen oder zu Spanien im Mittelalter oder zum 100 jährigen Krieg.

Beispielhaft und arbeitsaufwendig hat der Lehrer zu den gewählten Themen einen Materialfundus von Schul- und Jugendbüchern, sowie Geschichtszeitungen, Karten und

Bildern zusammengestellt, mit dem die Schüler zu arbeiten hatten. Er hat so das wenig sinnvolle Herunterladen unverstandener Texte aus dem Internet ausgeschlossen.

Überzeugend ist die offene Form der Themenfindung nach Interesse der Schüler, die behutsame Lenkung bei der Formulierung der Leitfragen, eingebaute Überprüfungen und Hilfen nach der Sichtung des Materials durch die Arbeitsteams, das Gegenlesen der erstellten Texte durch die Mitschüler anderer Arbeitsgruppen, der strenge Zeitplan und die phantasievollen Lernzielkontrollen. Entstanden ist ein ansprechendes Schülerbuch, das richtige erste Schritte historischen Arbeitens zeigt

(Zeitstrahl, Quellenangaben, Literaturlisten, selbstständige Wiedergabe von Texten , Zusammenfassung von Ergebnissen).

Bemerkenswert ist auch die Beurteilung der Schülerleistungen mit ausführlichen Ratschlägen für weiteres Arbeiten durch den Lehrer. Außerdem schätzte die Kommission die der Bewerbung angefügte ausführliche kritische Arbeitsanalyse des Lehrers, und ist sich mit ihm einig, dass hier ein zur Nachahmung zu empfehlendes Projekt durchgeführt wurde.

Ebenfalls mit einem 2. Preis von 400 Euro möchte der Vorstand

Herrn StR Haase-Mühlner, Lehrer am Gymnasium Lüchow auszeichnen und zwar für das Geschichtsprojekt: „Grenzerfahren“.

Passend zum Jubiläumsjahr „20 Jahre Mauerfall“ nutzte Herr Haase-Mühlner in einer Klasse 11 die 2008/09 zum letzten Mal gegebenen Freiräume des Lehrplans im Fach Geschichte und koordinierte als Klassenlehrer ein fachübergreifendes Jahresprojekt zur deutschen Geschichte nach 1945 mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte der DDR.

Mit Schülern des Gymnasiums Lüchow, nahe der ehemaligen Grenze gelegen, schien dieses Projekt „Grenzerfahren“ besonders sinnfällig.

Außer der unterrichtlichen Schwerpunktsetzung in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern wurden zwei Studienreisen ins Grenzgebiet durchgeführt, eine Woche im Herbst 08 von Leipzig, Halle, Plauen bis Salzwedel, und nach den Zeugniskonferenzen im Sommer 09 per Rad von Schnega bis Dömitz. An einem Tag im Frühjahr wurde Berlin besucht, hier u.a. das Stasigefängnis in Hohenschönhausen.


Was ist nach Ansicht des Vorstands nun das Preiswürdige?

Zunächst der von den Schülern erstellte Dokumentarfilm über die Herbstreise, der zeigt, wie dicht Herr Haase-Mühlner seine Schüler durch seine durchdachte Planung an die Problematik des geteilten Deutschland herangeführt hat und zu welch beeindruckenden Zeitzeugenbegegnungen und –interviews es kommen konnte.

Weiter die über das ganze Jahr hin intensiv betriebene Öffentlichkeitsarbeit einzelner Schülergruppen der Klasse, um die beeindruckend dokumentierten Ergebnisse zu präsentieren, so mit 4 Beiträgen im NDR, einem Internet-Blog im Magazin PM-History, durch Ausstellungen im lokalen Rahmen, mit der Teilnahme an der Aktion „Mein Herbst 89“, der erfolgreichen Teilnahme am Jugendgeschichtswettbewerb „20 Jahre friedliche Revolution“ in Leipzig, und - ebenso erfolgreich - am History-Award 2009, sowie mit der beachteten Ausstellung auf dem Geschichtsforum der Universität Berlin 89.

Herr Haase–Mühlner, Sie haben über das Jahr hinweg ein großes Engagement gezeigt und wir danken Ihnen deshalb sehr.



Herrn STR Jörn Fielitz vom Victoria Luise Gymnasium in Hameln hat der Vorstand der H.v. Burgsdorff-Stiftung 2009 den 1. Preis von 1000,- Euro zuerkannt.

Auch hier erstellten die Schüler einen Dokumentarfilm.

Das Thema: „Geflohen und vertrieben - Endstation Hameln“.

Das Projekt im 2. Halbjahr der Klasse 11 wurde sinnvoll mit dem Unterricht (Rahmenthema: Krisen und Umbrüche) verzahnt. Es hat überzeugt durch die Relevanz des Themas, beeindruckt durch das technische Niveau des Films und die solide Aufarbeitung der Fakten, und emotional berührt durch erschütternde, angemessenen präsentierte Berichte der Zeitzeugen.

Besonders preiswürdig erschienen dem Vorstand aber die detaillierten, realistischen und kompetenten Vorüberlegungen des Lehrers, die vorbildhaft für jeden Lehrer sein können, der sich mit einer Klasse an das Medium Film mit einem so sensiblen Thema wagt.

Die für das Vorhaben notwendige langfristige Gruppenarbeit gelang, weil die Klasse überdurchschnittlich leistungsfähig war, verlässlich arbeitete und durch persönliche Erlebnisse motiviert war.


Die arbeitsteilige Zusammenarbeit zwischen den Gruppen wurde durch die Schwierigkeiten vorwegnehmenden Überlegungen des Lehrers effektiv gestaltet und zielführend begleitet.

Die Faktengruppe erarbeitete den Gesamtüberblick, die Archivgruppe die lokalen Bezüge, die Geographiegruppe die Fluchtwege, die Interviewgruppe suchte die 8 Zeitzeugen, erstellte Fragenkataloge und führte Vorinterviews, die Technikgruppe beriet alle anderen, und schnitt den Film nach dem gemeinsam erstellten Verlaufsplan.

Teilergebnispräsentationen und ein exakter Zeitplan, erstaunlich reife Entscheidungen der Schüler in den begleitenden Diskussionen ( - z.B. Auswahl nur zweier Sprecherstimmen oder die Entscheidung, dass interviewende Schüler im Film weder gesehen noch gehört werden sollten, um die Präsenz der Zeitzeugen mit ihrem Erleben nicht zu reduzieren –) führten zu einem beeindruckenden Film von 40 Minuten Dauer, der mit Recht einer breiteren Öffentlichkeit in Hameln vorgeführt wurde.


Es ist schön, dass wir solche Geschichtslehrer an unseren Schulen haben.


   
 Frau Netzel mit dem 3. Preisträger 
 Frau Netzel mit dem 3. Preisträger 
   
 Frau Netzel mit dem 2. Preisträger 
 Frau Netzel mit dem 2. Preisträger 
   
 Frau Netzel mit dem 1. Preisträger 
 Frau Netzel mit dem 1. Preisträger 
   
 Frau Netzel mit der Gewinnerin des Burgsdorff-Sonderpreises, Frau Elbracht 
 Frau Netzel mit der Gewinnerin des Burgsdorff-Sonderpreises, Frau Elbracht 
   
 

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