Startseite | HOMESitemap, SucheKontakt, eMail
Praxis Geschichte
Praxis Politik
Deutsch Unterricht
Praxis Englisch
 

2011.04: Rundbrief Dezember 2011

 

Rundbrief Dezember 2011



Liebe Kolleginnen und Kollegen,


inzwischen hat die Adventszeit begonnen und das heißt ja für Lehrer gemeinhin nicht Ruhe und Besinnlichkeit, sondern Korrekturen, Korrekturen, damit noch vor Weihnachten alles für den Halbjahrswechsel unter Dach und Fach ist. Deshalb kommt der Weihnachtsgruß Ihres Verbandes so frühzeitig, dass er hoffentlich noch nicht im vorweihnachtlichen Stress untergeht: Der Vorstand des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2012! Für die Feiertage und die anschließenden Ferientage wünschen wir Ihnen Abstand vom schulischen Alltag, Ruhe und Erholung, um die Schlussphase des Halbjahrs mit neuer Kraft in Angriff nehmen zu können.


Das Jahr 2011 hat in der Rückschau mehrere Höhepunkte des Verbandslebens gebracht: Es gab drei große Verbandstagungen in Lüneburg, Oldenburg und Hannover. Während über die beiden erstgenannten schon berichtet wurde, steht dies für den zentralen Tag des Geschichtslehrers in Hannover, jedenfalls für diejenigen, die nur die Rundbriefe lesen, noch aus. Daher soll hier in Kurzform zusammengefasst werden, was in Langform im Internet bereits dargestellt ist.

Die jährliche zentrale Tagung in Hannover war mit 170 Teilnehmern so gut besucht wie selten (ausführlicher Bericht hier!). Daher musste im Vorfeld räumlich umdisponiert werden, da der Vortragssaal im Historischen Museum Hannover nur maximal 80 -100 Personen fasst. So gab es in der Eingangshalle des Museums, wo die Vorträge stattfanden, aber auch Kaffee ausgeschenkt und Verlagsausstellungen besichtigt wurden, ein ziemliches Gedränge. Dennoch hat sich die Tagung gelohnt, denn die Vorträge brachten auch wichtige neue Aspekte. Wenn man das Glück eines Platzes mit guter Akustik hatte, konnte man aus dem Vortrag über den spanischen Kolonialismus von Prof. Pietschmann (s. Verbandshomepage = Börse für den GU) eine Reihe von Differenzierungen der bei uns gängigen Vorstellungen zu diesem Thema entnehmen. Der Überblick über die Debatten innerhalb der internationalen Forschung erbrachte Informationen über die besondere Perspektive der lateinamerikanischen Forschung auf das Geschehen, während die britische Forschung den Schwerpunkt auf den Vergleich von spanischem Imperium und British Empire legt. Die Bezeichnung Kolonialismus erscheint auf diesem Hintergrund zunehmend obsolet. Dennoch wird er im deutschsprachigen Bereich noch verwendet.

Inzwischen ist auch die Karte über die selbstverwalteten indigenen Gemeinwesen in Neuspanien, die Prof. Pietschmann aus Copyright-Gründen noch nicht freigeben konnte, durch den Urheber freigegeben und auf der Internetseite unseres Verbandes einsehbar. Von seiner soeben beendeten Mexikoreise hat Prof. Pietschmann auch eine weitere Karte mitgebracht, die die Städte in Neuspanien mit zwar spanischem Stadtrecht, aber zugleich verbriefter indigener Verwaltung zeigt. Beide Karten spiegeln Verhältnisse, die mit dem Begriff Kolonialismus kaum abgedeckt werden können.

Der Hallenser Geschichtsdidaktiker Hans-Jürgen Pandel hielt den zweiten Vortrag des Vormittags über Quellenarbeit im Geschichtsunterricht heute (s. Verbandshomepage = Börse für den GU). Pandel ordnete die Quellenarbeit nach wie vor als die Basismethode des Geschichtsunterrichts ein, wobei für ihn letztlich auch Darstellungen als Quellen gelten müssen, die der Analyse und Interpretation bedürfen. Die Quellenarbeit sei aber mit PISA und der Einführung des Kompetenzbegriffs als didaktisches Thema in den Hintergrund getreten. Allerdings habe die Bildungsbürokratie den Kompetenzbegriff nicht im Sinne der PISA-Autoren verwendet. Kompetenz bedeute im Verständnis letzterer und daher auch in Pandels Verständnis Umgang mit Wissen, nicht aber das Wissen selbst. Insofern könne es keine Sachkompetenz als Bestandteil eines Kompetenzmodells geben. Anders als andere Didaktiker definierte Pandel die Methodenkompetenz als Interpretationskompetenz. Interpretation sei Sinnentnahme unter Schwierigkeiten. Pandel mahnte eine geschichtsdidaktische Debatte darüber an, was eigentlich angemessene Interpretation sei. Die Wendung der Geschichtsdidaktik hin zum Konstruktivismus kommentierte er hingegen kritisch.

Nach der Mittagspause fand die alljährliche Preisverleihung der Burgsdorff-Stiftung statt. In diesem Jahr war der Erste Preis eine herausragende Examensarbeit zweier ehemaliger Referendare, die zugleich Brüder sind, Dr. Jörg Lahme und Dr. Tilmann Lahme. Sie hatten das Thema Judenverfolgung in Göttingen während der NS-Zeit einmal als klassischen Unterricht und zum anderen als Projektunterricht bearbeitet und verglichen. Den Zweiten Preis erhielt Frau Dorit Schierholz aus Barnsdorf bei Diepholz, die mit ihren Schülerinnen und Schülern in einem groß angelegten Projekt das Barnsdorfer Bahnhofsviertel untersucht hatte, aus dem sich dann als zweites Projekt die Erarbeitung des Schicksals der Barnsdorfer Juden ergab. Als fächerübergreifendes Langzeitprojekt stellte dies eine ebenfalls herausragende Lehrerleistung dar. Weiterhin wurden drei Dritte Preise vergeben: Christian Werner aus Braunschweig und Hans-Joachim Sach aus Holzminden hatten mit ihren Schülerinnen und Schülern einen elektronischen Museumsführer bzw. Stadtführer sowie dazu gehörende ausführliche Printveröffentlichungen erarbeitet. Katharina Runkel (Göttingen) hatte sich ebenfalls gemeinsam mit ihren Klassen mit dem Schicksal der Göttinger Juden befasst. Allerdings verfolgte sie einen anderen Ansatz als die Brüder Lahme.

Zum Abschluss seiner Laudatio verwies der Verbandsvorsitzende, der in Personalunion auch Vorsitzender der Henning von Burgsdorff Stiftung ist, auf die Möglichkeit, Fortbildungstagungen für Lehrer/innen durch die Stiftung fördern zu lassen. Er machte dabei deutlich, dass sich die Stiftung nur beteiligen könne, wenn es sich eindeutig um Lehrerfortbildung handele. Etwas anderes lasse die Satzung nicht zu. Daher wurde die Bitte geäußert, keine Anträge auf Unterstützung von Veranstaltungen für Schüler einzureichen, so wichtig und sinnvoll diese auch sein mögen.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags referierten zwei Mitglieder des NGLV parallel zu zwei unterschiedlichen Themen. Wolgang Münchenhagen sprach über Aufsatzformen im Geschichtsunterricht (s. Verbandshomepage = Börse für den GU). Er plädierte dafür, im Unterricht die drei aus dem Deutschunterricht bekannten Aufsatzarten Inhaltsangabe, lineare und dialektische Argumentation und die für die Abfassung von Klausurtexten gültigen Regeln, die ebenfalls grundsätzlich nicht von denen des Deutschaufsatzes abwichen, systematisch einzuüben, um die verbreitete unstrukturierte Vielschreiberei einzudämmen.

Dr. Johannes Heinßen referierte über Theorien als Grundlage und Gegenstand des Geschichtsunterrichts (s. Verbandshomepage = Börse für den GU). Nach einer wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung der Inhalte des Oberstufen-KC kam er zu dem Ergebnis, dass der im Augenblick dominierende kulturgeschichtliche Zugriff sich gegen eine normative Ausrichtung der Geschichtswissenschaft sperre. Dennoch könne man auch heute hinter dem indifferenten Erscheinungsbild der Geschichtswissenschaft die leitenden erkenntnistheoretischen Voraussetzungen erkennen. Dabei stoße man auf objekttheoretische ebenso wie auf subjekttheoretische Theoriebildungen. Der Referent sah im Vergleich von Theorien die Möglichkeit einer Einsicht in das Entstehen historischer Erkenntnis überhaupt, was nach seiner Auffassung in der Kulturgeschichte der Jahrhundertwende (Beispiel Max Weber) in bahnbrechender und auch für heute Maßstäbe setzender Weise geschehen sei.

Den Abschluss des Tages bildete die Mitgliederversammlung des NGLV, auf deren Tagesordnung u.a. die Neuwahl des Vorstandes stand. Der 1. Vorsitzende wurde wiedergewählt. An die Stelle von StD Dr. Wieland Sachse, der nach 10 Jahren von seinem Amt zurücktrat und mit einer Laudation verabschiedet wurde, traten angesichts der Fülle der zu erledigenden Aufgaben zwei Stellvertreter: StD Dr. Johannes Heinßen und StD Dr. Hans-Joachim Müller. Beide nehmen weiterhin ihre Funktionen als Regionalbeauftragte ihrer Regionen Stade (Dr. Heinßen) und Oldenburg/Ostfriesland (Dr. Müller) wahr. Als Schatzmeisterin wurde Frau StR' Juliane Raffel (Hannover), die für ihre Arbeit viel Lob erhielt, wiedergewählt. Zum neuen Schriftführer wurde StR Dr. Jörg Lahme (Göttingen) gewählt. Neu im Amt ist nunmehr auch StR Christian Werner, der die Funktion eines Regionalbeauftragten für die Region Braunschweig übernahm. Alle übrigen Regionalbeauftragten wurden (z.T. bis auf Weiteres) im Amt bestätigt. Die Doppelbesetzung des Stellvertreterpostens erforderte eine Satzungsänderung, die noch auf die notarielle Bestätigung und die Anerkennung des Vereinsregisters beim Amtsgericht wartet. Als Kassenprüfer wiedergewählt wurden Frau StD' i.R. Christine Lorenz und StR Dr. Axel Ehlers.


Wie in jedem Rundbrief soll auch in diesem auf bevorstehende Veranstaltungen hingewiesen werden:

Noch im Dezember findet im hannoverschen Rathaus die Eröffnung der vom Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover erarbeitete Ausstellung „Abgeschoben in den Tod. Die Deportation von 1001 Hannoveranerinnen und Hannoveranern am 15. Dezember 1941 nach Riga“ statt. Die Eröffnung erfolgt entsprechend am 15. Dezember, dem 70. Jahrestag der Deportation, im Bürgersaal des Rathauses durch den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Stephan Weil (18.30 Uhr). Vorher ab 17.00 Uhr führen Schülerinnen und Schüler der Humboldtschule Hannover eine Lichtaktion vor dem Rathaus auf. Kooperationspartner sind die Region Hannover, das Historische Museum Hannover, das Niedersächsische Institut für historische Regionalforschung und die Universität Hildesheim. Letztere Institution lädt für den 13. und 14. Januar zu einem Symposion über „Erinnerungskultur als pädagogische und bildungspolitische Herausforderung“ in den Mosaiksaal des hannoverschen Rathauses ein (Beginn: 13.01.12 um 14.00 Uhr).

Der Niedersächsische Geschichtslehrerverband veranstaltet gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sowie dem Kultusministerium eine Fachtagung für Geschichte und Politik „Völkermord als Thema im Unterricht“. Sie findet am 23. und 24. Februar 2012 in der Akademie des Sports in Hannover statt. Prof. Wolfgang Benz wird über Völkermorde im 20. Jahrhundert referieren. Anschließend geht es um Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsvermittlung zu diesem Thema im Unterricht. Die Vorführung von Dokumentarfilmausschnitten zu den Völkermorden in Armenien, Kambodscha und Dafur stimmen auf die Vorträge und Workshops des nächsten Tages ein. Die genaue Tagungsabfolge wird rechtzeitig auf der Verbandsseite des NGLV erscheinen. Außerdem werden allen Schulen Mitte Januar Einladungen zugeschickt. Sie können sich diesen Termin (23./24.02.) schon jetzt im Kalender eintragen.

Kolleginnen und Kollegen, die sich besonders mit der deutsch-deutschen Geschichte befassen, werden sich für die von der Stiftung Aufarbeitung vom 8. – 10. März 2012 in Suhl veranstalteten Geschichtsmesse unter dem Titel „Die Zukunft der Aufarbeitung – Demokratie und Diktatur in Deutschland und Europa nach 1945“ interessieren. Sie finden die näheren Informationen auch auf der Verbandshomepage des NGLV.


Ebenso schon jetzt eintragen sollte man sich den Termin der Frühjahrstagung unseres Verbandes! Diese Tagung findet am 30. Mai 2012 statt, diesmal im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur auf der Nordwolle in Delmenhorst. Bis dahin wird aber längst der Frühjahrs-Rundbrief erschienen sein, der dann rechtzeitig vorher über den genauen Verlauf der Tagung informieren wird.


Kurz vorher am 4. und 5. Mai 2012 findet der Niedersachsentag in Cloppenburg (zur Erinnerung: Nicht zu verwechseln mit dem Tag der Niedersachsen) statt, an dem auch die Verbandsmitglieder der Fachgruppe Geschichte des Niedersächsischen Heimatbundes (einschl. der NGLV-Mitglieder) einen Workshop veranstalten werden. Es soll um die Geschichte von Migration und Zuwanderung in unserer Region gehen. Dabei spielen auch Wege der Integration eine Rolle. Kolleginnen und Kollegen erhalten die Möglichkeit Projekte zum Thema in Cloppenburg vorzustellen.


Ein weiteres Vorhaben unseres Verbandes ist der Plan einer Auswertung der Erfahrungen, die die Fachkonferenzen der Schulen mit dem ersten Durchgang auf der Basis des neuen KC II und dem darauf basierenden Zentralabitur gemacht haben. Damit wird sich im kommenden Jahr eine vorbereitende Arbeitsgruppe befassen.


Mit nochmaligen Weihnachtsgrüßen und allen guten Wünschen für 2012 grüßen vielmals


Dr. Martin Stupperich, Vors. des NGLV; Hannover  
Dr. Johannes Heinßen, Stellv. Vors., Stade
Dr. Hans-Joachim Müller, Stellv. Vors., Oldenburg

   
 Zentrale Tagung Hannover: Vortrag Prof. Pietschmann 
 Zentrale Tagung Hannover: Vortrag Prof. Pietschmann 
   
 Zentrale Tagung Hannover: Verlagsausstellungen  
 Zentrale Tagung Hannover: Verlagsausstellungen  
   
 Zentrale Tagung Hannover: Vortrag Prof. Pandel 
 Zentrale Tagung Hannover: Vortrag Prof. Pandel 
   
 Burgsdorff-Preisträger 2011 mit ehem. und derzeitigem Leiter der Stiftung 
 Burgsdorff-Preisträger 2011 mit ehem. und derzeitigem Leiter der Stiftung 
   
 

.:: Impressum | Disclaimer | Webmaster | Zuletzt aktualisiert am 04.04.2012 ::.