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Preisträger der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung 2007

Preise der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung 2007

überreicht von Frau OStD? Brigitte Netzel

am Tag des Geschichtslehrers, 3. Dezember 2007 in Hannover

 

Aus der Preisrede von Frau Netzel:

 

Einen zweiten Preis von 500,- Euro haben wir Herrn OStR Peter Hermenau zuerkannt. Herr Hermenau ist Handelslehrer an der Handelslehranstalt Hameln und hat ein Projekt unter dem Titel: ?Migration in Geschichte und Gegenwart? in Zusammenarbeit mit einer polnischen und einer tschechischen Schule betreut.

21 Schülerinnen und Schüler aus den drei Ländern, davon 8 deutsche im Alter von 18 und 24 Jahren, arbeiteten dabei mit ? z. T. in englischer Sprache. Dabei trafen sich die Gruppen zu gemeinsamer Arbeit jeweils für eine gute Woche im Frühjahr 2005 in Polen, im Herbst in Tschechien und im Frühjahr 2006 in Deutschland. Ziel war es, die Ursachen, die Bedingungen und den Umfang der Migration in den jeweiligen Ländern zu erforschen, und die heutige Lebenssituation, sowie die Erfolge oder Misserfolge der Integration durch Befragungen im lokalen Umfeld kennen zu lernen.

Beeindruckt hat uns die multiperspektivische Herangehensweise, der differenzierte und in die drei Sprachen übersetzte Fragebogen, der gut organisierte arbeitsteilige Arbeitsprozess, die sorgfältige Präsentation der Ergebnisse und die über das 20. Jahrhundert zurückgehende Erarbeitung der historischen Dimension des Problems ?Migration? in den drei Ländern. 

 

Einen weiteren 2 Preis erhält Herr StR Dr. Gustav Partington, Lehrer am Gymnasium Neue Oberschule in Braunschweig, für die Leitung und Betreuung des Projekts: ?Piera  Sonnino?, erarbeitet mit einer Klasse 9. Anlass war die Herausgabe der deutschen Ausgabe der Lebenserinnerungen der italienischen Jüdin Piera Sonnino unter dem Titel: ?Die Nacht von Auschwitz? als Rowohlt Taschenbuch. Piera hat Eltern und 5 Geschwister in den Vernichtungslagern verloren und war u. a. auch eine Zeit lang im Braunschweiger Konzentrationslager ?SS Reitschule? interniert.

Beeindruckend geschildertes Einzelschicksal und lokalgeschichtliche Anschauung  bewirkten erstaunliches Engagement der Schülerinnen und Schüler. Eine Abendveranstaltung mit Lesung einzelner Buchpassagen, mit verbindenden erläuternden Texten und Präsentation von Bildmaterial aus dem lokalen Umfeld wurde arbeitsteilig erarbeitet und durchgeführt. Eine Zeitzeugenbefragung von Töchtern zweier Mithäftlinge von Piera schloss sich als 2. Veranstaltung des Projekts an, das mit einem Brief der Klasse an die Hinterbliebenen der Piera in Italien abgeschlossen wurde.

Zu beachten ist , dass die Betreuung dieses lohnenden Projekts mit größtmöglicher Wirkung auf die Klasse und das schulische Umfeld für einen Lehrer, der mit voller Stundenzahl belastet ist, wegen seines klug begrenzten Umfangs und der unterstützenden Mitarbeit des lokalen Arbeitskreises ?andere Geschichte? auch im täglichen Unterrichtsalltag möglich war. 

 

Den 1. Preis der Stiftung, dotiert mit 1000,- Euro, erhält in diesem Jahr Herr Jobst H. Homeier, Rektor einer Realschule, der Europaschule-Friesenschule Leer für das von ihm geleitete deutsch?englische Schulprojekt zur Friedenserziehung . Ich habe bereits im letzten Jahr kurz darüber berichtet.

In Zusammenarbeit mit einer englischen High School ist seit dem Jahr 2000 das Konzept für einen lebendigen Geschichtsunterricht entwickelt und Jahr für Jahr mehr ausgefeilt worden. In jedem Jahr im Frühsommer besucht eine Klasse 9 der Friesenschule zusammen mit dem Jahrgang 9 der englischen Schule die Region Ypern in Belgien. Hier sind im 1. Weltkrieg 500000 Soldaten vieler Nationen ? darunter besonders viele Briten ? gefallen und auf 170 Soldatenfriedhöfen begraben worden. Auf ihren Wanderungen besuchen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Friedhöfe und erkunden die unendlichen Reihen von Gräbern wie auch die Dokumentationen des Kriegsgeschehens in den Museen unter sinnvollen und jugendgemäßen Fragestellungen. Symbolisches Handeln wird gelernt , indem sie Gedenktexte selbst verfassen und an Gedenkzeremonien aktiv teilnehmen. Seit 2007 nimmt noch eine belgische Klasse teil, die Verkehrssprache zwischen den Jugendlichen ist Englisch.

Die Ergebnisse der Fahrt werden nach der Rückkehr aufgearbeitet, eine  zweisprachige Broschüre entsteht, eine schulinterne Ausstellung folgt.

Im November besucht dann jeweils eine Abordnung der Klasse die Partnerschule in England zur Zeit von deren in jedem Jahr abgehaltenen Gedenkfeiern zu Ehren der Toten beider Weltkriege und beteiligt sich an deren Gestaltung mit eigenen Beiträgen.

Als 2003 mit diesem Projekt der Niedersächsische Schülerfriedenspreis gewonnen wurde, standen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Wir wollen heute ausdrücklich dem Lehrer für sein Engagement danken und ihn mit unserem Preis auszeichnen.

 

 

 

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