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2009.01: Rundbrief Februar 2009

An alle

Mitglieder des

Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes

 

 

Rundbrief Februar 2009

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

Ihnen allen wünschen wir einen guten Start in das 2. Halbjahr des Schuljahrs 2008/09! Notenvergabe, Zeugniskonferenzen und Zeugnisvergabe sind geschafft, so dass jetzt Anfang Februar vielleicht ein wenig Zeit vorhanden ist, den Rundbrief des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes zu lesen.

 

Die Detailplanungen für das Jahr 2009 beginnen jetzt demnächst. Grobe Planungen hatte es im vergangenen Jahr bereits gegeben. So haben wir uns schon gegen Ende des vergangenen Jahres bei einer Besprechung im Residenzmuseum Celle mit der Leiterin des Museums Frau Schmieglitz-Otten, an der vom Verbandsvorstand Frau Reichert und der Vorsitzende sowie dessen Frau teilnahmen, auf den 25. März 2009 für eine erste Tagung im Celler Schloss geeinigt. Es soll um das Thema Welfenfrauen als Beitrag zur Landesgeschichte im Unterricht gehen. Die Tagung soll einerseits die Befassung mit der niedersächsischen Landesgeschichte fördern, andererseits aber auch Abhilfe schaffen angesichts der Klagen, dass die Frauengeschichte zu wenig Berücksichtigung im Unterricht finde. Diese Klage war gerade im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Bildungsstandards des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands geäußert worden.

Die geplante Tagung ist gedacht als Vorabtagung zur Frühjahrstagung, die im Februar 2010 wiederum in Celle stattfinden kann. Beide Tagungen mit dem Tagungsort Celle sind veranlasst durch die große Ausstellung, die vom Februar bis in den Sommer 2010 hinein im Celler Schloss stattfindet. Sie steht unter dem Titel „Mächtig verlockend. Frauen der Welfen. Zwei Lebenswege zwischen Zwang und Selbstbestimmung“. Es handelt sich um die Lebenswege von Eleonore d’Olbreuse (1639-1722), Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg, und von Sophie Dorothea (1666-1726), Kurprinzessin von Hannover. Beide Biographien stehen nicht nur für die Kulturgeschichte und die Geschichte des höfischen Lebens der Zeit, sondern beide Persönlichkeiten stehen in vielfältiger Weise im Zusammenhang der Territorial- und Reichs- ebenso wie der internationalen Politik des 17./18. Jahrhunderts.

 

Die Frühjahrstagung 2009 soll in Osnabrück stattfinden. Frühjahr heißt in diesem Fall allerdings späteres Frühjahr. Äußere Veranlassung ist das Jubiläumsjahr der Varusschlacht. Über die Einzelheiten wird noch gesprochen. Die Einladung mit konkreter Tagungsabfolge folgt im kommenden Rundbrief. Die nächste Sitzung des Vorstands wird sich mit den genaueren Planungen befassen.

 

Die Verbandstätigkeit konzentrierte sich während der Zeit des Dezember und Januar sehr stark auf die Interessenvertretung des Geschichtslehrerverbandes als eines Verbandes von Historikern zugunsten der Erhaltung des architekturgeschichtlich und landeshistorisch bedeutsamen Denkmals Landtagsgebäude. Die Pläne der Baukommission des Landtags, die anstehende Sanierung in einen kompletten Abriss des Landtagsgebäudes münden zu lassen, stießen auf den gesammelten Widerstand fast aller landes- und baugeschichtlich Interessierten in Niedersachsen. Bislang steht nur die Fraktion der Grünen den Abrissplänen für den Landtag entschieden ablehnend gegenüber.

Wie schon im vorigen Rundbrief berichtet, gehörte der Niedersächsische Geschichtslehrerverband zu den ersten Verbänden, die sich in dieser Sache äußerten. Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Heimatbund und der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen fand am 28. November eine Pressekonferenz in den Räumen des Niedersächsischen Heimatbundes statt, die auf ein reges Presseecho stieß. Zahlreiche Artikel erschienen in der Folge. Ein Zitat des Vorsitzenden unseres Verbandes schaffte es bis in die Schlagzeile der Hannoverschen Allgemeinen. Auch Rundfunk und Fernsehen waren vertreten. Von diesem Presseecho wurden weitere Äußerungen in mehreren Wellen in den Medien angestoßen. Insbesondere die Architektenvereinigungen meldeten sich zu Wort und bedauerten die Abrisspläne mit im Wesentlichen architekturgeschichtlichen Argumenten, griffen aber auch auf die Argumente der Historiker zurück. Es schien so, als seien die Architekten, für die der Oesterlen-Bau der frühen Sechziger eine herausragende baugeschichtliche Bedeutung genießt, durch die entschiedene Äußerung der Historiker aus einer gewissen Resignation gerissen worden, und als hätten sie neuen Mut gefasst, für die Erhaltung dieser einmaligen Lösung einer Verbindung von alter Bausubstanz (Leineschloss) und moderner Architektur in die Bresche zu springen.

Inzwischen hat der Vorgang immer weitere Kreise weit über Hannover und Niedersachsen hinaus gezogen. Anfang Februar wandten sich die Berliner Akademie der Künste und kurz darauf das Museum of Modern Art in New York gegen den Abriss.

 

Der Landtagspräsident Hermann Dinkla lud die Vorsitzenden der opponierenden Verbände am Abend des 29. Januar in sein Dienstzimmer zu einer Aussprache ein. Alle wichtigen Argumente wurden hier erneut vorgebracht. Es wurde auf die symbolische Bedeutung des Baus für die junge Demokratie in Niedersachsen verwiesen. Es wurde gesagt, dass diese Institution und das dazu gehörende Gebäude letztlich die einzige Klammer der tendenziell auseinander strebenden Teile des erst gut 60 Jahre alten Bundeslandes seien, wenn man vom Text der Verfassung absieht. Schon dies verbiete die Idee eines Abrisses. Die Landesgeschichte, so wurde unterstrichen, beziehe auch die zweite Hälfte des 20 Jahrhunderts ein, so dass der Respekt vor der Geschichte mehr Achtung vor ihren Denkmälern verlange. Ohnehin steht der Bau unter Denkmalschutz. Der Landtag nutzt das ihm zustehende Vorrecht, sich über das Denkmalschutzgesetz hinwegzusetzen. Daher wurde mehrfach unterstrichen, dass es landesweit negative Auswirkungen für den Denkmalschutz haben werde, wenn der Gesetzgeber sich über das von ihm selbst erlassene Gesetz ohne wirkliche Not hinwegsetze. Natürlich unterstrichen die Architekten, dass andere Lösungen als der Abriss ohne Schwierigkeiten möglich seien, ohne dass die Kosten in die Höhe zu schnellen brauchten.

 

Man hatte am Schluss des Gesprächs nicht wirklich den Eindruck, dass der Landtagspräsident durch die vorgebrachten Argumente überzeugt werden konnte, auch wenn er sich gesprächsbereit zeigte. Dafür spricht auch die neue Marschrichtung, eine schlichte Verdoppelung der Grundfläche des Plenarsaals zu fordern und sich damit als Landesparlament nahezu am Berliner Reichstag (1200 m²) zu orientieren. Wie sich dies von der gesamtpolitischen Bedeutung her, aber auch vor dem Steuerzahler rechtfertigen lässt, ist eine Sache. Die andere ist die technische, denn eine solche Lösung führt automatisch zum Abriss, da die jetzige Deckenkonstruktion eine so große Fläche nicht mehr überspannen kann. Damit wird der Abriss zur Vorgabe für den neuen Architektenwettbewerb.

 

Für einen Lehrerverband ist der gesamte Vorgang in mehrfacher Hinsicht bedeutsam:

 

  1. In Niedersachsen ist mehr noch als in anderen Bundesländern eine Erosion des Geschichtsbewusstseins bei den Akteuren der politischen Öffentlichkeit zu beobachten.
  2. Das Landesparlament steht in der Gefahr, das Augenmaß zu verlieren, wenn es um die Selbsteinschätzung und die Beurteilung der eigenen öffentlichen Rolle geht. Nicht nur, dass man glaubt, sich baulich mit dem Bundesparlament vergleichen zu können, sondern auch, dass man sich über (gesetzliche) Regelungen wie den Denkmalschutz, die für alle gelten, erhaben dünkt. Die politische Rolle des Landesparlaments wird in der Öffentlichkeit geringer, die moralische Bedeutung dagegen weit höher eingeschätzt, als es sich die meisten Abgeordneten offenbar träumen lassen. Die öffentliche Moral aber ist eine Frage der Werteerziehung.
  3. Eine Erziehungsfrage ist auch die Wertschätzung der demokratischen Ordnung. Die Demokratie ist in Deutschland und in Niedersachsen noch eine zarte Pflanze. Daher sollten alle Möglichkeiten demokratischer Traditionsbildung genutzt werden. Gerade Parlamentsgebäude sind anders als gewöhnliche Verwaltungsgebäude Baudenkmäler mit hoher symbolischer Bedeutung für die Demokratiegeschichte eines Landes.
  4. Die demokratische Ordnung reicht weit über das Verfahren von Abstimmungen bei Wahlen oder im Parlament hinaus. Demokratie setzt eine öffentliche Debattenkultur voraus. Das Parlament kann nicht für sich in Anspruch nehmen, der einzige Ort öffentlicher Debatten zu sein. Auch Einzelpersonen und Verbände außerhalb der Parlamente haben ein Recht gehört zu werden und ihre Sichtweisen einzubringen, die oft von ganz eigener Art sind.
  5. Es ist eine Frage des politischen Stils, ob die Argumente einer öffentlichen Debatte aufgenommen oder einfach abgebügelt werden. Schüler/innen wird in der Schule ein wertschätzender Umgang mit dem Diskussionsgegner und seiner Argumentationsweise vermittelt. Sie sollen über die Debattenkultur ihrer Schulzeit zu Bürgern mit demokratischer Grundhaltung erzogen werden. Schon aus diesem Grunde erwarten Lehrer/innen vom Landesparlament eine Vorbildrolle. Im Augenblick scheint es bei vielen Abgeordneten am Bewusstsein zu mangeln, dass man sich in einer solchen Vorbildrolle überhaupt befinde.

 

Es passt in das Gesamtbild, dass die Historische Kommission, die den früheren Landtagspräsidenten beriet, nicht mehr existiert. Die Aktivitäten des Landtags zur niedersächsischen Landesgeschichte sind gestrichen.

 

In der Hoffnung, dass viele Kolleginnen und Kollegen Ende März die Zeit finden, an der Celler Tagung des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes teilzunehmen,

grüßen vielmals

 

 

 Dr. Martin Stupperich, 1. Vors.
Dr. Wieland Sachse, 2. Vors.

 

 

 

 

 

Einladung

zur landesgeschichtlichen Fachtagung

des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes

über

bedeutende Frauen der Welfengeschichte

am 25. März 2009, 16.00 Uhr,

im Residenzmuseum Celle

 

 

Tagungsablauf:

 

 

Bis 15.00 Uhr      Anreise, Kaffee

15.00 Uhr            Begrüßung

                            Dr. Martin Stupperich

 

15.15. Uhr           Einführungsreferat

                            Juliane Schmieglitz-Otten

 

16.00 Uhr            Das Thema Welfenfrauen als Beitrag zur Landesgeschichte im                          

                            Unterricht

                            NN

 

16.30 Uhr             Führung durch die Ausstellungen des Residenzmuseums

                             durch die Leiterin des Museums

 

19.00 Uhr             Ende der Tagung

 

 

Das Residenzmuseum befindet sich im Celler Schloss.

Tagungsraum wird je nach Anmeldezahl entweder der Rittersaal oder das Kaminzimmer im Schloss sein.

 

Anmeldungen werden erbeten per Mail an kontakt@vgd-nds.de,

oder per Fax unter der Nummer 0511-9055004,

oder aber per Post an die Adresse:
Dr. M. Stupperich, Weidengrund 3,

30657 Hannover

 

 

 

   
 Das Leine-Schloss mit dem Anbau aus den frühen 1960er Jahren 
 Das Leine-Schloss mit dem Anbau aus den frühen 1960er Jahren 
   
  
   
  
   
  
   
  
   
 

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