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2009.02: Rundbrief April 2009

 

 

April 2009

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wir wünschen Ihnen allen einen guten Einstieg in das vierte Quartal des Schuljahrs 2008/09 und hoffen, dass Ihre Schule von der Er­stellung eines neuen Quartalsplans verschont geblieben ist. Sie werden aber wie viele andere die durch den augenblicklichen Lehrer­mangel bedingten häufigen Plan­änderungen bemerkt haben. Es wäre zu wünschen, dass der Geschichtsunterricht von den allenthalben um sich greifenden Unterrichtskürzungen verschont bleibt. Man darf allerdings fragen, ob die sehr ärgerlichen Maßnahmen zur Ver­hinderung der Teilzeitarbeit bzw. zum Rückbau von Stundenreduktionen der richtige Weg sind, um mehr Lehrerstunden zu gewinnen. Jede Kollegin und jeder Kollege, die oder der auf Einkommen verzichtet, um weniger unter­richten zu können, hat dafür triftige Gründe. Eher wäre es denkbar, dass zur Sicherung des Geschichtsunterrichts der eine oder andere Pensionär, der es sich zutraut, noch einmal mit ein paar Stunden als Angestellter einspringt.

 

Das schriftliche Abitur neigt sich dem Ende zu, das Mündliche steht noch bevor, aber schon jetzt läuft die Planung für den Monat Mai. Der Niedersächsische Geschichtslehrerverband plant in diesem Monat (am 27. Mai) seine Frühjahrstagung in Osnabrück, s. die Ein­ladung unten. Das Thema ist, wie könnte es in diesem Jahr anders sein, die Varusschlacht, die vor nunmehr 2000 Jahren im Osnabrücker Land stattfand.

 

Zuvor aber ein Rückblick auf die Fachtagung unseres Verbandes am 25. März in Celle. Unter dem Titel „Bedeutende Frauen der Welfengeschichte“ fand an diesem Tag eine Einführung in die geplante große Ausstellung statt, die unter der Titelzeile „Mächtig – verlockend“ in der Zeit vom 14. Februar bis zum 15. August 2010 im Celler Schloss stattfinden wird. Da die Ausstellungsplanung sich inzwischen auf zwei Frauengestalten beschränkt, nämlich auf Eleonore d’Olbreuse und ihre Tochter Sophie Dorothea, die „Prinzessin von Ahlden“, waren diese beiden auch Thema unserer Tagung. Es waren genügend Kolleginnen und Kollegen angereist, um diese Tagung im Kaminzimmer des Bomann-Museums zu einem für alle loh­nenden Ereignis zu machen. Die Leiterin des Celler Residenzmuseums, Frau Juliane Schmieglitz-Otten, führte in die Welfen­geschichte vor allem des 16. und 17. Jahrhunderts ein, wobei sie sich der neuesten digitalen Technik, über die ihr Haus verfügt, bediente. Die Teilnehmer bekamen so ein sehr gutes Bild der beiden Frauen auf dem Hintergrund der Landesgeschichte der wel­fischen Territorien, insbesondere in der Zeit der Herrschaft der vier Söhne Herzog Georgs von Calenberg, der 1541 starb. Die Dramatik des Geschehens beginnt mit dem Tausch der Verlobten Georg Wilhelms an seinen Bruder Ernst August gegen das politisch bedeutsame Versprechen der Ehelosigkeit. Aus der dennoch eingegangenen Liebesehe zwischen Georg Wilhelm und der französischen Hugenottin Eleonore d’Olbreuse aus kleinem Adel ging die gemeinsame Tochter Sophie Dorothea hervor, die zur Anbahnung der Landeseinheit zwischen Calenberg und Lüneburg mit ihrem Vetter Georg Ludwig, dem späteren König von England, verheiratet wurde. Im Verlauf dieser unglücklich verlaufenden politischen Ehe kam es zu der bekannten Affäre Königsmarck, die mit der Verurteilung Sophie Dorotheas und ihrer Verbannung nach Schloss Ahlden (an der Mündung der Leine in die Aller) und der Ermordung ihres Geliebten, des schwedischen Offiziers von Königsmarck, endete. Dieses Geschehen, das damals großes Aufsehen erregte, inspirierte Schiller zum Entwurf eines Dramas über die „Prinzessin von Zelle“ analog zur Jungfrau von Orleans oder Maria Stuart. Durch seinen frühen Tod konnte das Drama nicht vollendet werden.

Das Schicksal beider Frauen erlaubt Einblicke in das Leben adliger Frauen und ihre beson­deren Möglichkeiten der Macht­ausübung. Die dynastischen Verbindungen, die durch sie geprägt wurden, gewannen europäische Di­men­sionen durch die Verbindungen des Wel­fenhauses mit England ebenso wie mit Preußen. So ist Sophie Dorothea u. a. auch die Großmutter Friedrichs des Großen.

 

Frau Schmieglitz-Otten machte in ihrem Re­ferat deutlich, dass die geplante Ausstellung über einen bemerkenswerten Abschnitt der Welfen­geschichte aus dem Blickwinkel der Frauen auch ein Beitrag zur Geschichte Nie­der­sachsens ist, die mithelfen werde, diesem Land einen angemessenen Platz unter den deutschen Kulturlandschaften zu geben. Zugleich werde die internationale Bedeutung der Celler Residenz hervorgehoben. Weiterhin werde ein seltener Einblick in zahlreiche Details adliger und höfischer Lebensführung ermöglicht.

Durch die Arbeit des Celler Residenzmuseums sind entscheidende Vorarbeiten geleistet wor­den, die schon jetzt erkennen lassen, dass diese Ausstellung 2010 ein Erfolg werden wird. Vor allem die museumspädagogischen Lei­stungen sind außerordentlich bemerkenswert. Davon konnte sich die Tagungsgesellschaft bei einer Führung durch das Residenzmuseum überzeugen. Vor allem besticht die Dauer­ausstellung durch die sehr gelungene gezielte Reduktion auf einzelne hervorragende Ex­ponate mit exemplarischer Funktion und durch die Einbeziehung der Schlossanlage selbst mit ihren spezifischen Raumwidmungen. Hinzu kommt eine geschickte Kombination genuiner historischer Exponate und digitaler Erläu­terungstechnik ohne jede Aufdringlichkeit. Es handelt sich somit um ein für Klassen­besuche besonders geeignetes Mu­seum, das bei rechtzeitiger Anmeldung eine fachkundige Führung zur Verfügung stellt.

Ergänzt wurde die Tagung durch ein Referat des Verbandsvorsitzenden über das Thema Welfengeschichte als landesgeschichtliches Thema im Unterricht und unterschiedliche Möglichkeiten der Schüleraktivierung. Mit einer abschließenden Diskussion in sehr positiver Grundstimmung endete die Tagung.

 

Die nächste Frühjahrstagung im kommenden Jahr soll im Februar wieder in Celle stattfinden, um einem größeren Kreis der Mitglieder des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes die Möglichkeit zum Besuch dieser großen Ausstellung zu geben und zugleich näher in diese Phase der Landesgeschichte einzu­dringen.

 

Die anschließende Vorstandssitzung des Erweiterten Vorstands des Landesverbandes befasste sich zunächst mit dem durch die nachhaltige Arbeit von Herrn Zihn sehr erfreulichen Kassenstand, der am 13.03.09 einen Bestand von 9.460,92 € aufwies. Es ist Herrn Zihn als Schatzmeister des Landes­verbandes gelungen, durch intensives Nach­haken eine wirklich aktuelle, d.h. aus zah­lenden Mitgliedern bestehende Mitglieder­liste zu erstellen. Wer nach mehrfacher Auf­forderung nicht zahlte, wurde definitiv aus der Liste gestrichen und erhält die Bundes­zeitschrift hinfort nicht mehr. Da die beitrags­freie Mitgliedschaft der Referendare sich nicht bewährt hat (viele bezogen zwar Rundbriefe und Zeitschrift, teilten die Übernahme einer mit festem Beitrag verbundenen festen Stelle dann jedoch nicht mit), beschloss der Vorstand einen ermäßigten Beitrag für Referendare von 5,- € einzuführen. Auf diese Weise ist der Schatzmeister besser in der Lage, den Über­blick zu behalten und rechtzeitig zu mah­nen.

 

Um dem Schatzmeister die Arbeit zu erleich­tern, bittet der Vorstand alle, die kürzlich umgezogen sind oder vorhaben, dem­nächst umzuziehen, die Adressen­änderung unbe­dingt mitzuteilen. Immer wieder beschweren sich Mitglieder, dass sie nicht mehr beliefert werden, und regelmäßig stellt sich heraus, dass Adressenänderungen nicht mitgeteilt wurden. Zugleich bitten wir erneut, dass alle Mitglieder, die über eine E-mail-Adresse verfügen, uns diese für den kostengünstigen Versand von Informationen mitteilen.

 

Der Vorstand beschloss, die Frühjahrstagung in Osnabrück und Kalkriese auf den 27. Mai zu legen. Die Zentrale Tagung in Hannover soll am 5. November wieder im Historischen Museum am Hohen Ufer stattfinden. Auch die Herbsttagung in Braun­schweig (28. Sept.) wurde im Vorstand ange­sprochen.

Zum Tagesordnungspunkt Einschätzung der neuen Bundeszeitschrift, die auch vom Bundesvorstand erbeten worden war, wurde von mehreren Teilnehmern festgestellt, dass die Attraktivität der Zeitschrift durch das Gewinnen renommierter Autoren gesteigert werden könnte.

 

Inzwischen wurde das Programm für Osnabrück (s.u.) von unserem Regional­beauftragten, Herrn Thomas Grove, genauer vorbereitet. Frau Dr. Susanne Wilbers-Rost (Museum und Park Kalkriese) und Herr Dr. Achim Rost (Universität Osnabrück) werden im Ratssaal des historischen Osnabrücker Rat­hauses über „Das Schlachtfeld von Kalkriese. Archäologische Befunde und histo­rische Quellen“ sprechen. Außerdem wird es die Teil­nahmemöglichkeit an verschiedenen Ar­beits­kreisen zu weiteren Themen geben. Der Vorstand sprach sich für drei der Vorschläge aus, die unser Kollege Grove als Organisator der Tagung vorgeschlagen hatte. So soll der Besuch des Felix-Nussbaum-Hauses mit der Ausstellung von Selbstbildnissen Nussbaums angeboten werden, außerdem stehen zur Wahl eine Führung durch das Remarque-Friedens­zentrum und eine Stadtführung mit Prof. Dr. Mittelstädt. Am Nachmittag ist eine speziell für ein historisch versiertes Publikum arrangierte Führung durch die neue Ausstellung in Kalk­riese vorgesehen.

 

Die Herbsttagung in Braunschweig zeichnet sich jetzt ebenfalls näher ab. Dem 2000­jährigen Jubiläum der Varusschlacht folgt das 20jährige Jubiläum des Mauerfalls. Diese Tagung findet am Tag der Eröffnung der von unserem Vorstandsmitglied, Frau Dr. Mätzing, TU Braunschweig, konzipierten Schulbuch-Ausstellung „Zwanzig Jahre Mauerfall“ (im Wissenschaftszentrum) statt und soll im Georg-Eckert-Institut abgehalten werden. Der Niedersächsische Geschichts­lehrerverband gehört zu den Mitveranstaltern. Aus diesem Grund entfällt in diesem Jahr die Tagung in Helmstedt. Denn dass eine Tagung im Zusam­menhang mit einer Schulbuch-Ausstellung im Institut für internationale Schulbuchforschung stattfinden sollte, legt sich unmittelbar nahe. Eine Einladung zu dieser Tagung erfolgt rechtzeitig.

 

Die zentrale Jahrestagung in Hannover am 5. November wird lt. Vorstandsbeschluss als didak­tisches Thema den von nur wenigen Kollegen auf dem Historikertag in Dresden gehörten Vortrag von Arie Wilschut vom Institut für Geschichtsdidaktik der Universität Amster­dam über einen Referenzrahmen für den Geschichtsunterricht vorsehen. Bezogen auf die aktuellen Thematischen Schwerpunkte für das Zentralabitur fiel die Entscheidung für das Thema Sowjetunion. Dieser zweite Haupt­vortrag wird auf den Nachmittag fallen. Da es bei der Zentraltagung wieder die Preisverleihung der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung geben wird, sind alle Mitglieder aufgefordert, preiswürdige Kolleginnen und Kollegen vorzuschlagen.

 

Nach einer längeren Latenzphase, in der vor allem die politischen Stellen verhandelten, kommt jetzt die Arbeit an der Konzeption des Hauses der Geschichte des Landes Nieder­sachsen wieder in Gang, diesmal bezogen auf das Gebäude des Historischen Museums. An dem einschlägigen Arbeitskreis nehmen der Leiter des Museums, Dr. Schwark, und von Seiten des Niedersächsischen Geschichts­lehrer­verbandes außer dem Vorsitzenden der 2. Vorsitzende Dr. Sachse aus Göttingen, Herr Dr. Plath aus Lüneburg und unser Kollege

Robert Packeiser, ebenfalls aus Hannover, teil. Letzterer ist der Autor des ersten Konzepts, das er auch bereits auf einer der Zentral­tagungen unseres Verbandes vorgestellt hat. Außerdem nehmen Mitglieder der Fachgruppe Geschichte des Niedersächsischen Heimat­bundes teil. Es sind der hannoversche Landesgeschichtler Prof. Dr. Hauptmeyer, der Geschäftsführer des NHB Dr. Rüther sowie der frühere Direktor des Historischen Museums, Dr. Röhrbein. Über das Ergebnis dieser Arbeit werden wir im Herbst berichten.

 

Zur aktuellen Entwicklung in der Frage des Landtagsabrisses, dem Thema des letzten Rundbriefs, lässt sich berichten, dass das Thema in Hannover eine der relativ seltenen öffentlichen Debatten über einen historisch geprägten Inhalt ausgelöst hat. Welche Dimensionen der öffentliche Widerstand gegen den Abriss inzwischen angenommen hat, erstaunte die Landtagsabgeordneten und das Präsidium, die völlig arglos einen Tag der offenen Tür im Landtagsgebäude veran­stalteten und dann ihren Augen und Ohren nicht trauten, als das Gebäude voller Abriss­gegner war, die das Abrissthema bei allen Gesprächs­gele­genheiten thematisierten. Trot­zig traten die Fraktionsvorsitzenden am Pult des Plenarsaals für den Abriss ein und bekamen mächtigen verbalen Gegenwind aus den Reihen der Zuhörer aus breiten Kreisen der Bevölkerung. Am 22. April hielten die Laves-Stiftung und die Architektenkammer eine öffentliche Vortrags­veranstaltung ab, zu der sie den ZEIT-Redak­teur und Buchautor Hanno Rauterberg eingeladen hatten, der für den Abrissplan die Adjektive „dumm“ und „obszön“ verwendete, aber auch sehr weiterführend über Abrisse und Rekon­struk­tionen von Bau­denkmälern allge­mein re­ferierte. Der Große Saal im Alten Rathaus gegen­über der Markt­kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

 

In der Hoffnung, möglichst viele von Ihnen bei unseren Veranstaltungen wiederzusehen, grüßen sehr herzlich

 

Dr. Martin Stupperich, Hannover, und
Dr. Wieland Sachse, Göttingen

 

 

 

 

Einladung

zur Frühjahrstagung

des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes

am 27. Mai 2009, 9.00 Uhr,

im Ratssaal des Rathauses des Westfälischen Friedens in Osnabrück

 

Bis 9.00 Uhr            Anreise, Kaffee

 

9.30 Uhr                  Grußwort von Bürgermeister Pistorius oder der stellvertretenden Bürgermeisterin, Frau Jabs-Kiesler

 

9.45 Uhr                  Begrüßung

Dr. Martin Stupperich

 

10.00. Uhr               Hauptvortrag: Das Schlachtfeld von Kalkriese. Archäologische Befunde und historische Quellen

Dr. Susanne Wilbers-Rost (Museum und Park Kakriese)

Dr. Achim Rost (Universität Osnabrück)

Anschließend Diskussion

 

11.15 Uhr                Kaffee

 

11.30 Uhr                Arbeitsgruppen:

                              1. Felix-Nussbaum-Haus: Selbstbildnisse Nussbaums

                              2. Remarque-Friedenszentrum (Herr Siemsen, M.A.)

                              3. Stadtführung mit Herrn Prof. Dr. Mittelstädt

 

12.30 Uhr                Mittagspause

 

13.30 Uhr                Abfahrt nach Kalkriese/Bramsche

 

14.00 Uhr                Führung durch die neue Ausstellung

 

16.30 Uhr                Rückfahrt nach Osnabrück und Ende der Tagung

 

 

Anmeldungen werden erbeten per Mail an kontakt@vgd-nds.de,

oder per Fax unter der Nummer 0511-9055004,

oder per Post an die Adresse: Dr. M. Stupperich, Weidengrund 3, 30657 Hannover
Bitte geben Sie bei der Anmeldung den Titel der gewünschten Arbeitsgruppe an.

 

 

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