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2010.02: Rundbrief Juli/August 2010

 

Rundbrief Juli/August 2010


Liebe Kolleginnen und Kollegen,


der neue Rundbrief erreicht Sie in der Ferienzeit in der Hoffnung, dass der Stress der letzten Wochen des Schul­jahrs endgültig hinter Ihnen liegt und Sie ein wenig Ruhe und Erholung ge­nießen können. Diese Muße lässt Ihnen vielleicht etwas Zeit und innere Gelassenheit, sich dem Inhalt dieses Rundbriefs zuwenden zu können, bevor alle Energien wieder der Vorbe­reitung des neuen Schuljahrs gewid­met werden müssen.


Durch den April-Rundbrief sind Sie gut informiert über den Stand der Kern­curriculum-Entwicklung für die Ober­stufe. Am 12. April erschien die offizielle Anhörungsfassung im Netz. Sie wurde dem Niedersächsischen Geschichtslehrerverband allerdings erst am 22. April offiziell zur Stellung­nahme zugeleitet. Dennoch galt zur Abfassung der verbandsoffiziellen Stellungnahme die Sechswochenfrist, so dass der NGLV sich sputen musste, rechtzeitig eine Einigung über die Verbandsposition gegenüber der Anhörungsfassung des KC herzu­stellen und zu formulieren.

Als Wegweisung für die verbands­interne Kommission konnten die ausführliche Diskussion und die Tendenzabstimmung im Rahmen der Celler Frühjahrstagung am 23. Februar gelten. Hier ließ sich eine breite Zu­stimmung zu den von der NGLV-Kom­mission vorgetragenen Kritikpunkten feststellen. Es galt nun die in der An­hörungsfassung aufgrund der Kritik geänderten Punkte zu würdigen und die bisherige Kritik neu abzuwägen.

Ein wichtiger Änderungspunkt war die Neuformulierung des Rahmenthemas 2. War es in der Arbeitsfassung noch das Thema „Migration“ gewesen, so tauchte jetzt die Formulierung „Wech­selwirkungen und Anpassungs­prozesse“ auf. Dies hätte eine sinn­volle Änderung sein können, wenn sie sich in einer entsprechenden Änderung der dazu gehörenden Wahlmodule niedergeschlagen hätte. Die Anhö­rungsfassung lässt dies jedoch nicht wirklich erkennen. Zwar wurde die Zahl der Module von zehn auf acht redu­ziert, fünf der alten Wahlmodule tau­chen jedoch ohne jegliche Verän­derung unter dem neu formulierten Rahmenthema wieder auf, so dass das alte Rahmenthema gleichsam durch die Hintertür wieder erscheint. Wenn ein Rahmenthema einen Sinn haben soll, muss es sich auf die Wahlmodule konkret auswirken. Dies ist aber nicht der Fall. Das heißt vor allem, dass die lediglich drei Unterpunkte, die in Zu­kunft die bisherigen Thematischen Schwerpunkte ersetzen sollen und die deshalb ohnehin mit größter Sorgfalt formuliert werden müssten, in zahlreichen Fällen keinen erkennbaren Bezug zum Rahmen­thema erkennen lassen. Darüber hinaus sind sie in einer größeren Anzahl von Fällen aus anderen Gründen sachlich nicht akzeptabel.


Die interne Kommission unseres Verbandes ist angesichts dieser Situation, nämlich der Beibehaltung der von uns kritisierten Grundstruktur des Entwurfs und der umfangreichen Detailkritik, zu folgendem Beschluss gekommen: Die Stellungnahme wird nicht lediglich dem Kultusministerium, sondern auch dem Kultusausschuss des Landtags (der Landtag beschließt das Kerncurriculum) zugeleitet. Um für Politiker, die nicht vom Fach sind, lesbar zu sein, soll die Stellungnahme in zwei Teilen erscheinen: Die Haupt­stellungnahme enthält die Hauptkritik­punkte in Kurzform, der längere fach­liche Anhang geht ins Detail und muss von den Politikern nicht unbedingt zur Kenntnis genommen werden. Er ent­hält fachliche Anmerkungen zu den Hauptpunkten der Stellungnahme und Detailkritik zu den Wahlmodulen.


Die Hauptstellungnahme enthält folgende 5 Punkte:

  1. Fehlen wichtiger Inhalte: Ausdrücklich als fehlend oder unterrepräsentiert werden die Themen Nationalsozialismus, Judentum, DDR-Geschichte, Industrielle Revolution und Industrialisierung sowie nieder­sächsische Landesgeschichte benannt.

  2. Fehlende Planungs- und Vorbereitungssicherheit für alle Beteiligten: Hier wird auf die kommende Funktion der Wahl­module als einzige Basis für die Planung der Vorbereitung des Zentralabiturs hingewiesen und daher eine größtmögliche Prä­zisierung eingefordert.

  3. Fehlende Transparenz der Kategorien: Hier wird auf das Auseinanderklaffen der „Kate­gorien“ des Anhörungsentwurfs und der bundesweit gültigen Kategorien der Einheitlichen Prüfungsanforderungen der Abiturprüfung (EPA) verwiesen.

  4. Ungleiche Voraussetzungen in der Eingangsphase: Dieser Kritikpunkt bezieht sich auf die Vorgaben des Entwurfs für Gesamtschüler und Abendschüler, die nicht geeignet sind, die großen Defizite, die diese Schülergruppe in die Einführungs­phase mitbringt, auch nur annähernd auszugleichen.

  5. Zu geringe Berücksichtigung der globalen Perspektive: Dieser Kritikpunkt geht auf die nach wie vor nicht überzeugende Lehrplan­struktur des Entwurfs ein. Die zu­nehmende Bedeutung der welt­weiten Vernetzung ist auch für den Geschichtsunterricht wichtig. Wörtlich heißt es: „Die Ausrichtung der Rahmenthemen wie bisher an drei räumlichen Perspektiven (deutsche, europäische und welt­weite Perspektive) verbunden mit dem Bezug auf drei Großepochen würde wesentlich mehr unter­richtliche Spielräume eröffnen als die Engführung auf die anschei­nend beliebig zusammengestellten Rahmenthemen des vorgelegten Entwurfs“.


Die Stellungnahme des NGLV wurde erfreulicherweise - vermittelt durch die Einsatzbereitschaft der Fachleiter in der Kommission - von acht niedersächsischen Studien­seminaren mitgetragen. Diese schlos­sen sich der Hauptstellungnahme an, formulierten aber einen eigenen auf die Bedürfnisse der Ausbildung zuge­schnittenen fachlichen Anhang.

Nach der Weiterleitung an den Kultus­ausschuss des Landtags ergaben sich mehrere Rückfragen aus dem Aus­schuss. Schließlich startete eine Gruppe von Mitgliedern des Kultus­ausschusses eine offizielle Kleine Anfrage, wie die Landesregierung zu den Punkten der Stellungnahme des Niedersächsischen Geschichts­lehrer­verbandes stehe. Die Antwort darauf steht noch aus.

Da das neue Kerncurriculum erst ab 1. August 2011 für die Schulen Gültigkeit gewinnt, dürfte eigentlich noch aus­reichend Zeit für die von uns geforder­ten Änderungen gegeben sein.


Die Ausführlichkeit des Berichts über diesen Punkt lässt darauf schließen, dass die Verbandsarbeit sich im ersten Halbjahr 2010 stark darauf konzen­trierte. Dennoch ging es auf den übri­gen Feldern weiter. Vor allem verliefen unsere Tagungen sehr erfolgreich. Wir haben über die Celler Tagung bereits im April-Rundbrief berichtet.


Am 2. Juni 2010 fand die 2. fachdidak­tische Tagung Geschichte und Politik zum Thema „Kindersoldaten – ein Aspekt des Themas Krieg und Gewalt im Geschichts-, Politik-, Ethik- und Religionsunterricht“ im Historischen Museum in Hannover statt. Die gut besuchte Tagung wurde gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für politische Bildung, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Kultusministerium durchgeführt. Einer Vormittagsphase, die durch Vorträge geprägt war, folgte nach einer Mittagspause mit Verpflegung, die von der Museumscafeteria angeboten wurde, eine Reihe von Workshops. Der ehemalige Kultusminister Rolf Wern­stedt sprach das Schlusswort.

Im historischen Teil der Tagung stellte PD Dr. Christian Schneider in einem einleitenden Vortrag die paramilitäri­sche Erziehung der Jugend im Dritten Reich am Beispiel der Napola-Er­ziehung vor. Den zeitgeschichtlichen Part übernahm Andreas Meissner von Terre des Hommes. Dazu gab es zwei didaktische Referate von Dr. Martin Stupperich und Manfred Quentmeier zur Umsetzung der Thematik in den Fächern Geschichte bzw. Politik. An die Vorträge und Referate schlossen sich z.T. engagierte Diskussionen an. Der Nachmittag war geprägt von Work­shops, bei denen im geschicht­lichen Teil zwei Filmvorstellungen mit fach­licher Einführung stattfanden. Zunächst wurden Ausschnitte aus dem Film „Herrenkinder“ über die Napolas im Dritten Reich, an dem Christian Schneider als Regisseur beteiligt war, vorgestellt. Es folgten Ausschnitte aus dem Film „Lost Children“ von Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz. Ali Samadi Ahadi führte persönlich in den vielfach preisgekrönten Film ein. Er porträtiert vier akfrikanische Kinder­soldaten aus der endlosen, fast zwanzigjährigen Kriegsgeschichte in Uganda und führte zu einer enga­gierten Diskussion der Teilnehmer­schaft mit dem Filmautor. Den Ab­schluss der Tagung bildete ein Work­shop mit drei Zeitzeugen der Kriegs- und frühen Nachkriegszeit aus Hannover, die sich bereit erklärten, auf Einladung in die Schulen zu kommen und dort über ihre persönlichen Zeiter­fahrungen zu berichten.

Die Tagung fanden ein sehr positives Echo. Vor allem lieferte sie den Teil­nehmern eine Fülle von Anregungen für den eigenen Unterricht, die hoffent­lich über die Fachkonferenzen auch an weitere Kolleginnen und Kollegen herangetragen werden.


Inzwischen laufen die Vorbereitungen für den Historikertag in Berlin, der vom 28. September bis zum 1. Oktober 2010 in der Humboldt-Universität statt­findet. Er steht unter dem Tagung­thema „Über Grenzen“. Die Anmel­dun­gen müssen online erfolgen (www.historikertag.de). In Ihrem eigenen Interesse wäre es wichtig, die Anmeldung bis zum 25. August vollzogen zu haben, da für später ein­gehende Anmeldungen eine Zusatz­gebühr von 25,- € erhoben wird. Um den ermäßigten Preis für Verbands­mitglieder zugesprochen zu erhalten, benötigen Sie eine Mitglieds­beschei­nigung des NGLV. Sobald Sie sich beim Verbandsvorsitzenden (stupperich.vgd@web.de ) mit dem entsprechenden Wunsch melden, übersenden wir Ihnen eine Mitglieds­bescheinigung für 2010, in die Sie dann Ihre persönlichen Daten selbst eintragen können. Mit getrennter Post geht Ihnen dann der Tagungskatalog zu, in dem Sie alle Veranstaltungen dieses Kongresses finden. Der Ver­band der Geschichtslehrer Deutsch­lands (VGD) ist mit mehreren Sektio­nen und einer Abendveranstaltung vertreten. Ich verweise vor allem auf die Veranstaltung am Mittwochabend „Schulfach Geschichte: Lehrpläne ohne Inhalte?“. In dieser Veranstal­tung, die vom Arbeitskreis Bildungs­standards des VGD vorbereitet wurde, geht es um die aktuelle Kerncurri­cu­lum­entwicklung der Länder.


Nach der Sommerpause laufen die Vorbereitungen für die alljährliche zentrale Tagung des Nieder­säch­sischen Geschichtslehrerver­ban­des, der wieder im Historischen Museum in Hannover stattfindet, an. Bisher steht nur der Termin fest: Es ist der 3. November 2010, ein Mittwoch. Bitte sperren Sie dieses Datum vorsorglich in Ihrem Kalender.


Für den nun beginnenden Sommer und die Ferienzeit wünschen wir Ihnen viel Freude, wenig liegen gebliebene Arbeit und gute Erholung!


Dr. Martin Stupperich, 1. Vors. NGLV

Dr. Wieland Sachse , 2. Vors. NGLV





   
 Diskussionsrunde mit Zeitzeugen und Dr. M. Stupperich auf der historisch-politischen Tagung "Kindersoldaten" 
 Diskussionsrunde mit Zeitzeugen und Dr. M. Stupperich auf der historisch-politischen Tagung "Kindersoldaten" 
   
 Humboldt-Universität Berlin, Tagungsort des diesjährigen Historikertages 
 Humboldt-Universität Berlin, Tagungsort des diesjährigen Historikertages 
   
 

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