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93. Niedersachsentag, Cloppenburg, 4. und 5. Mai 2012, Bericht

93. Niedersachsentag

 des Niedersächsischen Heimatbundes

in Cloppenburg,

4./5. Mai 2012

 

Der Niedersächsische Geschichtslehrerverband gehört seit 2011 neben dem VGD einem weiteren Dachverband an, dem Niedersächsischen Heimatbund. Die neue Mitgliedschaft wurde am 4. Mai auf der abendlichen Mitgliederversammlung im Dorfkrug des Museumsdorfes Cloppenburg öffentlich bekannt gegeben und begrüßt.

Die Tagung stand unter dem Motto „Eigenes Erbe – fremdes Erbe – gemeinsame Heimat“. Damit war der ein wenig angestaubte Heimatbegriff in seiner ursprünglichen eher ausgrenzenden Bedeutung als Heimat der Bodenständigen grundsätzlich aufgegeben und mit neuer Bedeutung gefüllt worden: Heimat ist für den NHB der gemeinsame Lebensraum für Alt- und Neubürger, der immer aufs Neue geschaffen werden muss. Gerade im Blick auf die zahlreichen Migranten, die sich für immer in den Städten und Landkreisen Niedersachsens niedergelassen haben, ist dieser neue Heimatbegriff die Grundlage der Integration in die neue Gesellschaft. Dem entsprach es, wenn der Heimatverein Cloppenburg jedem Teilnehmer der Festveranstaltung am Sonnabend ein Paar Arbeitshandschuhe überreichte mit der Aufschrift: „Integration bedeutet: Die Heimat immer wieder aufs Neue schaffen. Dieser Auftrag geht an Alt- und Neubürger und ist kein Privileg nur der aufnehmenden Gesellschaft. Packen wir es an!“ (Zitat von Prof. Dr. Ottenjahn).

 

Zu diesem Grundgedanken fand ein umfassendes Symposion statt, dass sich in mehrere Workshops aufteilte, wobei das Fach Geschichte im Workshop B durch unser Mitglied Dr. Christina Kakridi vertreten wurde. Sie hielt ein Referat mit dem Titel “Meine – deine – unsere Geschichte: schulische Geschichtsvermittlung in einer multikulturellen Gesellschaft“, das eine Kritik vor allem des neuen Kerncurriculums Geschichte für die Oberstufe aus dem Blickwinkel einer Migrantin darstellte. Insbesondere das Rahmenthema 3 „Wurzeln unserer Identität“ interpretierte sie als Migranten ausschließende Propagierung einer deutschen Leitkultur. Sie begrüßte aber die Verpflichtung zur Bearbeitung der Geschichte nicht nur aus deutscher, sondern auch aus der Perspektive der anderen und betonte, dass die neue Thematik für das Rahmenthema 2 „Wechselwirkungen und Anpassungsprozesse“ statt des früheren Titels „Migration“ eine sinnvolle Veränderung darstelle. Auf diese Weise kämen gezielt außerdeutsche und außereuropäische Gesellschaften historisch in den Blick. Ein Beispiel sei das aktuelle Thema „Spanischer Kolonialismus“, das die Frage provoziere, weshalb die europäischen Eroberer Mittelamerikas die Macht hätten behaupten können. Ihre Antwort darauf: Die Europäer hatten bereits eine umfassende Praxis der Anpassung an Verhaltensweisen fremder Gesellschaften innerhalb Europas entwickelt. Sie meinte dies bis in unsere Gegenwart beobachten zu können und bemerkte als Griechin aus aktuellem Anlass mit Blick auf die viel zitierten Korruptionsverhältnisse in Griechenland nicht ohne Ironie: Besonders die deutschen Manager, die griechische Stellen geschmiert hätten, um Aufträge zu erhalten, hätten eine bemerkenswerte Anpassungsleistung an den Tag gelegt.

 

Am Sonnabend Vormittag erschien der niedersächsische Ministerpräsident, um im Rahmen der Festversammlung in der Cloppenburger Stadthalle die sog. Rote Mappe des NHB 2012 (kritischer Rückblick auf die Situation der Heimatpflege im weitesten Sinne in Niedersachsen mit Auflistung zu kritisierender Fälle im Umgang mit Natur und Umwelt, Bau- und Bodendenkmalen, Vermittlung von Geschichte u.a.) entgegen zu nehmen und im Gegenzug die sog. Weiße Mappe mit den Erwiderungstexten der Landesregierung zu übergeben.

 

Die Roten Mappen können beim NHB online bestellt bzw. heruntergeladen werden. Die aktuellen Ausgaben der Mappen, die sich besonders auch mit den Bedingungen der Energiewende befassen, finden Sie unter:

Rote Mappe 2012

Weiße Mappe 2012

 

   
 Referat von Dr. Kakridi im Workshop B 
 Referat von Dr. Kakridi im Workshop B 
   
 Abschließende Stellungnahme der nds. Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Wanka im Workshop B 
 Abschließende Stellungnahme der nds. Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Wanka im Workshop B 
   
 Antwort des Ministerpräsidenten auf die Kritik der Roten Mappe in der Festversammlung des Niedersachsentages 2012 
 Antwort des Ministerpräsidenten auf die Kritik der Roten Mappe in der Festversammlung des Niedersachsentages 2012 
   
 

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