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2003.04: Rundbrief Advent

 

Advent 2003

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesem Rundbrief möchten wir Ihnen allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest wünschen. Hoffentlich finden Sie in den freien Tagen "zwischen den Jahren" so viel Ruhe und Entspannung, dass Sie Kraft schöpfen können für das neue Jahr 2004, für das wir Ihnen Glück und beruflichen Erfolg wünschen.

Die meisten von uns stehen im Schuldienst und das bedeutet, dass viele im neuen Jahr erhebliche Veränderungen an ihren Schulen zu bewältigen haben. Dass Ihnen diese Umstrukturierung mit der Integration von drei neuen Jahrgängen und der entsprechenden Anzahl neuer Kolleginnen und Kollegen in den weiterführenden Schulen in der täglichen Praxis gelingen möge, auch das ist Teil unseres Neujahrswunsches.

Stundenanteile für den Geschichtsunterricht in den Stundentafelentwürfen

Die Aktivitäten des Verbandes im Herbst und Winter dieses zuende gehenden Jahres stehen im direkten Zusammenhang mit der Schulstrukturreform. Die Anbindung der Jahrgänge 5 und 6 an die weiterführenden Schulen hat die völlige Neukonzeption der Stundentafeln notwendig gemacht.

Mit der Zweistündigkeit des Geschichtsunterrichts in den Jahrgängen 5 und 6 im Gymnasium war der Verband zwar anfangs zufrieden, er kannte allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht die gesamte Stundentafel, die eine Reduzierung des Geschichtsunterrichts in Klasse 8 und 10 um jeweils eine Stunde vorsah. Entsprechend ungünstig für den Geschichtsunterricht fiel die Stundentafel für die Realschule aus. Statt der eigentlich notwendigen Zweistündigkeit in allen Jahrgängen sieht der Entwurf lediglich in Klasse 5 und in Klasse 7 zwei Wochenstunden vor. Die Jahrgänge 6 sowie 8 ? 10 sehen einen einstündigen Geschichtsunterricht vor.

Der Geschichtslehrerverband hat sich entschieden gegen diese Stundenanteile für den Geschichtsunterricht in den in die Anhörung gegebenen Entwürfen gewandt. Sie finden den Wortlaut der Stellungnahme des Verbandes in der Anlage. Diese Stellungnahme geht auch auf die Rolle des Geschichtsunterrichts in den übrigen Schulformen ein, sofern sie durch diesen Entwurf betroffen sind. Über den Vorentwurf der neuen Oberstufenverordnung wird an anderer Stelle noch zu sprechen sein. Dieser ist in den augenblicklichen Anhörungsvorgang nicht einbezogen.

Um Veränderungen durchzusetzen, ist es in der Regel notwendig auch direkte Gespräche zu führen. Daher fanden sich der Vorsitzende sowie Herr Dr. Sachse als zweiter Vorsitzender und Herr Thunich als Beauftragter für die Region Hannover am 12. November bei Herrn Staatssekretär Saager im Kultusministerium ein, um die Zielsetzungen und Wünsche des Geschichtslehrerverbandes zu verdeutlichen. Zusätzlich wandte sich der Verband noch einmal an den Landtagspräsidenten und bat um Unterstützung seiner Ziele.

Tag des Geschichtslehrers in Hannover

Am 6. November fand in Hannover der nach Osnabrück zweite Tag des Geschichtslehrers im Jahr 2003 statt. Zu diesem Tag waren alle Fachkolleginnen und ?kollegen ebenso wie die Referendarinnen und Referendare, aber auch Studierende eingeladen. Mit fast 200 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Tagung gut besucht.

Tagungsort war das Historische Museum Hannover am Hohen Ufer. Wir danken dem Leiter dieses Museums, Herrn Dr. Schwark, für die Gastfreundschaft, die er dem Verband in seinem Hause entgegenbrachte. Für die hohe Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer musste die Eingangshalle bestuhlt werden, was die Museumsmitarbeiter für unsere Veranstaltung leisteten. Auch für das leibliche Wohl sorgte das Museum durch die Aktivierung von Mitgliedern des Freundeskreises des Historischen Museums, denen wir an dieser Stelle noch einmal danken möchten.

Das Hauptthema der Tagung war die Regionalgeschichte. Deshalb ließ es sich der Landtagspräsident Jürgen Gansäuer nicht nehmen, zur Begrüßung zu erscheinen, obwohl er dafür Termine verschieben musste. Es ist das Anliegen des Landtagspräsidenten, die niedersächsische Landesgeschichte zu stärken. Aus diesem Grunde hat er bereits eine Vortragsreihe zu landesgeschichtlichen Themen im Landtag gestartet, die einen erstaunlich hohen Zulauf zu verzeichnen haben. Der Präsident bat die versammelten Geschichtslehrerinnen und -lehrer darum, seine "Verbündeten" zu werden, wenn es darum gehe, der Geschichte überhaupt und der Landesgeschichte im Besonderen wieder den Stellenwert in der Öffentlichkeit zu geben, der ihnen zukomme.

Dies nutzte der Vorsitzende, um daran anzuknüpfen mit der Bemerkung, dass dann auch für eine ausreichende Ausstattung mit Unterrichtsstunden für das Fach Geschichte gesorgt werden müsse. Der Präsident versprach zu tun, was in seinen Kräften stehe.

Den Hauptvortrag hielt Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer (Universität Hannover) über das Thema "Regionalgeschichte in Niedersachsen. Herausforderungen und Probleme für den Geschichtsunterricht" (vgl. dazu seinen Vortrag "Regionalgeschichte und Schulunterricht" in Goslar, 13./14.2.2003).

Herausforderung sei die Wandlung der Disziplin Landesgeschichte. Sie habe sich gelöst aus heimat- und volkskundlichen Themenstellungen und für die überregionalen Zusammenhänge geöffnet. Die niedersächsische Landesgeschichte müsse raumübergreifend interpretiert werden. Archive, Bibliotheken, Museen und historische Vereine müssten verstärkt als Dienstleister einbezogen werden. Auch wenn es didaktische Materialien für einen solchen Ansatz in Niedersachsen noch nicht gebe (Mentalitätsgeschichte, Geschlechtergeschichte, Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Umweltgeschichte, NS-Geschichte, Flüchtlingsgeschichte), müsse die Aufbereitung der niedersächsischen Regionalgeschichte für Schüler und Studenten im Blick bleiben.

Der augenblickliche "Kulturkannibalismus" sei ein Problem, da er die finanziellen Möglichkeiten beschneide. Andererseits ergäben sich auch neue Möglichkeiten der Initiative von unten. Auf diesem Sektor ist unser Verband bekanntlich bereits tätig.

Es folgte die Preisverleihung der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung an die diesjährigen Preisträger. Sie galten in diesem Jahr Unterrichtsprojekten, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus am Schulort befassten. Frau OStD` Brigitte Netzel überreichte als Vorsitzende der Burgsdoff-Stiftung die Preise an Kolleginnen und einen Kollegen aus Stuhr-Brinkum, Osnabrück und Clausthal-Zellerfeld. Die Preisträger waren z.T. in Begleitung ihrer Schulleiter angereist. Auch die Mitglieder der Jury, Prof. Dr. Bernd Mütter, Oldenburg und Herr Dr. Volker Sinemus, Göttingen, nahmen ebenfalls an der Preisverleihung teil.

Die Preise wurde verliehen an:

  1. Frau Ilse Henneberg, Kooperative Gesamtschule (KGS) Stuhr-Brinkum

    Frau Henneberg erhielt die Auszeichnung für ihre seit gut 10 Jahren regelmäßig stattfindenden Projekte zum Holocaust, die sich in Ausstellungen, Lesungen und mehreren Veröffentlichungen niedergeschlagen haben.

  2. Herr Thomas Gundermann, Robert-Koch-Schule, Clausthal-Zellerfeld

    Herr Gundermann wurde ausgezeichnet für sein Denkmal-Projekt über die ehemalige Sprengstoffabrik in Clausthal-Zellerfeld: "?Werk Tanne?- Ein Beispiel für Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit im Harz 1933-1945"

  3. Frau Sabine Castrup, Abendgymnasium Osnabrück

    Frau Castrup wurde ausgezeichnet für ihr Projekt "Die Novemberpogrome 1938. Brandstiftung, Plünderung, Verfolgung in Osnabrück" mit Veröffentlichungen und Veranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht.

Frau Netzel erhielt anschließend in Anerkennung ihrer jahrelangen Arbeit als Vorsitzende des Landesverbandes und als Vorsitzende der Burgsdorff-Stiftung eine Urkunde, die ihr die Ehrenmitgliedschaft des Verbandes überträgt.

Nach der Mittagspause führte Herr Dr. Andreas Urban vom Historischen Museum in die Möglichkeiten und Herausforderungen museumspädagogischer Arbeit am Lernort Museum ein. Zugleich gab er eine Einführung in die laufende Ausstellung "Goethes Lotte ? ein Frauenleben um 1800". Anschließend konnten die Tagungsteilnehmerinnen und ?teilnehmer die Ausstellung ansehen, während Dr. Urban seinen museumspädagogischen Ansatz anhand einer Dia-Präsentation zum Thema "Absolutismus im Kurfürstentum Hannover" fortsetzte. Die Besichtigung der Exponate schloss sich für diejenigen an, die sich nicht für die Lotte-Ausstellung entschieden hatten.

Mitgliederversammlung

Als Schlussveranstaltung des Tages des Geschichtslehrers fand die Mitgliedeversammlung des Geschichtslehrerverbandes statt. Der Vorsitzende trug seinen Rechenschaftsbericht vor, auf den eine lebhafte Diskussion folgte. Der Kassenbericht des Schatzmeisters wurde entgegengenommen und nach dem Bericht der Kassenprüfer wurde der gesamte Vorstand entlastet.

Auf der Tagesordnung stand nunmehr die Neuwahl des gesamten Verbandsvorstands. Das Wahlergebnis ist aus der anliegenden von jetzt an gültigen Liste der Mitglieder des Geschäftsführenden und des Erweiterten Vorstands zu entnehmen. Zusätzlich wurden die Delegierten für die Bundesdelegiertenversammlung gewählt. Delegierte sind demnach Dr. Stupperich, Dr. Sachse, Dr. Plath, Dr. Heinßen und Dr. Schaap. Ersatzdelegierter ist Herr Münchenhagen.

Sollten Sie, verehrte Leserin und verehrter Leser, darüber stolpern, dass sowohl auf der Vorstandsliste als auch unter den Delegierten bis auf die Kassenprüferinnen und Frau Netzel nur Männer zu finden sind, so seien Sie versichert, dass der Vorstand außerordentliche Anstrengungen unternommen hat, Frauen zur Kandidatur für tragende Vorstandsposten zu bewegen. Diese Versuche des Vorstands scheiterten kläglich, so dass die Vertretung des Verbandes während der nun beginnenden Amtsperiode im wesentlichen Männersache sein wird.

Vor der Wahl des neuen Vorstandes war eine Satzungsänderung beschlossen worden. Es ist nunmehr nicht mehr notwendig, auf einen gesonderten Schulformvertreter zu verzichten, wenn diese Schulform bereits durch ein Mitglied des Vorstandes repräsentiert ist. Außerdem wurde die Beitragsfreiheit für Referendarinnen und Referendare für die Zeit ihres Referendariats beschlossen.

Am Schluss der Mitgliederversammlung dankte der Vorsitzende den ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern für ihre jahrelange intensive Arbeit für den Landesverband. Frau Jabs-Kiesler, die im Frühjahr noch den Tag des Geschichtslehrers in Osnabrück organisiert hatte, wird sich jetzt vor allem ihrer Aufgabe als Osnabrücker Bürgermeisterin widmen. Herr Dr. Eimers, der bisher für die Region Oldenburg-Ostfriesland zuständig war, wird sich auch weiterhin dem Verband zu Verfügung stellen. Er wird mitwirken an einer geplanten Fortbildungstagung in Oberschlesien, wohin er selbst, auch durch eigene Tätigkeit in der Region, enge Kontakte unterhält. Leider war Herr Ballof, früher zuständig für die Region Göttingen und langjähriger Vorsitzender des VGD-Bundesverbandes, zu dieser Zeit nicht mehr anwesend. Er wird seinen Dank schriftlich erhalten.

Klärung von Sachfragen im Gespräch mit dem Ministerium

Während der Aussprache über den Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden waren verschiedene Fragen aufgeworfen worden, die im Gespräch mit dem Ministerium geklärt werden sollten.

Zum Thema Landeszentrale für politische Bildung verlautete aus dem Ministerium, dass man vom ursprünglichen Plan der Zusammenlegung mit dem NLI und dem Prüfungsamt abgerückt sei. Für die Landeszentrale werde jetzt eine andere Anbindung gesucht. Diese werde nicht der Landtag sein. Der Bereich Gedenkstätten werde herausgelöst und in eine Stiftung umgewandelt.

Zur Frage nach evtl. neuen Rahmenrichtlinien für die Realschule wurde festgestellt, dass die Empfehlungen für die Klassen 5 und 6 Vorrang genössen. Ob es zu neuen Rahmenrichtlinien kommen werde, entscheide sich erst danach. Die Forderung nach der Beteiligung von Verbandsvertretern wird erneut vorgetragen werden, wenn diese Entscheidung gefallen ist.

Die Forderung nach der Dreistündigkeit des Geschichtsunterrichts im Fachgymnasium wurde dem zuständigen Referenten gegenüber mündlich bekräftigt.

Weitere Informationen erhalten Sie im nächsten Frühjahrsrundbrief.

Wir wünschen Ihnen noch einmal eine ruhige Advents- und Weihnachtszeit und grüßen herzlich

Ihre

Dr. Martin Stupperich, Hannover
Dr. Wieland Sachse, Göttingen

 

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