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2013.02: Rundbrief Mai/Juni 2013

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

der Frühling ist, wie wir alle erlebt haben, doch noch gekommen, wenn auch sehr spät. Daher ist die Bezeichnung unserer Braunschweiger Tagung am 28. Mai als Frühjahrstagung gar nicht so unpassend, wie manche dachten.

 

Schon in der Einladung zu dieser Frühjahrstagung in Braunschweig hieß es, Leitlinie der Tagung sei die Vorbereitung auf die neue curriculare Schwerpunktsetzung der Bearbeitung von Gedenktagen als Höhepunkten der Bemühungen um eine öffentliche Geschichtskultur mit gesellschaftlicher Orientierungsfunktion. Dazu gehörten nicht nur der 27. Januar als europäischer Holocaust-Gedenktag, sondern auch der Umgang unserer europäischen Nachbarländer mit ihren Gedenktagen und die z.T. beispielgebenden Debatten in diesen Ländern. Nicht zuletzt ist der 3. Oktober in Deutschland ein Gedenktag zur Aufarbeitung von Phasen der deutschen Geschichte, die von Unrecht geprägt waren. Dem Leben in der ehemaligen DDR jenseits aller Rechtsstaatlichkeit ist der Hauptvortrag der Frühjahrstagung gewidmet. Referent ist der frühere stellvertretende Leiter der Erfassungsstelle für DDR-Unrecht in Salzgitter, Dr. Hans-Jürgen Grasemann.

Diese Thematik wird auch im ersten der drei Workshops des Nachmittags erneut  aufgegriffen, der den Film „Das Archiv des Unrechts“ zum Thema hat.

 

Mit Blick auf den jährlich wiederkehrenden Holocaust-Gedenktag bietet die Tagung im dritten Workshop den Besuch des Jüdischen Museums in Braunschweig an, denn Schüler sollten nicht nur etwas über das Schicksal europäischer Juden unter der NS-Herrschaft und im Zweiten Weltkrieg erfahren, sondern auch darüber, was eigentlich jüdisches Leben in der Alltagswelt ausmachte und ausmacht. Daher hat die Museumsführung den Titel „Jüdisches Leben in Braunschweig“ mit dem Schwerpunkt auf den Besonderheiten jüdischen Lebens in Synagoge und Alltagswelt. Zu sehen ist u. a. die gesamte Innenausstattung der geretteten Hornburger Synagoge in der originalen Zusammenstellung.

 

Da wir im Braunschweigischen Landesmuseum am Burgplatz (dem Braunschweiger Dom und dem Löwendenkmal gegenüber gelegen) tagen und dort die am 1. September beginnende Niedersächsische Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug – die Schlacht am Harzhorn“ nun schon seit zweieinhalb Jahren vorbereitet wird, liegt es nahe, sich mit den aufsehenerregenden Funden im südnie- dersächsischen Bergland aus dem Jahr 2008 in einem Workshop zu befassen. Die Funde werden dabei in den großen Zusammenhang der damaligen römisch-germanischen Welt gestellt.

 

Wir schreiben dies noch einmal so umfassend, weil nicht in allen Schulen die Einladungen zur Tagung durch die Sekretariate weitergeleitet wurden. Daher weisen wir auch erneut darauf hin, dassdie Anmeldung über den Anmeldebogen erfolgen soll! Es würde die Planung der Tagung außerordentlich erleichtern, wenn Sie die Anmeldung nicht zu sehr hinausschieben würden (rechtzeitiger Antrag an die Schulleitung). Am 25. Mai ist Anmeldeschluss. Falls die Unterlagen an Ihrer Schule nicht weitergereicht worden sein sollten, finden Sie den Anmeldebogen auch auf der Verbandshomepage www.nglv.de unter „Nachrichten/Aktuelles“. Für Sie als Mitglieder des NGLV ist es wichtig zu wissen, dass Sie keine Teilnehmergebühren zu zahlen haben. Nichtmitglieder hingegen zahlen am Eingang eine Tagungsgebühr von 10,- € (Referendare 5,- €). Für Mitglieder übernimmt der Verband diesen Beitrag. Im Gegenzug sind Getränke und Imbiss für alle Teilnehmer frei.

Aus dem entsprechenden Grund fügen wir die Programmübersicht für den 28. Mai erneut bei:

 

Programm der Frühjahrstagung

des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes (NGLV)

am Dienstag, den 28. Mai 2013,

im Braunschweigischen Landesmuseum, Burgplatz 1, 38100 Braunschweig

 

 

8.30 Uhr        Einlass, Anmeldung, Kaffee, Imbiss

 

9.30 Uhr        Begrüßung

                       Dr. Heike Pöppelmann, Leiterin des Braunschweig. Landesmuseums

 

9.40 Uhr       Grußwort der Bürgermeisterin Frau Annegret Ihbe

 

9.50 Uhr        Eröffnung der Tagung

                       Dr. Martin Stupperich, Vors. des Niedersächsischen Geschichtslehrer-

                       Verbandes (NGLV)

 

10.00 Uhr      Hauptvortrag: Unrechtsstaat DDR – Willkür, Gewalt, Macht

                 Dr. Hans-Jürgen Grasemann, ehem. Stellv. Leiter der Zentralen Erfassungsstelle in Salzgitter

                      

11.00 Uhr     Frage- und Diskussionsrunde

 

11.15 Uhr     Kaffeepause

 

11.50 Uhr      Vergleichende Darstellung der Kerncurricula und Abituranforderungen der Bundesländer im Gedenken an Heinz-Peter Platen

                        Dr. Martin Stupperich

 

12.30 Uhr      Mittagspause und Möglichkeit zum Mittagessen im Bereich der Braunschweiger Altstadt

 

13.45 Uhr     Einlass zu den Workshops / Arbeitskreisen

14.00 Uhr     Beginn der Arbeitskreise

 

15.30 Uhr     Ende der Frühjahrstagung

 

 

Angebote für Workshop/Arbeitskreise:

 

I: Dokumentarfilmpräsentation "Archiv des Unrechts": Filmpremiere mit   anschließender Diskussion

 

II:  "Die Römer kommen": Einführung in die Landesausstellung „Roms vergessener 

     Feldzug“ im Braunschweigischen Landesmuseum nach den aufsehenerregenden

     Funden am Harzhorn

 

III: Jüdisches Leben in Braunschweig: Führung durch die Ausstellung des Jüdischen

     Museums in Braunschweig

 

Im Blick auf die Gedenktage bzw. Gedenkjahre anderer Länder ist das Jahr 2014 von besonderer Bedeutung, denn es ist das Jahr des Ausbruchs der Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren. In Frankreich wird dem „Centenaire“ eine enorme Bedeutung zugemessen. In Deutschland ist davon bislang kaum etwas zu spüren, was wiederum in Frankreich zu außerordentlicher Verwunderung führt, sobald deutsche mit französischen Geschichtslehrern ins Gespräch kommen. Natürlich gibt es naheliegende Gründe für diese unterschiedliche Präsenz des Gedenkens in beiden Nachbarländern, dennoch ist der Mangel an Reflexion überhaupt auf deutscher Seite eigentlich nicht akzeptabel. Historisch kommt dem Geschehen des Ersten Weltkriegs und seinen Folgen für Europa ausgehend von Versailles eine so große Bedeutung zu, dass auch von der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ gesprochen worden ist. Angesichts des besonderen Verhältnisses beider Länder Deutschland und Frankreich und der gänzlich unterschiedlichen Bewertungen des Geschehens wird sich der Niedersächsische Geschichtslehrerverband an einer Tagung Anfang Februar 2014 in Hannover beteiligen, die unter dem Titel firmiert „1914 – 2014. Von der Urkatastrophe zu den Herausforderungen der Gegenwart“. Sie wird abgesehen vom NGLV vom Kultusministerium, dem Politologenverband (DVPB) und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge getragen. Dazu werden durch Vermittlung unseres Vorstandsmitglieds Dr. Rainer Bendick auch Kollegen aus Frankreich eingeladen, mit denen ein deutsch-französisches Podium veranstaltet werden soll, um einer Verständigung, die auf der Basis des deutsch-französischen Geschichtsbuchs gelungen ist, näher zu kommen.

Bezogen auf das Wahlpflichtmodul der Oberstufe zum Nationalsozialismus würden sich mit diesem Tagungsinhalt vor allem zwei ergänzende Wahlmodule nahelegen: Wahlmodul 3 (Das deutsch-französische Verhältnis im 19. Und 20. Jahrhundert) und Wahlmodul 5 (Die Weimarer Republik und ihre Bürger).

 

Bei aller Fixierung auf die NS-Zeit und den Holocaust, wodurch die Epoche des Ersten Weltkriegs und der Folgewirkungen im öffentlichen Diskurs verblasste, ist dennoch ein großer weißer Fleck im NS-bezogenen historischen Bewusstsein verblieben. Es ist die Geschichte der nationalsozialistischen Justiz und der Umgang mit den Tätern in der Rechtsprechung der ersten drei Jahrzehnte der Bundesrepublik, der in zahlreichen Fällen zu geradezu haarsträubenden Urteilen geführt hat. Dies wiederum verwundert nicht, wenn man sich die Tatsache vor Augen führt, dass gut zwei Drittel der Richterschaft der Nachkriegszeit aus dem Personalbestand der NS-Richterschaft übernommen wurde. Dass man sich in Deutschland erst jetzt im April 2013 dazu entschließt, 50 Angehörige des Wachpersonals des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor Gericht zu stellen, die inzwischen schon sehr alt sind, hat es mit dieser bis heute nachwirkenden Konstellation zu tun. Auch wenn das Grundgesetz bereits eine eindeutige Sprache gefunden hatte (Artikel 7,2), stützte sich die Bundesregierung 1954 gegen die europäische Menschenrechtskonvention auf das Rückwirkungsverbot „Keine Strafe ohne Gesetz“, mit dem schon die Verteidiger im Nürnberger Prozess argumentiert hatten und womit der NS-Staat letztlich in einen Rechtsstaat umgedeutet wurde. Nachhaltige Änderungen insbesondere im Strafmaß für NS-Tötungsdelikte wurden erst durch eine gänzlich neue Richtergeneration nach Aufhebung der Verjährungsfrist für NS-Verbrechen seit den 70er und 80er Jahren eingeführt.

Diese Thematik greift sehr direkt das für 2014 und 2015 weiterhin gültige Wahlpflichtmodul des KC Oberstufe „Nationalsozialismus und deutsches Selbstverständnis“ auf, vor allem mit zweien der drei Stichwortvorgaben: „Zwischen Anpassung und Widerstand“ sowie „Aufarbeitung von Schuld und Verantwortung in Deutschland nach 1945“.

 

Daher soll als Regionaltagung in Weser-Ems am 6. und 7. September 2013 im Lager Esterwegen die NS-Justiz und der fragwürdige Umgang mit ihren Unrechtsurteilen in den 50er und 60er Jahren zum Thema gemacht werden. Wir werden die Schulen der Weser-Ems-Regionen noch gesondert zu dieser Tagung in Esterwegen einladen. Hier nur vorläufig eine gekürzte Fassung des Programms, die es ermöglichen soll, schon jetzt eine sachbezogene Entscheidung für die eigene Teilnahme zu fällen.

Die Tagung in der Gedenkstätte Esterwegen (Hinter dem Busch 1, 26897 Esterwegen) beginnt dort am Freitag, 6. September, um 15.00 Uhr, und führt den Titel „Was nicht in Vergessenheit geraten darf.Zur Geschichte der NS-Justiz und der Nachkriegsjustiz“. Ende der Tagung ist der 7. September, 15.30 Uhr. Sie findet in Kooperation des NGLV mit dem Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“, der Gedenkstätte Esterwegen und dem Justizministerium statt.

Die Justizministerin begrüßt die Tagungsteilnehmer, Professor Dr. Joachim Perels hält den Einführungsvortrag.Anschließend geht es um die Justiz und den Strafvollzug in der NS-Zeit. Dazu werden drei halbstündige Vorträge gehalten, die jeweils im Anschluss diskutiert werden können. Daran schließt sich ein weiterer Vortragsblock zum Umgang mit den NS-Verbrechen nach 1945 an, der am Sonnabendvormittag fortgesetzt wird. Eine Lagerbesichtigung des NS-Strafverfolgungslagers (prominentester Häftling war Carl von Ossietzky) und die Besichtigung der Ausstellung erfolgt in der Phase vor dem Mittagessen. Der Nachmittag ist geprägt durch das Rahmenthema Gedenkstätten und Geschichtsunterricht.

Übernachtungsmöglichkeiten werden in einem nahegelegenen Hotel zur Verfügung gestellt, zu dem ebenso wie zum Bahnhof ein Bustransfer eingerichtet wird. Unterkunft und Verpflegung werden gesponsert, so dass der Eigenbeitrag sich in einer erträglichen Größenordnung bewegen wird.

Der Termin ist so gelegt, dass Kolleginnen und Kollegen aus der regionalen Umgebung in der Regel auch ohne Genehmigung teilnehmen können. Diejenigen, die von weiter her kommen, müssten sich um eine Genehmigung der Schulleiterin oder des Schulleiters bemühen.

 

Der geschäftsführende NGLV-Vorstand hat sich im April mit dem Vorbereitungskomitee für den Historikertag 2014 in Göttingen getroffen. Wir können als Verband Wünsche zur Thematik und zu bestimmten Formaten der Veranstaltungen auf dem Historikertag äußern. Ins Gespräch kamen neben den Fachsektionen bestimmte Sektionen, die sich auf die Didaktik und Praxis des Geschichtsunterrichts beziehen sowie Veranstaltungen für Schüler, aber auch speziell für Lehrer. Die für Geschichtslehrer besonders naheliegenden Veranstaltungen sollen in den Nachmittagsbereich gelegt werden. An die Fachhistoriker soll die Anfrage herangetragen werden, ob sie sich vorstellen können, dass zu ihren Referaten didaktische Kommentierungen von didaktisch versierten Praktikern vorgetragen werden. Der Geschäftsführer des Vorbereitungskomitees wird entsprechende Anfragen an die potentiellen Referenten richten. Das Gespräch zwischen NGLV und Vorbereitungskomitee wird fortgesetzt.

 

Zu den Gesprächspartnern des NGLV in Fragen der Vorbereitung des Historikertages 2014 in Göttingen gehört auch Prof. Dr. Michael Sauer. Er ist Vorsitzender der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD) und lädt alle Mitglieder unseres Verbandes zur diesjährigen Tagung der KGD vom 25. – 27. September nach Göttingen ein. Die Gebühr für eine eintägige Teilnahme beträgt 30 €, für Referendare 20 €. Das Tagungsprogramm der Konferenz für Geschichtsdidaktik finden Sie im Internet unter

https://www.historicum.net/kgd/forschung/zweijahrestagungen/2013-goettingen/ .

 

Abschließend haben wir die Bitte, dass Sie sich als Mitglieder des NGLV dafür einsetzen, dass die Umfrage unseres Verbandes zu den Erfahrungen mit dem ersten Durchgang des Unterrichts auf der Basis des neuen KC Oberstufe und zu den Abituraufgaben in Ihren Schulen bearbeitet wird und das Ergebnis als Stellungnahme der Schule, d.h. als eine einzige zusammengefasste Antwort der Schule,  auf elektronischem Weg an die Verbandsleitung des NGLV weitergeleitet wird. Ziel ist es ausreichende Informationen zu erhalten, um dem Ministerium gegenüber in den KC- und abiturbezogenen Fragen sinnvoll argumentieren zu können. Sollten Sie über den Fragebogen nicht verfügen, weil die Unterlagen durch Ihr Schulsekretariat nicht weitergeleitet wurden, finden Sie alles Notwendige im

Internet auf der Verbandshomepage unter http://www.nglv.de/index.php?pid=2&id=1553 .

 

 

Mit kollegialen Grüßen

 

Dr. Martin Stupperich            Dr. Johannes Heinßen              Dr. Hans-Joachim Müller

Vorsitzender                          Stellvertr. Vorsitzender             Stellvertr. Vorsitzender

 

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