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2009.05: Rundbrief Dezember 2009

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach einem ereignisreichen Jahr wünschen wir Ihnen allen eine ruhige Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und danach einen guten Start in das neue Jahr 2010! Dass der Wunsch, eine ruhige Adventszeit zu verleben, in unserem Beruf angesichts des gerade in der Weihnachtszeit beliebten Korrekturstresses nur schwer Realität werden kann, steht uns sehr deutlich vor Augen.

Das abgelaufene Jahr stand für den Niedersächsischen Geschichtslehrerverband im Zeichen mehrerer sehr zahlreich besuchter Verbandstagungen. Der Auftakttagung zur Celler Ausstellung über die Welfenfrauen im März folgte die Osnabrücker Frühjahrstagung aus Anlass des 2000jährigen Jubiläums der Varusschlacht. Sie war ein erster Höhepunkt des Jahres 2009 und verband Fachvorträge zum Thema mit dem Besuch der Jubiläumsausstellung in Kalkriese.
Die Reihe der Verbandsveranstaltungen setzte sich nach der Sommerpause fort. Erstmals gab es eine Veranstaltung im Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, die für die Teilnehmer verbunden war mit dem Besuch der Eröffnung der Ausstellung „Die Mauer fiel nicht nur in Berlin“, einer Ausstellung, die von Studierenden des Historischen Seminars der TU Braunschweig erarbeitet worden war.

Im Rahmen der Braunschweiger Tagung fand eine Mitgliederversammlung statt, die die schon seit einiger Zeit in Vorbereitung befindliche Änderung der Verbandssatzung beschloss. Diese Satzungsänderung bezog sich einerseits auf die Anpassung der Satzung an verschiedene inzwischen in Gebrauch gekommene Verfahrensweisen innerhalb des Verbandes, die bislang noch keine ausreichende Absicherung im Satzungstext gefunden hatten. Andererseits wurde damit die durch die Mitgliederversammlung in Hannover 2008 beschlossene Namensänderung für den Landesverband endgültig besiegelt. Seit dem 28. September 2009 gilt somit die Bezeichnung „Niedersächsischer Geschichtslehrerverband“ als offizielle Verbandsbezeichnung. Dazu gehört die ebenso verwendbare Abkürzung NGLV.

Die zentrale Tagung unseres Verbandes fand wieder am traditionellen Ort im Historischen Museum Hannover statt. Das Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den vorgetragenen Themen war spürbar. Dies galt nicht nur für den zur Vorbereitung des Zentralabiturs 2011 ins Programm genommenen Vortrag von PD Dr. Lutz Häfner über „Die Sowjetunion – Genese einer Weltmacht“, sondern auch für den die Arbeit in der Sekundarstufe I betreffenden Vortrag von Dr. Arie Wilschut (Amsterdam) „Ein verlorenes Schlüsselkonzept. Zeit im Geschichtsunterricht und in der Geschichtsdidaktik“.

Der Vortrag von Lutz Häfner war sehr hilfreich für alle die einen Leistungs- oder Prüfungskurs im Fach Geschichte übernommen haben und sich auf das Zentralabitur 2011 vorbereiten. Häfner setzte klare Markierungen: So bezeichnete er den Krimkrieg (1854-56) als das Ereignis, das die europäische Ordnung der nachnapoleonischen Zeit zum Einsturz gebracht habe. Russland sei damit als Ordnungsmacht ausgeschieden und habe die Notwendigkeit erkannt, sich auf den Weg der Modernisierung zu begeben. Die Revolution von 1905 gehörte noch in diesen Zusammenhang. An die Stelle der „Waffe der Kritik“ sei in Russland angesichts der weiterhin absolutistischen Verhältnisse die „Kritik der Waffe“ getreten. Wichtige und mögliche Veränderungen seien an der politischen Kurzsichtigkeit der Regierenden gescheitert und diese hätten damit den Revolutionen von 1917 den Weg bereitet. Zur eigenen Sicherung habe der Bolschewismus eine Art säkularer Religion entwickelt mit charismatischen Führern, allen voran Lenin, später Stalin. Das Ende des Zweiten Weltkriegs habe auch das Ende der weltpolitischen Zurückhaltung gebracht. Nunmehr sei weltpolitische Verantwortung das Gebot der Stunde gewesen, um das Erworbene politisch weiterhin zu sichern. Auch auf die Gründe für den späteren Niedergang der Sowjetunion und die weltpolitische Wende der frühen Neunzigerjahre ging Häfner ein.
Der Referent betonte eingangs und abschließend, dass der im Thematischen Schwerpunkt zu diesem Thema angegebene Stoff zu umfangreich sei. Auch sprenge das Thema Vietnam als nicht wirklich in den Zusammenhang gehörend den Rahmen.

Das zweite Vortragsthema war der Geschichtsdidaktik gewidmet. Arie Wilschut, der zum ersten Mal 2007 in Aurich für unseren Verband über einen Referenzrahmen für den Geschichtsunterricht referiert hatte, damals auf Englisch, und der den Vortrag auf Deutsch beim Historikertag 2008 wiederholte, sprach in Hannover über einen anderen, aber verwandten Gegenstand. Sein Vortrag befasste sich mit dem didaktischen Umgang mit der Zeit als dem einzigen Alleinstellungsmerkmal des Faches Geschichte. Dabei ging Wilschut aus von der Fremdheit einer linearen Zeitvorstellung, wie sie dem Ablauf der Geschichte zugrunde liegt, für jüngere Schülerinnen und Schüler, denn das Leben sei geprägt von zyklischen Erfahrungen der Zeit in Gestalt von Jahreszeiten oder Lebensaltern. Aber auch mythische Zeitvorstellungen, wie sie heute noch bei indigenen Völkern anzutreffen sei, präge das Zeiterleben jüngerer Schüler. Erst die Veränderungen des Denkhorizontes und der Handlungsbezüge im Verlauf der modernen Entwicklung habe die Idee einer historischen Zeit hervorgebracht. Zeit sei insofern ein vergessenes Schlüsselkonzept, als diese Größe gemeinhin als nicht sonderlich reflexionswürdig beiseite geschoben werde. Tatsächlich seien enorme Schwierigkeiten damit verbunden, sich einen historischen Ablauf von mehreren Jahrtausenden wirklich vorzustellen. Angesichts dieser Schwierigkeit habe man in den Niederlanden dem Unterricht das Modell der Zeitinseln zugrunde gelegt. Diese Methode erlaube die regelmäßige Kontaktaufnahme zwischen einer konkreten Epoche, die in wenigen, aber zentralen Aspekten erarbeitet werde, und der Gegenwart des Schülers. Aufgabe sei die vergleichende Gegenüberstellung von „Wir“ und „Sie“, um so zu einer mit lebendiger Vorstellung gefüllten Ansicht des Geschichtsverlaufs zu kommen, die auf Dauer als Lernergebnis haften könne.

Der Nachmittag war geprägt sowohl von der Preisverleihung der Burgsdorff Stiftung als auch von zwei Workshops zu didaktischen Themen: Es war sehr erfreulich zu sehen, dass trotz der Zusatzbelastung der Lehrkräfte durch die neuere schul­politische Entwicklung für eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen doch Zeit verblieb, sich besonderen Projekten mit Schülerinnen und Schülern zu widmen. Drei dieser Projekte des abgelaufenen Jahres wurden im Rahmen der Versammlung durch Preise der Burgsdorff Stiftung ausgezeichnet, die von der Vorsitzenden Frau OStD i.R. Brigitte Netzel überreicht wurden.
Die beiden Workshops widmeten sich der Vorstellung des digitalen Atlas zur Niedersächsischen Geschichte und eines Schülerprojekts zur Entwicklung eines Audioguides für das Jüdische Museum in Braunschweig. Das erstere Thema stellte der neue Göttinger Landesgeschichtler Prof. Dr. Arndt Reitemeier vor. Er konnte zahlreiche Anregungen von Lehrerseite zum Atlasprojekt entgegennehmen. Über das Audioguide-Projekt referierte unser Kollege Christian Werner, der es mit seinen eigenen Schülern durchgeführt hatte.

Auch in diesem Jahr waren wieder sieben Verlage mit eigenen Ausstellungen der Neuerscheinungen vertreten. Der Museumsverein sorgte für das leibliche Wohl der Teilnehmer, so dass auch von dieser Seite eine angenehme Stimmung garantiert war.

Auch für das kommende Jahr werden wir wieder mit dem Niedersächsischen Heimatbund zusammen einen Artikel in die „Rote Mappe“ der Gravamina des NHB einstellen. Zum wiederholten Mal weisen wir darauf hin, dass das Land bisher keinerlei Schritte unternommen hat, die Zusagen, die auf unsere Initiative der Errichtung eines Hauses der Geschichte des Landes Niederachsen gegeben wurden, in die Tat umzusetzen. Die Rote Mappe wird der Staatskanzlei eingereicht. Auf dem Niedersachsentag in Verden im kommenden Jahr wird der Ministerpräsident die Antwort geben, die dann mit den Antworten auf die übrigen Anträge aus den Reihen des NHB in der sog. Weißen Mappe veröffentlicht wird. Der neue Vorstoß unseres Verbandes und des NHB zielt in diesem Jahr darauf ab, die ursprüngliche Planung wieder aufzunehmen, dass das Haus der Geschichte im ehemaligen Georg-von-Köln-Haus an der Marktkirche im Zentrum Hannovers, dem ehemaligen Forum des Landesmuseums, untergebracht werden soll. Dieses Gebäude wir in den kommenden zwei bis drei Jahren den Landtag aufnehmen, solange dessen Gebäude saniert wird. Eine schnelle Lösung wird also nicht möglich sein. Dennoch muss man versuchen, eine Entscheidung über die kommende Nutzung so früh wie möglich herbeizuführen.

Inzwischen ist die vorläufige Endfassung des Kerncurriculums für die Oberstufe fertig gestellt worden. Eine Arbeitsgruppe unseres Verbandes wird sich im Januar mit dem Ergebnis befassen und die Grundlage für die Stellungnahme des NGLV zu dieser Vorlage erarbeiten. Ein oder mehrere Mitglieder des NGLV waren an der Abfassung dieses Textes - anders als im Fall des Sek.I-KC - nicht beteiligt.
Insgesamt bietet das Oberstufen-Kerncurriculum eine sehr starke Veränderung gegenüber den bisher gültigen Rahmenrichtlinien. Es werden pro Halbjahr bestimmte Module festgelegt, die in Kern- und Wahlmodule aufgeteilt sind. Die Kernmodule sind verpflichtend zu behandeln, die übrigen fakultativ. Allerdings wird wie bisher für jedes Zentralabitur ein Wahlmodul durch die Kommission festgelegt, das dann mit dem Stoff des Kernmoduls zusammen die Basis der Abiturprüfungen im schriftlichen Bereich bildet. Welche Chancen die übrigen Wahlmodule dann in der Praxis noch haben, wird sich zeigen müssen.
Schon jetzt kann in Kurzform mitgeteilt werden, welche Rahmenthemen für die einzelnen Semester in jedem Jahr unverändert gleichsam als Semesterüberschriften gelten:

Kurshalbjahr: Formen des Wandels in der Geschichte: Krisen, Umbrüche und Revolutionen
Kurshalbjahr: Migration als historischer Prozess
Kurshalbjahr: Wurzeln unserer Identität
Kurshalbjahr: Geschichts- und Erinnerungskultur

Man wird genau hinsehen müssen, um den spontanen Eindruck, dass hier einiges fehle bzw. dass die Grundlagen des Zugriffs auf diese vier Themen für den Oberstufenunterricht sich nicht gleich erschließen, einem differenzierten Bild weichen zu lassen. Leider hat das MK den Text noch nicht ins Netz gestellt, so dass die innerverbandliche Debatte noch etwas zurückgestellt werden muss. Wir werden den Text, sobald es geht, zugänglich machen.

Die vorletzte Information dieses Rundbriefs bezieht sich auf die kommende Frühjahrstagung des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes, die am 23. Februar 2010 im Rittersaal des Celler Schlosses stattfindet. Zur Verbesserung der  Auffälligkeit dieses Termins setzen wir eine vorläufige Einladung zu dieser Tagung in den Kasten. Bitte merken Sie dieses Datum in Ihrem Kalender für das neue Jahr vor!


Einladung zur
Frühjahrstagung des niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes
am Dienstag, dem 23. Februar 2010
im Rittersaal des Celler Schlosses


9.00 Uhr       Anreise
9.30 Uhr       Begrüßung
9.45 Uhr       Einführung in die Ausstellung
10.30 Uhr     Diskussion
11.00 Uhr     Führung durch die Ausstellung
12.30 Uhr     Mittagspause
14.00 Uhr     Workshops:
1. Befassung mit dem neuen Oberstufen-KC
2. Thema zum Unterricht in der Mittelstufe (noch offen)
16.00 Uhr     Ende der Tagung


Bevor wir schließen noch ein wichtiger Hinweis: Auch im neuen Jahr gilt weiterhin die Regel, dass bei Umzug oder Änderung der Bankverbindung eine sofortige schriftliche Mitteilung am - besten per Mail - an den Schatzmeister, Herrn Zihn, erfolgen muss. Seine Adresse: wernerzihn@yahoo.de. Jedes Versäumnis an dieser Stelle verursacht langwierige und ärgerliche Such- und Nachfor­schungsarbeit für unsere ehrenamtlich arbeitenden Kollegen und Mitar­beiterinnen. Hoffen wir, dass dies 2010 nur noch ganz selten vorkommt!

Mit den besten Wünschen zum bevorstehenden Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr 2010 grüßen

Dr. Martin Stupperich, 1.Vors. des NGLV
Dr. Wieland Sachse, 2. Vors. des NGLV

 

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