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Tag des Geschichtslehrers, 14. Nov. 2005 - Grußwort des Nds. Kultusministers

Stand: 2005-11-09, 08.02 Uhr wb

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Grußwort des Niedersächsischen Kultusministers
Bernd Busemann

anlässlich des Tages der Geschichtslehrer
am 14.11. 2005 in Hannover


Anrede
Infolge insgesamt nur durchschnittlicher Ergebnisse bei den Ihnen bekannten internationalen und nationalen Schulleistungsvergleichen hat Niedersachsen die Initiative ergriffen. Seit 2003 haben wir die umfassendste Schulreform seit Bestehen des Landes auf den Weg gebracht, die ohne Übertreibung als historisch bezeichnet werden darf.

Es ist selbstverständlich, dass grundlegende Reformen erfolgreich nur im Dialog mit den Betroffenen durchgeführt werden können. Der Verband der Geschichtslehrer, Landesverband Niedersachsen, ist dabei seit jeher ein aktiver und konstruktiver Partner, der kompetent an der Sicherung und Weiterentwicklung des Geschichtsunterrichtes mitwirkt. Dafür gebührt Ihnen herzlicher Dank!
  
Wie Sie wissen, haben sich alle Bundesländer in der KMK dazu verpflichtet, die gemeinsam erarbeiteten Bildungsstandards umgehend einzuführen und anzuwenden. Damit kann die Qualitätsentwicklung in den Schulen aller 16 Bundesländer an einem gemeinsam vereinbarten Maßstab verglichen werden.
Das ist eine ähnlich umfassende Neuerung für Deutschland wie die Vereinheitlichung der Maßeinheiten nach der Reichsgründung 1871. Damals wurden die Längenangaben und Gewichte vereinheitlicht und vergleichbar gemacht; heute sind es die Angaben über die schulischen Leistungen. Das ist ein ganz erheblicher Fortschritt.
 

Die niedersächsische Lehrplanarbeit greift die Zielsetzungen der Bildungsstandards auf und präzisiert sie fach- und schulformbezogen  in ergänzenden Lehrplänen, den so genannten Curricularen Vorgaben oder Kerncurricula. Für die Lehrplanarbeit heißt dies, dass sämtliche Rahmenrichtlinien - und zwar für alle Schulformen - überarbeitet werden müssen, eine gewaltige Aufgabe, die wir aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht gleichzeitig bewältigen können.

Zunächst haben wir unter größtem Zeitdruck Curriculare Vorgaben für alle Fächer und Schulformen der Jahrgänge 5 und 6 vorgelegt. Nach Abschaffung der Orientierungsstufe war dies die dringendste Aufgabe, schließlich wäre es nicht sinnvoll gewesen, die Jahrgänge 5 und 6 weiterhin nach den RRL einer nicht mehr existierenden integrativen Schulform unterrichten zu lassen. Im Fach Geschichte haben wir auf vielfachen Wunsch beteiligter Institutionen einen besonderen Schwerpunkt im Bereich der Landesgeschichte gesetzt.

Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir bei unserer Kommissionsarbeit, entsprechend den bereits vorliegenden Bildungsstandards der KMK, Prioritäten setzen mussten. 
Die Curricularen Vorgaben für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch im Sekundarbereich I sind fast vollendet und sollen zum 1.8. 2006 in Kraft treten. Für das zukünftige Fach Politik/Wirtschaft wird die zuständige Kommission ein Kerncurriculum bis zum Jahresende vorbereiten. In den nächsten Jahren werden wir dann Curriculare Vorgaben für alle übrigen Fächer entwickeln.
 
Für unsere Schulen bedeutet dies, dass die Fachkonferenzen einzelner Fächer, dazu gehört auch Geschichte, eigenständig Stoffverteilungspläne für die einzelnen Jahrgänge entwickeln müssen. Dies ist eine Aufgabe, der die Fachkonferenzen und damit unsere Lehrkräfte für einen Übergangszeitraum gewachsen sind.

Anrede
An dieser Stelle ist dem Landesverband der Geschichtslehrer ausdrücklich für die Arbeit an der Entwicklung eines Kerncurriculums Geschichte bis Klasse 10 in Kooperation mit einer Arbeitsgruppe des Bundesverbandes zu danken. Sie leisten damit eine wichtige Vorarbeit, die in das kommende Kerncurriculum Geschichte für Niedersachsen einfließen kann. 

Wie Sie wissen, werden wir 2006 zum ersten Mal ein so genanntes Zentralabitur durchführen. Für die betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrkräfte beginnt ja gerade die heiße Phase der Vorbereitung. In 24 Fächern wird es landesweit einheitliche Aufgabenstellungen an den Schulen geben, um die Transparenz und Vergleichbarkeit der Anforderungen, aber auch die Chancengerechtigkeit für die Schülerin und den Schüler zu erhöhen. Auch die Einführung des Zentralabiturs hat der Verband der Geschichtslehrer stets konstruktiv durch gut besuchte Informations- und Fortbildungsveranstaltungen begleitet, wie auch die heutige Veranstaltung erneut beweist.

Ihr Verband richtet generell in vorbildlicher Weise Fortbildungsveranstaltungen in allen Regionen Niedersachsens aus. Die hohen Teilnehmerzahlen an Ihren Kursen belegen das Interesse der von Ihnen gewählten Themen und deren Aktualität. 
 

Anrede
Wie zuletzt in der Roten Mappe 2005 des Niedersächsischen Heimatbundes dokumentiert, haben der niedersächsische Geschichtslehrerverband und der NHB die Initiative für die Errichtung eines Hauses der Geschichte des Landes Niedersachsen ergriffen. Dieser Wunsch nach einem zentralen Ort der Vermittlung niedersächsischer Geschichte ist begrüßenswert und deckt sich mit unserem Interesse landesgeschichtliche Themen stärker als bisher im Geschichtsunterricht zu verankern. Zurzeit wird die Geschichte Niedersachsens in den Museen des Landes nur in Einzelaspekten präsentiert, oft unter der Betonung einer bestimmten regionalen Ausrichtung.

Es spricht für Sie, wenn Sie bei der Umsetzung dieser Idee, die engen Grenzen einer staatlichen Unterstützung infolge der schwierigen Finanzlage der öffentlichen Kassen anerkennen und deshalb ?eine weitgehende Finanzierung aus privaten oder Stiftermitteln? anstreben. Wie Ihnen bekannt ist, wird Ihr Vorschlag derzeit unter Berücksichtigung der Haushaltslage geprüft. Bei einer möglichen Umsetzung Ihrer unterstützenswerten Initiative sollten zudem die Chancen eines ehrenamtlichen Engagements berücksichtigt werden.

Anrede
Als Geschichtslehrer sind Sie es gewohnt, in historischen Zusammenhängen zu denken. Ich hoffe aber und bin ein Stück weit auch zuversichtlich: Wenn wir allen guten Willens voranschreiten, sollte bis zur Verwirklichung eines Hauses der Geschichte des Landes Niedersachsen nicht erst eine historische Epoche vergehen.

Für Ihre heutige Tagung wünsche ich Ihnen gutes Gelingen und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

   
  
   
 

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