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2012.05: Rundbrief Dezember 2012

 

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

bevor der vorweihnachtliche Trubel und der übliche Schulstress vor den Weihnachtsferien richtig losgehen, möchten wir Ihnen den Dezember-Rundbrief zuschicken, der noch eine Chance haben soll, gelesen zu werden. Schon vorab wünschen wir Ihnen für die Tage danach ein frohes Weihnachtsfest und erholsame Ferien.

 

Zunächst wollen wir für alle, die nicht bei der zentralen Jahrestagung unseres Verbandes am 8. November in Hannover dabei sein konnten, einen Bericht über den Verlauf geben:

Die Tagung war mit über 140 Teilnehmern gut besucht. Der Vortragssaal war mehr als voll besetzt. Da es im Historischen Museum in diesem Jahr keine Sonderausstellung gab, konnte dieser große Raum mitbenutzt werden, so dass auch die Verlage mehr Platz für ihre Ausstellungen hatten.

Ein erster Höhepunkt war der Vortrag von Dr. Harald Schmid (Kiel) über „Erinnerungskulturen in Europa – der 27. Januar als Holocaust-Gedenktag“. Er vermittelte in diesem Vortrag wichtige Informationen zum verbindlichen Wahlmodul für das vierte Semester.

Schmid kritisierte eingangs den Begriff „Holocaust“ als zu unspezifisch, da er heute auch für andere Völkermorde verwendet werde. Der frühere Sammelbegriff „Auschwitz“ sei insofern eindeutiger gewesen.

Der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Lagers Auschwitz durch die Rote Armee, sei 1995 durch Ignaz Bubis, den damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland ins Gespräch gebracht und ein Jahr später von Bundespräsident Roman Herzog als Gedenktag eingeführt worden, denn – so seine Begründung – Erinnerung dürfe nicht enden.

Der 27. Januar habe es indes in den Folgejahren niemals vermocht, sich zu einem Tag ähnlichen Ranges wie andere Feiertage in Deutschland zu entwickeln, da er starker Konkurrenz durch parallele Veranstaltungen (z.B. Fasching), vor allem aber durch den normalen Arbeitsalltag ausgesetzt sei. Zudem sei nie eine öffentliche Debatte über diesen Gedenktag geführt worden, der vielmehr von oben eingeführt worden und in Deutschland auf unterschiedlichste Weise begangen werde, wenn er denn begangen werde.

Sowohl das Europäische Parlament als auch die UNO-Generalversammlung hätten den 27. Januar als europaweiten und weltweiten Gedenktag eingeführt, was jedoch auch dazu geführt habe, dass die Osteuropäer darauf drangen, den ihre Identität stärker konstituierenden 23. August als gleichrangigen Gedenktag einzuführen, was dann durch die „Prager Erklärung“ von 2008 geschehen sei. Der 23. August ist der Jahrestag des Abschlusses des Hitler-Stalin-Paktes, der große Teile Osteuropas dem Machtbereich der Sowjetunion zusprach. Das Europäische Parlament führte ihn unter der Bezeichnung „Europäischer Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus“ ein. Nach wie vor bestehe ein Konflikt um die Gleichrangigkeit beider Gedenktage. Die Europäisierung der Erinnerungskultur habe zu einer Teilung der Erinnerung geführt, die der Referent jedoch nicht von vornherein kritisch bewertete, sondern als Chance zur Kommunikation und Reflexion über Identitäten im Europäischen Kontext.

 

Am Nachmittag referierte Herr Prof. Bernecker aus Nürnberg über den Spanischen Kolonialismus. Er hatte seinen Vortrag als Überblicksvortrag über die Gesamtthematik angelegt, den er in 12 Kapitel unterteilte; dabei legte er besondere Akzente auf die Rolle der spanischen Monarchie mit ihren frühabsolutistischen Tendenzen, die sich einer Anerkennung von Herrschaftsrechten der Conquistadoren von Anfang an widersetzt habe. Diese spanischen Eroberer aus niederem Adel hatten versucht ein Feudalsystem in der neuen Welt einzuführen, in dem sie sich selbst die Rolle von Feudalherren zuwiesen. Professor Bernecker betonte die überragende Rolle der spanischen Rechtstradition und Justiz beim Aufbau und Ausbau der spanischen Herrschaft. Wichtig für die unterrichtliche Praxis war für alle Kolleginnen und Kollegen eine ausdrücklich für das Pflichtmodul im niedersächsischen Zentralabitur erarbeitete Liste von Schulbüchern und weiterführender Literatur zum spanischen Kolonialismus.

Recht neu für die Zuhörer war die Debatte um den 12. Oktober, den Tag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492, als spanischen Nationalfeiertag. Erst mit dem Aufkommen des spanischen Nationalismus im Gefolge der Niederlage im Spanisch-amerikanischen Krieg 1898 und dem Verlust der Kubas und der Philippinen als letzter spanischer Kolonien sei der „Dia de la raza“ (Tag der Rasse) begangen worden, wobei „Rasse“ kulturell verstanden worden sei und auch die indigene Bevölkerung einbezogen habe. Die spätere Bezeichnung „Dia de la Hispanidad“ habe sich vorwiegend gegen die USA gerichtet. Die vermeintliche Einheit von Mutterland und ehemaligen Kolonien, die bei der 500. Wiederkehr der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus begangen werden sollte, war hingegen bereits durch den starken Gegensatz zwischen Spanien und den lateinamerikanischen Ländern geprägt, was sich schließlich unübersehbar zeigte, als Spanien versuchte die 200. Wiederkehr der Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten gemeinsam mit diesen zu begehen und von ihnen zurückgewiesen wurde.

 

Die vier Workshops in der zweiten Hälfte des Vormittags fanden auf unterschiedliche Weise statt. Während im Workshop über die Erinnerungskultur intensiv in Gruppen gearbeitet wurde, wo die Kolleginnen und Kollegen sich mit grundlegenden Fragen der Erinnerungskultur befassten, ging es im Workshop über den Spanischen Kolonialismus zunächst um die zeitlichen und formalen Rahmenbedingungen für den Unterricht sowie um geeignete Literatur. Auch eine Grobplanung für den Unterricht konnte erstellt und diskutiert werden.

Im Workshop über den Völkermord an den Armeniern ging es neben der offiziellen strikten Leugnung der eigene Schuld durch die Republik Türkei um die Mitverantwortung Deutschlands als Bündnispartner des Osmanischen Reiches und angesichts des direkten deutschen Kommandos in zahlreichen militärischen Einheiten der osmanischen Armee. Zur Einführung wurde der mehrfach preisgekrönte Film „Aghet – ein Völkermord“ gezeigt. Es wurde geklärt, dass die Tatsache des Völkermords durch eine erdrückende Quellenlage erwiesen sei. Die Frage der Konsequenzen für die Schule blieb in der Diskussion ungeklärt.

 

Wichtig für alle Gymnasien war der Workshop über das Zentralabitur 2013 und die dafür geltenden Aufgabenformate. Hier referierte StD Peter Heldt und beantwortete die zahlreichen Fragen der Kolleginnen und Kollegen. Auf diese Weise ergeben sich grundlegende Klärungen:

·        Die auf der Lingener Tagung 2011 entworfenen Aufgabenformate sind wegen zu großer Umfänglichkeit und Komplexität hinfällig.

·       Für das ZA 2015 sind neue Formate in Vorbereitung, die u.a. auch produktionsorientiert sein können.

·       Für 2013 und 2014 wird es kaum Änderungen an den bekannten Aufgabenformaten geben.

·       Es wird vier Aufgaben für das erhöhte und drei Aufgaben für das grundlegende Niveau geben.

·       Der Erwartungshorizont wird auf Kernpunkte reduziert, d. h. die Kolleginnen und Kollegen sind aufgerufen, ihren eigenen Erwartungshorizont zu entwerfen, zumal das KC durch die knappen Modulinhalte inhaltlich große Entfaltungsmöglichkeiten einräumt, ohne eine inhaltliche Vollständigkeit zu verlangen.

·       Die Theoriebezüge sollen über die Operatoren „erklären“, „erläutern“ und „überprüfen“ erfolgen ohne besondere Theorievergleiche, so dass die Schüler bei diesen Operatoren ohne eigens erfolgende Hinweise selbstständig in offener Weise Theoriebezüge bei der Bearbeitung der Aufgaben herstellen.

·       Eine ähnliche Offenheit soll im Umgang mit dem frei zu wählenden Wahlmodul vorherrschen, wobei die Schüler auch hier Aspekte daraus selbstständig einbringen.

Als Workshop-Leiter stellte Herr Dr. Müller im Anschluss den Entwurf eines Fragebogens vor, den die Schulen im April 2013 zugeschickt erhalten. Darin werden die Erfahrungen nach einem vollständigen Durchgang von vier Halbjahren auf der Basis des neuen Oberstufen-KC abgefragt.

 

Nach der Mittagspause wurden die Preise der diesjährigen Jahrespreis-Verleihung der Henning von Burgsdorff Stiftung vergeben. Den erste Preis erhielt Dr. Stefan Krolle, Schulleiter des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums in Achim für die preiswürdige Leistung des Aufbaus eines Archivs zur regionalen Zeitgeschichte im Landkreis Verden mit dem Namen Cato Bontjes van Beek Archiv, benannt nach der Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek aus Fischerhude , die 1943 in Berlin hingerichtet wurde. In diesem Archiv hat das Familienarchiv der Familie Bontjes van Beek mit zahlreichen Fotokopien der Originaldokumente einen zentralen Platz. Aber es sind weit darüber hinaus viele zeitgeschichtliche Dokumente hier archiviert, die den Schülerinnen und Schülern und ganzen Klassen der eigenen Schule, aber auch auswärtiger Schulen zur selbstständigen Erschließung geschichtlicher Zusammenhänge zur Verfügung stehen. Zugleich handelt es sich um ein fächerübergreifendes Projekt, denn das Projekt wurde in Kooperation mit den Fächern Deutsch und Kunst präsentiert.

Der zweite Preis ging an Frau Dorit Schierholz, die zwar bereits im letzten Jahr einen Preis gewonnen hatte, aber mit einem neuen ebenso umfassenden Projekt unter dem Titel „Augen auf mit Anne Frank“ erneut erfolgreich antrat. Sie hatte dieses Projekt über die Christian-Hülsmeyer-Realschule in die Region ausgreifen lassen und auch Schüler anderer Schulen in sehr sinnvoller Weise einbezogen, z. B. indem diese andere Schüler nach ausführlicher Vorbereitung durch die Anne-Frank-Ausstellung in Diepholz führten. Auch diesmal gab es fächerübergreifende Zusammenarbeit und einen intensiven Öffentlichkeitsbezug.

Den dritten Preis erhielt Stefan Küllmer-Timm vom Gymnasium am Mühlenberg in Wilhelmshaven, der eine überzeugende Form der Vor- aber insbesondere auch der Nachbereitung einer Exkursion mit einer Klasse 6 nach Kalkriese zum Schauplatz der Varusschlacht einwickelt und eingereicht hatte.

 

Den Abschluss des Tages bildete die Mitgliederversammlung des NGLV, wo die auf Jahreshauptversammlungen üblichen Formalitäten wie Bericht des Vorsitzenden und der Schatzmeisterin, Kassenbericht und Bericht der Kassenprüfer samt Entlastung des Vorstands über die Bühne gingen. Vor allem aber gab es zwei Rücktritte vom Amt und drei Nachwahlen. Frau Raffel trat mit dem Tag der Versammlung von ihrem Amt als Schatzmeisterin zurück. Der Vorsitzende würdigte Ihre außerordentlichen Verdienste um die Kassenführung des NGLV, die Verhandlungen mit dem Finanzamt und der Volksbank, die Führung der Mitgliederliste des NGLV und der Versandliste des Wochenschauverlages und vieles mehr. Er dankte ihr für ihre stets umsichtige und sorgfältige Arbeit und überreichte ihr als Zeichen des Dankes ein Buchpräsent. Sowohl das Schatzmeisteramt als auch das Amt des Regionalbeauftragten für die Region Osnabrück (Herr Grove hatte das Amt niedergelegt), zusätzlich auch das für die Region Grafschaft Bentheim/Emsland wurden neu besetzt. Das Amt des Schatzmeisters übernahm der Vorsitzende des NGLV kommissarisch für ein Jahr, da sich kein Kandidat gefunden hatte. Die Abwicklung der damit verbundenen Routinearbeiten übernahm für dieses Jahr Frau Dr. Amrei Stupperich auf Honorarbasis. Regionalbeauftragter für die Region Bentheim/Emsland wurde Heinz-Peter Platen, ehem. stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Neuenhaus. Für die Region Osnabrück wurde Dr. Rainer Bendick vom Abendgymnasium Sophie Scholl in Osnabrück gewählt. Alle Wahlen erfolgten einstimmig. Als Gast war bei dieser Mitgliederversammlung der neue Bundesvorsitzende des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) anwesend. Er hatte zuvor schon die Tagungsteilnehmer begrüßt und sich als neuer Bundesvorsitzender vorgestellt. Er beantwortete einige abschließend gestellte Fragen, die aus der Mitgliederversammlung gestellt wurden und verwies  schon jetzt auf das 100jährige Jubiläum des VGD, der im Jahr 1913 in Marburg gegründet worden war, wo nun im kommenden Jahr am 28. September die Festversammlung stattfinden soll. Das Plakat für dieses Jubiläum wurde bereits durch eine Künstlerin, die Kunsterzieherin an der Leibnizschule Hannover Susanne Völz, entworfen worden und hing an mehreren Stellen im Tagungsgebäude aus.

 

Die Frühjahrstagung des NGLV, so hatte der Landesvorstand während seiner mittäglichen Sitzung festgelegt, soll Ende Mai 2013 in Braunschweig, alternativ in Wolfsburg, stattfinden. Der Regionalbeauftragte für die Region Braunschweig, Christian Werner, wird die Planung übernehmen. Er arbeitet im Augenblick an einem Werbespot für den NGLV, dessen Entwurf er während der Tagung bereits vorführte.

 

Abschließend soll schon jetzt auf zwei weitere Veranstaltungen im kommenden Frühjahr hingewiesen werden: Vom 19. - 23. Februar findet die Bildungsmesse „didacta“ in Köln statt, zu der sehr preiswerte Busverbindungen angeboten werden, die den Schulen zugeleitet wurden.

Es wird darüber nachgedacht, die Tagung über die Militärjustiz im Dritten Reich für Historiker und Juristen, die im Lager Esterwegen stattfinden sollte, im kommenden Jahr erneut anzubieten. Zeit und Ort sind noch offen.

  

Mit allen guten Wünschen zum kommenden Weihnachtsfest und zum neuen Jahr

grüßen vielmals

 

Dr. Martin Stupperich, Vorsitzender         

Dr. Hans-Joachim Müller, stellv. Vorsitzender                                          

Dr. Johannes Heinßen, stellv. Vorsitzender  

 

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