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Fachtagung Kindersoldaten, Hannover, 2. Juni 2010, Bericht

Am 2. Juni 2010 veranstaltete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Zusammenarbeit mit dem NGLV, der Deutschen Vereinigung Politische Bildung und dem Kultusministerium eine gut besuchte Fachtagung zum Thema
Kindersoldaten.

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2. Fachdidaktischen Tagung Geschichte und Politik

Kindersoldaten

Ein Aspekt des Themas Krieg und Gewalt im Geschichts-, Politik-, Ethik- und Religionsunterricht


02. Juni 2010

10.00 – 17.00 Uhr

Historisches Museum, Pferdestraße 6, 30159 Hannover

Veranstalter

Niedersächsisches Kultusministerium in Zusammenarbeit mit:

Niedersächsischer Geschichtslehrerverband (NGLV)

Deutsche Vereinigung Politische Bildung e.V, Landesgruppe Niedersachsen

Terre des Hommes, Deutschland

Aktion Weißes Friedensband, Deutschland

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landesverband Niedersachsen


Einführung

Weltweit sind internationalen Schätzungen zufolge circa 250.000 – 300.000 Kindersoldaten im Einsatz. Sie sind meist in offiziellen Armeen oder Rebellenverbänden zwangsrekrutiert und werden zum Kämpfen gezwungen. Kindersoldaten sind in vielen bewaffneten Kriegsparteien fester Bestandteil der militärischen Infrastruktur. Durch die Erfahrung extremer Gewalt als Opfer, Zeugen und Täter tragen diese Kinder und Jugendlichen meist schwere Traumatisierungen davon. Über die Zahl der in Kampfhandlungen getöteten Kindersoldaten ist wenig bekannt. In der UN-Kinderrechtskonvention ist der Einsatz von Kindern als Soldaten als Kriegsverbrechen geächtet und kann durch den Internationalen Strafgerichtshof verfolgt werden. Für Schülerinnen und Schüler ist die Realität des Krieges kaum nachvollziehbar; mediale Bilder vom Krieg in Afghanistan oder terroristischen Anschlägen im Nahen Osten oder im Irak vermischen sich mit Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg oder den Kalten Krieg. Einen Ansatzpunkt zur Behandlung des Themas Krieg und Gewalt bietet das Thema Kindersoldaten, da es die Gefühlswelt Jugendlicher berührt und Empathie fördern kann. Die biografische Bearbeitung von Einzelschicksalen eröffnet dabei auch Perspektiven zur Vermittlung der Entstehung und der Folgen kriegerischer Konflikte.

Ein wichtiger Zugang für deutsche Schülerinnen und Schüler ist vor allem der Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus, in der seit 1933 Kinder und Jugendliche in der Hitlerjugend und in den Napolas konsequent auf den Krieg vorbereitet und dann auch eingesetzt wurden.


Programm/Zeitplan (Überblick)

10.00 Uhr Begrüßung/Einführung
(Kultusminister Bernd Althusmann, Rolf Wernstedt, Roland Behrmann)

10.15 Uhr 1. Vortrag (Christian Schneider: Jugend im Dritten Reich als paramilitärische Erziehung am Beispiel Napola), Diskussion

11.00 Uhr 2. Vortrag (Andreas Meissner/Terre des Hommes: Kindersoldaten in heutigen Kriegen), Diskussion

11.45 Uhr Didaktische Vorüberlegungen für die Fächer Geschichte und Politik
(Martin Stupperich, Manfred Quentmeier)

12.30 Uhr Mittagessen

13.15 – 14.15 Uhr Workshops

W1 Vorstellung des Dokumentarfilms „Herrenkinder“ von Eduard Erne und Christian Schneider, didaktische Hinweise zum Einsatz im Unterricht, Diskussion (Christian Schneider)

W2 Praxisbeispiel Geschichte: Zeitzeugen im Geschichtsunterricht (Martin Stupperich)

W3 Praxisbeispiel für eine Klassenfahrt zum Thema „Kinder und Jugendliche im Krieg“, Jugendbegegnungsstätte Auf dem Golm des Volksbundes (Nils Köhler)

14.30 – 15.30 Uhr

W4 Vorstellung des Dokumentarfilms „Lost Children, Kindersoldaten in Uganda“ von Oliver Stoltz und Ali Samadi Ahadi, didaktische Hinweise zum Einsatz im Unterricht, Diskussion (Ali Samadi Ahadi)

W5 Praxisbeispiel Politik: Kindersoldaten heute(Manfred Quentmeier, Kathrin Auer)

W6 Vorstellung Rote-Hand-Aktion, Zeitzeugenbericht einer ehemaligen Kindersoldatin (Günter Haverkamp, Senait G. Mehari)

15.30 Uhr Pause

15.45 Uhr Schlusswort (Rolf Wernstedt)

16.00 Uhr Ende der Veranstaltung


Kosten

Für das Mittagessen wurde ein Unkostenbeitrag in Höhe von 5,00 Euro erhoben

Die Gesamtorganisation lag bei

Roland Behrmann

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Landesverband Niedersachsen

Wedekindstr. 32, 30161 Hannover

0511- 32 12 82

0171- 622 91 79

niedersachsen@volksbund.de


Vorträge und Workshops:


Vortrag: Christian Schneider

Jugend im Dritten Reich als paramilitärische Erziehung am Beispiel Napola

Ein klassisches Beispiel dafür, wie Kinder gezielt dazu gebracht werden, besinnungslos Befehlen zu folgen und im Zweifel auch tief sitzende zivilisatorische Normen ("Tötungshemmung") zu suspendieren, ist die Erziehungspraxis der "Nationalpolitischen Erziehungsanstalten" ("Napola") im NS-Staat. "Die Fahne ist mehr als der Tod" sangen die Jungen mit Inbrunst. Die ersten Napolas wurden schon im April 1933 gegründet. 1945 gab es 43 Anstalten. Etwa 15000 "Jungmannen" haben diese Anstalten durchlaufen. Wir werden an Fallbeispielen die psychologischen Mechanismen aufzeigen, mit denen aus Kindern "potenzielle Täter" gemacht werden.

Vortrag: Andreas Meissner/Terre des Hommes

Kindersoldaten in heutigen Kriegen

250 000 Kindersoldaten werden derzeit weltweit in Armeen und Rebellengruppen eingesetzt obwohl es verschiedene Abkommen gibt, die diesen Verstoß gegen internationales Kinderrecht verhindern sollen. Neben den aktuellen Einsatzgebieten von Kindersoldaten sollen diese rechtlichen Grundlagen vorgestellt werden. Am Beispiel Burma soll aufgezeigt werden, wie die heutige Rekrutierungspraxis aussieht und warum Minderjährige sich den bewaffneten Gruppen anschließen.


Workshop 1: Christian Schneider

Vorstellung des Dokumentarfilms
„Herrenkinder“

"Glauben, gehorchen, kämpfen!" - dieses Motto prägte den Alltag an den Eliteschulen im Dritten Reich, den so genannten "Napolas". Dort wurde der Nachwuchs für den Führer gedrillt. Die Folgen für Schüler und ihre Familien untersucht der Dokumentarfilm "Herrenkinder" von Eduard Erne und Christian Schneider.


Workshop 2: Martin Stupperich

Praxisbeispiel Geschichte: Zeitzeugen im Geschichtsunterricht

Ein Kreis von älteren Mitbürgern, der sich in Hannover gebildet hat, vermittelt Zeitzeugen zu unterschiedlichen Themen des Krieges und der Nachkriegszeit. Es liegt daher nahe, das Thema auf der Basis der lebendigen Erinnerung von Menschen, die als Kinder dabei waren, im Unterricht zu bearbeiten.

Der Workshop zeigt Wege der Einbeziehung von Zeitzeugen in den Unterricht. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit nach einer grundsätzlichen Einführung und Beiträgen der Zeitzeugen durch Fragen und Diskussionsbeiträge mit diesen ins Gespräch zu kommen. Es besteht auch die Möglichkeit, die teilnehmenden Zeitzeugen zu Vorträgen in Schulen einzuladen (Kontakt über stupperich.vgd@web.de ).


Workshop 3: Nils Köhler

Praxisbeispiel für eine Klassenfahrt zum Thema Kinder und Jugendliche im Krieg

Die Jugendbegegnungsstätten des Volksbundes liegen in direkter Nähe zu einer Kriegsgräberstätte. Als Lernort zum unmittelbaren Begreifen der Geschichte des 2. Weltkrieges bietet ein Friedhof eine hervorragende Möglichkeit, Einzelbiografien zu bearbeiten und Spurensuche zu betreiben. Die JBS Auf dem Golm auf Usedom zeigt anhand von konkreten Schicksalen auf, wie Jugendliche und Kinder der Stadt Swinemünde in Kriegshandlungen hineingezogen wurden und eröffnet so eine Perspektive für die Behandlung des Themas Kindersoldaten in der Gegenwart.


Workshop 4: Ali Samadi Ahadi

Vorstellung des Dokumentarfilms
Lost Children, Kindersoldaten in Uganda“

Der Workshop stellt den Film „Lost Children“ aus dem Jahr 2005 über Kindersoldaten im Norden Ugandas vor. Der Film portraitiert Kindersoldaten zwischen 8 und 12 Jahren, denen die Flucht aus den Lagern der Rebellen im Busch gelungen ist. Er zeigt die Kinder auf dem schwierigen Weg zurück in ein eigenes Leben. Der Film erhielt zahlreiche Filmpreise. Für beide Autoren, Oliver Stoltz und Ali Samadi Ahadi, gehört Krieg zur eigenen Biographie. Ali Samadi Ahadi wird im Rahmen des Workshops referieren. Die kontroverse Diskussion thematisierte die Verwendung des Films im Unterricht.


Workshop 5: Manfred Quentmeier, Kathrin Auer

Praxisbeispiel Politik:
Kindersoldaten – ein aktuelles Thema im Politikunterricht?!

Der Workshop Politik stellt die Vielfalt der Ansätze, Perspektiven und Aspekte vor, unter denen im Politikunterricht das Thema „Kindersoldaten“ fachübergreifend geplant und durchgeführt werden kann. Von der aktuellen Stunde in der Sekundarstufe I bis zur selbstständigen Recherche im Oberstufenkurs wird die in den EPA verlangte interdisziplinäre Vorgehensweise am Beispiel „Kindersoldaten“ erklärt und anhand eines Unterrichtsbeispiels vorgestellt.


Workshop 6: Günter Haverkamp, Senait G. Mehari

Vorstellung Rote-Hand-Aktion, Zeitzeugenbericht einer ehemaligen Kindersoldatin

Jugendliche in Deutschland fasziniert und erschreckt die unmittelbare Ausübung von Gewalt durch Kindersoldaten. Das hat viel mit ihren Filmen und Spielen zu tun, die sie konsumieren. Doch die Beschäftigung mit der Situation von Kindersoldaten lässt die Gewaltverherrlichung nicht zu. Wenn wir mit Jugendlichen über das Thema Kindersoldaten sprechen, setzen wir weder Filme oder Bilder mit Kampfhandlungen ein, noch tragen wir Beschreibungen über Grausamkeiten an die Jugendlichen heran. Sie begreifen sehr schnell, dass der Gegensatz kaum größer sein kann, als zwischen den Worten „Kinder“ und „Soldaten“. Der Ablauf der Aktion Rote Hand - das Einfärben der Hand mit roter Fingerfarbe, der Abdruck auf ein Papier mit der eigenen Botschaft an die Politik - bietet viel Symbolik und Raum für eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Krieg und Gewalt. Die Aktion Rote Hand bietet vielfältige Möglichkeiten, das Thema Kindersoldaten im Unterricht zu behandeln. Der Workshop möchte das Angebot und die dazugehörigen Materialien vorstellen. Außerdem soll die ehemalige Kindersoldatin aus Eritrea, Senait G. Mehari, von ihren Erfahrungen und über ihre Erlebnisse berichten.


   
 Fächerübergreifende Tagung zum Thema Kindersoldaten 
 Fächerübergreifende Tagung zum Thema Kindersoldaten 
   
 Diskussion mit Zeitzeugen zum Thema Kinder im Krieg 
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 Ali Samadie Ahadi diskutiert mit Kollegen über seinen Film "Kindersoldaten in Uganda" 
 Ali Samadie Ahadi diskutiert mit Kollegen über seinen Film "Kindersoldaten in Uganda" 
   
 

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