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2010.01: Rundbrief April 2010

Rundbrief April 2010


Liebe Kolleginnen und Kollegen,


wir hoffen, dass die Osterferien Ihnen so viel Erholung gebracht haben, dass Sie wieder mit neuen Kräften in den zunehmend belastender werdenden Schulalltag einsteigen können. Auch die Verbandsarbeit hat während der Ferien geruht. Jetzt aber wird die Arbeit fortgesetzt und insbesondere der seit der Frühjahrstagung in Celle unterbrochene Faden der Bemühungen um Änderungen an dem Entwurf des Oberstufen-Kerncurriculums wieder aufgenommen.


Frühjahrstagung in Celle: Kritik am Kerncurriculum Oberstufe

Sie haben aus den Einladungen zur Frühjahrstagung entnommen, dass es einen Workshop am Nachmittag geben sollte, der sich mit der im Netz vorgestellten Arbeitsfassung des Kerncurriculums Geschichte für die Oberstufe befassen sollte. Dieser Workshop war erwartungsgemäß der am stärksten besuchte. Ca. 60 Kollegen aus ganz Niedersachsen hatten sich in diesem Workshop eingefunden. Die im Verbandsvorstand für die Regionen Oldenburg/Ostfriesland und Stade zuständigen Kollegen Dr. Müller und Dr. Heinßen, beide Fachleiter an den dortigen Studienseminaren, trugen die Kritikpunkte des Verbands an der vorgelegten Fassung des Entwurfs vor, die zuvor von einer verbandsinternen Arbeitsgruppe zusammengestellt worden waren. Dabei wurde zunächst entfaltet, welche Neuerungen gegenüber den bisherigen Rahmenrichtlinien mit dem neuen KC verbunden sein werden. Eine wichtige Änderung ist vor allem die Aufgabe des KC, die bisherigen Thematischen Schwerpunkte zu ersetzen. Sie sollen nicht mehr in der bislang gewohnten Weise erscheinen, sondern es wird lediglich die Mitteilung an die Schulen ergehen, welche Abschnitte des KC den Zentralabitur-Aufgaben für das schriftliche Abitur zugrunde gelegt werden. Neu gegenüber den Rahmenrichtlinien ist die Modulkonzeption des KC. Dabei werden Rahmenthemen, Kern- und Wahlmodule unterschieden. Jeweils das Kern- sowie ein von Jahr zu Jahr vom MK neu zu bestimmendes Wahlmodul bilden die verpflichtende Semestergrundlage für die zentral gestellten Aufgaben. Daneben soll wenigstens ein weiteres Modul pro Semester bearbeitet werden. Alle vier Semester sollen abiturrrelevant sein. Die Arbeitsfassung sieht vier Rahmenthemen vor:

1. Formen des Wandels in der Geschichte – Krisen, Umbrüche und Revolutionen,

2. Migration als historischer Prozess,

3. Wurzeln unserer Identität,

4. Geschichts- und Erinnerungskultur.

Die Kritik des NGLV an dieser Fassung bezieht sich auf sieben Punkte:

  • Der Entwurf setzt ein verlässliches Orientierungswissen voraus, das allen Schülerinnen und Schülern in der Mittelstufe vermittelt wurde. Da von einem verlässlichen Orientierungswissen trotz aller Bemühungen in der Mittelstufe aus vielfältigen Gründen nicht ausgegangen werden kann und die Orientierungsarbeit in der Oberstufe nicht fortgesetzt wird, hängt der Entwurf in dieser Hinsicht in der Luft, was die Autoren des KC jedoch offenbar nicht als Problem erkennen.

  • Die Rahmenthemen des Entwurfs sind äußerst heterogen.

Die Auswahl der jeweils zugeordneten Inhalte (Modulthemen) erweckt den Eindruck der Willkür und lässt Ausgewogenheit vermissen.

  • Das System der Wahlpflicht- und Wahlmodule mit der Verpflichtung zur Kombination einer Reihe von Wahlpflicht- und Wahlmodulen ist in der vorliegenden Form nicht praktikabel. Sorgfältige Oberstufenarbeit erfordert vertiefende und problemorientierte Arbeit, die bei einer Vielzahl von heterogenen Teilthemen in Frage gestellt ist.

  • Es fehlt die Klarheit und Konsequenz der Kompetenzorientierung, die das KC für die Sekundarstufe I erkennen lässt.

  • Wichtige Leitprobleme, die in den früheren Rahmenrichtlinien aus gutem Grunde enthalten waren, sind entfallen. Zudem werden die verbliebenen früheren Leitprobleme, jetzt Kategorien genannt, was Probleme der Begriffsbildung aufwirft, denn lediglich „Kontinuität und Wandel“ erfüllt die Voraussetzungen einer Bezeichnung als Kategorie (apriorische Vorgabe).

  • Als Verband, der die Interessen der Geschichtslehrer vertritt, kritisieren wir die mit diesem Entwurf notwendig werdende weitgehende Entsorgung der in die Vorbereitung der bisherigen Thematischen Schwerpunkte geflossenen Arbeit.


Gespräch im Ministerium

Diese Kritik in ausführlicherer Darstellung ist dem MK zugeleitet worden und von Vertretern des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes und Vertretern der Kommission in Anwesenheit und unter Moderation der zuständigen Referenten des Ministeriums besprochen worden. Es wurde auch ein konkreter Gegenentwurf eingereicht, der die Inhalte der bisherigen Arbeit der Vorbereitung auf das Zentralabitur aufnahm. Das Ergebnis war zunächst, dass beide Positionen einander gegenüberstanden, ohne dass sich Kompromissmöglichkeiten abzeichneten. Ein anschließendes informelles Gespräch bot einige Anknüpfungspunkte.


Reaktion aus Kollegenkreisen

Zu einem weiteren Gespräch mit einem anwesenden Vertreter der Kommission kam es im Rahmen der Frühjahrstagung in Celle, über die oben berichtet wurde. Die Debatte, an der sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen beteiligten, folgte einem weitgehend kritischen bis sehr kritischen Tenor. Besonders kritisch äußerten sich die Vertreter der Schulbuchverlage, die sich als außerstande darstellten, ein dem KC-Entwurf entsprechendes Schulbuch zu konzipieren. Eine Tendenzabstimmung am Schluss ergab eine sehr große Mehrheit für den Antrag, den Verband zu beauftragen, mit seiner Kritik in die Öffentlichkeit zu gehen.

Im Vorfeld der abschließenden Sitzung der Kommission vor der endgültigen Erstellung der Anhörungsfassung wurde ein knappes Kompromisspapier durch den Vorsitzenden beim MK eingereicht.


Reaktionen auf die Kritik des NGLV

Die in mehreren Anläufen vorgetragene Kritik blieb nicht ohne Wirkung, wenn auch keine Änderung des Gesamtansatzes erreicht wurde. Als auffälliger Veränderungspunkt ist zu nennen, dass das Rahmenthema 2 nicht mehr wie bisher „Migration“ lautet, sondern umbenannt wurde in „Wechselwirkungen und Anpassungsprozesse in der Geschichte“. Dementsprechend wurden der einführende Vorspann, das Kernmodul sowie eine Anzahl von Wahlmodulen geändert. Es bleiben pro Rahmenthema nur noch 8 statt bisher 10 Wahlmodule stehen, die vom MK jeweils auch zu Wahlpflichtmodulen erklärt werden können. Gestrichene bisherige Wahlmodule stehen als weiterhin mögliche fakultative Inhalte im Anhang. Die neue Fassung steht als nunmehr offizielle Anhörungsfassung ab 12. April im Netz bzw. ist kurz darauf über einen Link von unserer Verbandshomepage aus erreichbar.


Die Celler Ausstellung

Zurück nach Celle: Die übrige Tagung verlief harmonisch. Sie war einem landesgeschichtlichen Thema gewidmet und orientierte sich an der großen Celler Ausstellung über die Welfenfrauen Eleonore d’Olbreuse und Sophie Dorothea, die im Volksmund so genannte Prinzessin von Ahlden. Auf unserer Verbands-Homepage ist bereits ausführlich über diese Mitte März eröffnete Ausstellung und den Einführungsvortrag, den die Leiterin des Residenzmuseums, Frau Juliane Schmieglitz-Otten, im Rahmen unserer Frühjahrstagung hielt, berichtet worden. Alle Teilnehmer/innen erhielten durch sie und eine Kollegin eine Führung durch die Ausstellung, die in jeder Hinsicht sehenswert ist. Alle Kolleginnen und Kollegen, die sich nicht unmittelbar für das Oberstufenkerncurriculum interessierten, hatten die Möglichkeit, an einem ebenfalls von Frau Schmieglitz-Otten geleiteten Workshop über Museumspädagogik teilzunehmen, wovon zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gebrauch machten.


Der Landtagsabriss

Die von uns mitgetragene Kampagne gegen den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes des Niedersächsischen Landtags im Leineschloss in Hannover stand kurz vor dem endgültigen Erfolg. Der Widerstand insbesondere der Hinterbänkler unter den Abgeordneten gegen die Empfehlung der Parteiführungen führte kürzlich zu einer Mehrheit für den Abriss und für den völligen Neubau. Die Entscheidung erweist dem Denkmalschutz in Niedersachsen - abgesehen davon, dass die Krise der Landesfinanzen einen derartigen Kraftakt eigentlich verbietet - einen Bärendienst. Die Erhaltung von Baudenkmälern wird in Zukunft sehr viel schwieriger werden. Eine hannoversche Initiative versucht den Abriss auf unterschiedlichen Wegen doch noch abzuwenden.


Tagung über Kindersoldaten am 2. Juni

Die nächste Tagung wirft ihre Schatten voraus. Diesmal veranstalten wir als Niedersächsischer Geschichtslehrerverband (NGLV) wieder eine Tagung gemeinsam mit dem Kultusministerium, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Deutschen Vereinigung für politische Bildung. Es geht um das Thema Kindersoldaten in Geschichte und Gegenwart. Als Termin ist der 2. Juni 2010 festgesetzt worden. Tagungsort ist das Historische Museum in Hannover, das den meisten der Kolleginnen und Kollegen, die an unseren Tagungen teilnehmen, bereits gut bekannt ist.

Der genaue Titel der Tagung wird lauten: „Kindersoldaten – Ein Aspekt des Themas Krieg und Gewalt im Geschichts-, Politik-, Ethik- und Religionsunterricht“. Die Tagung kombiniert zwei Stränge, einen historischen und einen politologischen, die im Wesentlichen parallel laufen. Dennoch haben alle Teilnehmer/innen die Chance, sich während der Tagung mit beiden Aspekten der Thematik zu befassen. Der historische Vortrag befasst sich vor allem mit der Heranbildung jugendlicher Soldaten während der NS- und Kriegszeit, insbesondere in den Napolas. Über die heutige Problematik der Kindersoldaten wird ein Vertreter von Terre des Hommes vortragen. Für den Nachmittag werden sechs Workshops angeboten, von denen jeweils drei parallel laufen. Zwei Workshops stellen jeweils einen Film vor: den Film „Herrenkinder“ (Thema Napola) und den Film „Lost Children“ (Thema Kindersoldaten in Afrika). Außerdem wird es in weiteren Workshops um das Thema im Unterricht und um Zeitzeugen sowie einzelne Fallbeispiele gehen.

Die offiziellen Einladungen werden Ende April/Anfang Mai verschickt.

Bisher zeichnet sich folgender Ablauf ab:



Ab 9.30 Uhr Anreise, Anmeldung, Kaffee

10.00 Uhr Begrüßung

10.15 Uhr Vortrag „Das Erbe der Napola“

11.00 Uhr Vortrag über Kindersoldaten heute

11.45 Uhr Didaktische Überlegungen zu den Themen

12.30 Uhr Mittagspause mit Essensangebot

13.15 Uhr Beginn der Workshops

14.15 Uhr Wechsel der Workshops

15.45 Uhr Schlusswort

16.00 Uhr Ende der Tagung



Rechtzeitig vor der Tagung werden wir die Einladung in der bislang bereits gewohnten Weise erneuern.


Bis dahin grüßen vielmals mit allen guten Wünschen für einen erfolgreichen Start nach den Osterferien


Dr. Martin Stupperich 1. Vorsitzender
Dr. Wieland Sachse  2. Vorsitzender

   
 Unser Tagungsort:: Das Celler Schloss 
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 Engagierte Diskussionen 
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