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Preisverleihung 2007 - Rede der Vorsitzenden der Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD' B. Netzel

Preisverleihung am Tag des Geschichtslehrers,
3. Dezember 2007
, im Historischen Museum Hannover

 

 

Sehr geehrter Herr Dr. Stupperich, liebe Kolleginnen und Kollegen

 

Der Vortrag von Herrn Prof. Oexle hat Ihnen ja  - wie den Pausengesprächen zu entnehmen war - spannende neue Erkenntnisse und Gedankenverbindungen geboten und war offenbar unmittelbar von Nutzen für Ihr praktisches Tun.

 

Die  H. v. Burgsdorff-Stiftung hat für solch eine lohnende Fachtagung gerne ihre finanzielle Unterstützung von 1100,- Euro zugesagt.

Trotzdem müssen wir immer wieder betonen, dass es ein Unding ist, dass das Land Niedersachsen die Themen fürs Zentralabitur zwar vorgibt, jedoch  keine Fortbildung dazu organisiert und finanziert.

Der Geschichtslehrerverband verdient deshalb Dank für seine fachliche Initiative, finanziell  wäre er aber bei weitem überfordert. Da mir dies aus meiner Zeit als Vorsitzende dieses Verbandes sehr vertraut ist, haben wir damals im Jahr 2000 die H. v. Burgsdorff-Stiftung gegründet, um diesem Misstand abzuhelfen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig  Möglichkeit dieser Förderung im Kollegenkreis bekannt ist. Denn die Stiftung ? um dies nochmals zu betonen ? gibt nicht nur Zuschüsse zu zentralen Tagungen, sondern sie unterstützt auch regionale, lokale und ? in bestimmten Fällen ? innerschulische Fortbildung. Bitte teilen Sie das Ihren Fachkollegien mit.   

 

Der Unterstützung des Geschichtsunterrichts soll außerdem auch das in Zusammenarbeit mit dem Klett-Verlag herausgegebene zweibändige Taschenbuch zur deutschen Geschichte des 19 und 20. Jahrhunderts dienen. Es ist durch seinen essayistischen Schreibstil zur selbstständigen Lektüre der Schüler ab Klasse 10 geeignet, um diesen einen geeigneten Überblick zu verschaffen ? und zwar zusätzlich zu dem auf spezielle Themen eingeengten, auf das Zentralabitur vorbereitenden Lehrgang. Das Taschenbuch liegt zur Ansicht am Informationstisch des Verbandes. 

 

Der dritte Schwerpunkt der Stiftung ist die jährliche Auszeichnung von Kolleginnen und Kollegen, die gute pädagogische und fachliche Arbeit im Fach Geschichte oder im fachübergreifenden Unterricht geleistet haben. Wir wollen damit einen Beitrag leisten zu einer hoffentlich motivierenden Kultur der Anerkennung  an der Schule.

Ich freue mich deshalb, dass viele von Ihnen zu diesem  Programmpunkt der Preisverleihung der Henning v. B. Stiftung aus der Kaffeepause zurückgekehrt sind. Denn nicht nur das Preisgeld, auch die öffentlich Würdigung vor den Fachkollegen ist zur Motivation  wesentlich.

 

Bevor wir zur Preisverleihung kommen, möchte ich Sie für 2008 zu breiter Teilnahme ermutigen. Die Bewerbungsbögen gehen den Schulen jeweils im März des Jahres zu. Sie können aber auch aus dem Internet heruntergeladen werden ( www.vgd-nds.de => H. v. Burgsdorff-Stiftung). Ich weiß, wie groß die Belastungen des Alltags an der Schule sind. Sie sollten sich aber zu einer Teilnahme ermutigt fühlen, wenn Sie einmal ein paar Schritte jenseits der Routine in einer Unterrichtseinheit oder in einem Projekt vorwärts gegangen sind und auch andere davon Kenntnis erhalten sollen. Auf der zusätzlichen Mühe, die Arbeitsergebnisse zusammenzustellen, den Arbeitsverlauf zu beschreiben und das Ergebnis aus Lehrersicht zu kommentieren, müssen wir allerdings bestehen, da wir nur so zu einem fachgerechten Urteil kommen können. Die Mühe wird  ja auch durch das Preisgeld versüßt.

 

Nun zur Preisverleihung.

Meine Vorstandskollegen Frau Dr. I. Hanslik, Herr Dr. Sinemus und  Herr Prof. Dr. Sauer haben sich mit mir zusammen auf eine intensive Diskussion der eingereichten Beiträge eingelassen. Bewertungskriterien waren dabei die Relevanz des Themas, der methodische Anspruch und die Ergebnispräsentation.

 

Wir haben für das Jahr 2007 einen ersten Preis von 1000,- Euro und zwei zweite Preise zu je 500,- Euro ausgegeben. 

 

Einen zweiten Preis von 500,- Euro haben wir Herrm OStR Peter Hermenau zuerkannt. Herr Hermenau ist Handelslehrer an der Handelslehranstalt Hameln und hat ein Projekt unter dem Titel: ?Migration in Geschichte und Gegenwart? in Zusammenarbeit mit einer polnischen und einer tschechischen Schule betreut.

21 Schülerinnen und Schüler aus den drei Ländern, davon 8 deutsche im Alter von 18 und 24 Jahren, arbeiteten dabei mit ? z. T. in englischer Sprache. Dabei trafen sich die Gruppen zu gemeinsamer Arbeit jeweils für eine gute Woche im Frühjahr 2005 in Polen, im Herbst in Tschechien und im Frühjahr 2006 in Deutschland. Ziel war es, die Ursachen, die Bedingungen und den Umfang der Migration in den jeweiligen Ländern zu erforschen, und die heutige Lebenssituation, sowie die Erfolge oder Misserfolge der Integration durch Befragungen im lokalen Umfeld kennen zu lernen.

Beeindruckt hat uns die multiperspektivische Herangehensweise, der differenzierte und in die drei Sprachen übersetzte Fragebogen, der gut organisierte arbeitsteilige Arbeitsprozess, die sorgfältige Präsentation der Ergebnisse und die über das 20. Jahrhundert zurückgehende Erarbeitung der historischen Dimension des Problems ?Migration? in den drei Ländern. 

 

Einen weiteren 2 Preis erhält Herr StR Dr. Gustav Partington, Lehrer am Gymnasium Neue Oberschule in Braunschweig, für die Leitung und Betreuung des Projekts: ?Piera  Sonnino?, erarbeitet mit einer Klasse 9. Anlass war die Herausgabe der deutschen Ausgabe der Lebenserinnerungen der italienischen Jüdin Piera Sonnino unter dem Titel: ?Die Nacht von Auschwitz? als Rowohlt Taschenbuch. Piera hat Eltern und 5 Geschwister in den Vernichtungslagern verloren und war u. a. auch eine Zeit lang im Braunschweiger Konzentrationslager ?SS Reitschule? interniert.

Beeindruckend geschildertes Einzelschicksal und lokalgeschichtliche Anschauung  bewirkten erstaunliches Engagement der Schülerinnen und Schüler. Eine Abendveranstaltung mit Lesung einzelner Buchpassagen, mit verbindenden erläuternden Texten und Präsentation von Bildmaterial aus dem lokalen Umfeld wurde arbeitsteilig erarbeitet und durchgeführt. Eine Zeitzeugenbefragung von Töchtern zweier Mithäftlinge von Piera schloss sich als 2. Veranstaltung des Projekts an, das mit einem Brief der Klasse an die Hinterbliebenen der Piera in Italien abgeschlossen wurde.

Zu beachten ist , dass die Betreuung dieses lohnenden Projekts mit größtmöglicher Wirkung auf die Klasse und das schulische Umfeld für einen Lehrer, der mit voller Stundenzahl belastet ist, wegen seines klug begrenzten Umfangs und der unterstützenden Mitarbeit des lokalen Arbeitskreises ?andere Geschichte? auch im täglichen Unterrichtsalltag möglich war. 

 

Den 1. Preis der Stiftung, dotiert mit 1000,- Euro, erhält in diesem Jahr Herr Jobst H. Homeier, Rektor einer Realschule, der Europaschule-Friesenschule Leer für das von ihm geleitete deutsch?englische Schulprojekt zur Friedenserziehung . Ich habe bereits im letzten Jahr kurz darüber berichtet.

In Zusammenarbeit mit einer englischen High School ist seit dem Jahr 2000 das Konzept für einen lebendigen Geschichtsunterricht entwickelt und Jahr für Jahr mehr ausgefeilt worden. In jedem Jahr im Frühsommer besucht eine Klasse 9 der Friesenschule zusammen mit dem Jahrgang 9 der englischen Schule die Region Ypern in Belgien. Hier sind im 1. Weltkrieg 500000 Soldaten vieler Nationen ? darunter besonders viele Briten ? gefallen und auf 170 Soldatenfriedhöfen begraben worden. Auf ihren Wanderungen besuchen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Friedhöfe und erkunden die unendlichen Reihen von Gräbern wie auch die Dokumentationen des Kriegsgeschehens in den Museen unter sinnvollen und jugendgemäßen Fragestellungen. Symbolisches Handeln wird gelernt , indem sie Gedenktexte selbst verfassen und an Gedenkzeremonien aktiv teilnehmen. Seit 2007 nimmt noch eine belgische Klasse teil, die Verkehrssprache zwischen den Jugendlichen ist Englisch.

Die Ergebnisse der Fahrt werden nach der Rückkehr aufgearbeitet, eine  zweisprachige Broschüre entsteht, eine schulinterne Ausstellung folgt.

Im November besucht dann jeweils eine Abordnung der Klasse die Partnerschule in England zur Zeit von deren in jedem Jahr abgehaltenen Gedenkfeiern zu Ehren der Toten beider Weltkriege und beteiligt sich an deren Gestaltung mit eigenen Beiträgen.

Als 2003 mit diesem Projekt der Niedersächsische Schülerfriedenspreis gewonnen wurde, standen die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt. Wir wollen heute ausdrücklich dem Lehrer für sein Engagement danken und ihn mit unserem Preis auszeichnen.

 

 

Zum Abschluss noch eine Bemerkung: Wir freuen uns, dass Lehrer verschiedener Schulformen zum Zuge kamen. Ausgezeichnet wurden drei Lehrer, die  Projekte leiteten. Die Bedingungen für Projektarbeit an den verschiedenen Schulformen differenzieren stark, an manchen Schulen ist sie kaum mehr möglich. Deshalb möchten wir nochmals betonen, dass wir auch die innovativ durchdachte Unterrichtseinheit im Curriculum des Fachunterrichts oder die  Zusammenarbeit verschiedener Fächer zu einem Thema für preiswürdig halten und wir möchten Sie zur Bewerbung ermutigen.

 

Zum Schluss bleibt mir noch eine Aufgabe, die mir ganz besonders am Herzen liegt.

Leider müssen wir heute Herrn Dr. Sinemus verabschieden, der seit 2000 Vorstandsmitglied unserer Stiftung war. Herr Dr. Sinemus hat 20 Jahre lang als Fachleiter für Geschichte Generationen von Referendaren ausgebildet und hat sich immer wieder in Kommissionen einspannen lassen, die sich die Frage stellten, was denn ein guter Geschichtsunterricht sein könnte bzw. sein sollte. Am 1. 2. dieses Jahres ist er in Pension gegangen und beendet damit auch seine Mitarbeit bei der Stiftung.

Herr Dr. Sinemus hat uns nicht nur mit seinem klugen Rat bei der Auswahl der Preisträger geholfen, er hat uns auch durch seine scharfsinnigen und zutreffenden Analysen beeindruckt und durch seine geistreichen Scherze die Sitzungen erfreulich aufgelockert. Dafür danken wir ihm von Herzen.

 

Ich habe hier einen Antrag von den Geschichtsobleuten von sechs Göttinger Gymnasien vorliegen, mit der Bitte, Volker  Sinemus für sein außerordentliches und ehrenamtliches Engagement für die  Fortbildung von Geschichtskollegen in Göttingen und Umgebung einen Sonderpreis der Stiftung zu überreichen. Anlass für diesen Antrag ist die Tatsache, dass Herr Dr. Sinemus seit 16 Jahren einen Gesprächskreis von jeweils ca. 20 Geschichtslehrern betreut und leitet, in dem für den Geschichtsunterricht relevante aktuelle Fragestellungen von gemeinsamem Interesse diskutiert werden. Aus seiner immensen Sach- und Literaturkenntnis heraus hat er die Materialien für die Diskussion vorbereitet  und durch seine Kontakte Referenten bestellen können. Dieses Engagement ist beispielhaft ? besonders weil sich der Geschichtslehrerverband seit Jahren ? schon unter meinem Vorsitz ? um die Etablierung solcher dauerhaften Gesprächskreise in anderen Regionen von Niedersachsen bemüht hat. Leider immer vergeblich.

Wir haben nun im Vorstand über diesen Antrag befunden und sind der Meinung, dass wir auf keinen Fall einem von uns selbst einen Preis zuerkennen können. Wir haben als kleines ?Dankeschön? für Herrn Dr. Sinemus zwei Bücher seiner Wahl besorgt, die wir ihm mit allem Dank überreichen möchten, nämlich:

Fritz Stern: ?Fünf Deutschland und ein Leben? und die Sonderausgabe von Saul Friedländer ?Das dritte Reich und die Juden?.

 

Aus der Laudatio der Göttinger Kollegen, die ich ihm dazu heute überreichen möchte , seien zum Schluss einige Sätze zitiert:

 

?Nach den Kriterien der H. v. Burgsdorff- Stiftung hätte Volker Sinemus deren Jahrespreis in mehreren Kategorien mehrfach verdient. Er hat Kollegen über viele Jahre angeregt, ermutigt und in vielfältiger Weise in ihren unterrichtlichen Bemühungen unterstützt. Volker Sinemus hat sich um einen innovativen, nachhaltigen und dem Glauben ?an die sanfte Gewalt der Vernunft über den Menschen? stärkenden Geschichtsunterricht verdient gemacht.?

 

Brigitte Netzel, OStD'

1. Vorsitzende der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung

   
 Preisverleiung der Burgsdorff-Stiftung 2007 durch die Stiftungsvorsitzende Frau OStD\' Netzel 
 Preisverleiung der Burgsdorff-Stiftung 2007 durch die Stiftungsvorsitzende Frau OStD' Netzel 
   
 Der 1. Preisträger bedankt sich für die Auszeichnung 
 Der 1. Preisträger bedankt sich für die Auszeichnung 
   
 Nützlicher Hinweis auf das 2-bändige Geschichtswerk zum 19./20. Jh. 
 Nützlicher Hinweis auf das 2-bändige Geschichtswerk zum 19./20. Jh. 
   
 

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