Startseite | HOMESitemap, SucheKontakt, eMail
Praxis Geschichte
Praxis Politik
Deutsch Unterricht
Praxis Englisch
 

2008.05: Weihnachtsrundbrief, Dez. 2008

Weihnachts-Rundbrief 2008

des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes

 

 

11. Dezember 2008 


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wir wünschen Ihnen allen eine ruhige besinnliche Weihnachtszeit und ein frohes Neues Jahr 2009. Hoffentlich liegt die Korrektur der vorweihnachtlich gehäuften Klausuren und Klassenarbeiten bald hinter Ihnen, so dass Sie die Besonderheit dieser Jahreszeit überhaupt wahrnehmen können. Diejenigen, die in den neuerdings so großen unteren Mittelstufenklassen unterrichten, werden eine Phase der Ruhe und Entspannung besonders begrüßen.

 

In unserem Verband liegt die tagungsreiche Herbstzeit jetzt hinter uns (Berichte s. www.vgd-nds.de ). Einige haben an der Fachtagung über Kartenarbeit am Beispiel der innerdeutschen Grenze im Anschluss an die Helmstedter Universitätstage teilgenommen, andere waren Teilnehmer an der recht erfolgreich verlaufenen großen Sonderveranstaltung zum Thema Nachhaltiger Geschichtsunterricht in Sekundarstufe I und II auf dem Historikertag in Dresden.

 

Sehr groß war die Teilnehmerzahl bei der Zentraltagung des Landesverbandes in Hannover am 4. November, dankenswerter Weise wieder von der Burgsdorff-Stiftung finanziell unterstützt.

 

Diesmal ging es im Hauptvortrag um das Thema „Chinas Weg in die Moderne (1840 -1949)“, ein Thema das anlässlich des Schwerpunktthemas 2 des Zentralabiturs 2010 für zahlreiche Geschichtslehrer im Augenblick von besonderer Bedeutung ist. Herr Prof. Schmidt-Glintzer, Wolfenbüttel, der als Sinologe ein profunder Kenner der Chinesischen Geschichte ist, entfaltete ein großes Spektrum charakteristischer Züge der chinesischen Geschichte beginnend mit dem 17. Jahrhundert. Diese bezogen sich auf die politische Kultur Chinas im Unterschied zur westlichen, das Verhältnis zum Westen überhaupt, das Verhältnis von Staat und Gesellschaft in China und den Traum einer harmonischen Gesellschaft. Chinas Weg in die Moderne sei der Weg in die staatliche Einheit, der zunächst auf Kosten des wirtschaftlichen Fortschritts beschritten worden sei. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts habe es immer wieder Verfassungsdiskussionen in China gegeben. Mit dem Aufstieg Maos sei China seit den 30er Jahren in eine neue Phase auf der Basis der Revolutionierung der bäuerlichen Bevölkerung eingetreten, deren revolutionärer Geist bis heute nachwirke.

 

Eine weitere wichtige Teilveranstaltung dieser Tagung war der Workshop über Kartenarbeit im Geschichtsunterricht auf der Basis des neuen Kerncurriculums (weiterfühende Literatur s. Tagungsbericht!). Frau Dr. Christina Böttcher von der Universität Halle-Wittenberg referierte anhand von Kartenbeispielen zur innerdeutschen Grenze über Wege und Mittel der Füllung von Geschichtskarten mit lebendiger Vorstellung für Schüler. Die abstrakten Zeichen und Symbole müssten mittels geeigneter Quellen, Bilder und Filme, aber auch mit Hilfe von Erzählungen und Interviews zum Sprechen gebracht werden. Dies wurde mit zahlreichen konkreten Beispiele belegt und in einer Gruppenarbeitsphase in unterschiedliche Richtungen entfaltet.

 

Parallel nutzte eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen die Gelegenheit, an einer Führung durch die Ausstellung des Historischen Museums über „Körperformen. Mode Macht Erotik“ teilzunehmen.

 

Auch in Zukunft sollen die Tagungen lt. Vorstandsbeschluss stets Beiträge zur systematischen Methodenarbeit im Unterricht anbieten.

 

Die Mitgliederversammlung am Nachmittag erbrachte mehrere Ergebnisse:


Die Verbandskasse ist saniert. Der kommissarische Schatzmeister, Herr Zihn, hatte noch ein gewisses Plus zu verzeichnen, obwohl bereits zugesagte Sponsorengelder noch ausstanden.

 

Die Nachwahlen zum Vorstand erbrachten die endgültige  Bestätigung von Herrn Zihn im Schatzmeisteramt, die Bestellung von Herrn Groberg und Frau Vieth im Kassenprüferamt und die Wahl von Frau Reichert (Lüneburg) und Herrn Dr. Müller (Delmenhorst) zu neuen Regionalbeauftragten für Oldenburg und Lüneburg. Wir danken den genannten Kolleginnen und Kollegen für ihre Bereitschaft, ehrenamtlich die Verbandsarbeit mitzutragen!

 

Herr Dr. Schaap, der bisherige Regionalbeauftragte für Oldenburg, wurde mit großem Dank für die geleistete Arbeit aus seinem Amt verabschiedet. Er hat sich, wie besonders die Oldenburger bestätigen können, sehr um die Sicherung des Faches Geschichte und die Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen verdient gemacht und stand stets mit kompetentem Rat im Verband zur Verfügung.

 

Einstimmig wurde die Namensänderung des Landesverbandes in „Niedersächsischer Geschichtslehrerverband e.V.“ beschlossen. Um den Beschluss endgültig umzusetzen, bedarf es noch einer Satzungsänderung, der Änderung im Vereinsregister und auf den offiziellen Papieren und Verlautbarungen des Landesverbandes.

 

Unter dem Tagesordnungspunkt 9 (Vorhaben 2009) wurde die Planung folgender Veranstaltungen für 2009 vorgestellt:

 

- Im Februar oder März soll es eine Tagung in Celle geben zu berühmten Frauengestalten des Kurfürstentums Hannovers. Die Vorbereitung dazu geschieht in Kooperation mit dem Residenzmuseum Celle.

 

- Im Mai plant der Verband eine Frühjahrstagung in Osnabrück zum 2000jährigen Jubiläum der Varusschlacht. Nach den Sommerferien folgt eine Braunschweiger Tagung zum Thema „20 Jahre Mauerfall“. Die Tagung wird eine Schulbuchausstellung begleiten und wird in Zusammenarbeit mit dem Georg-Eckert-Institut und dem Landesmuseum Braunschweig durchgeführt.

 

- Der Zentrale Tag des Geschichtslehrers wird dann wieder Anfang November 2009 stattfinden. Hier stehen sämtliche Vorplanungen bislang noch aus. Die Mitglieder werden rechtzeitig über die jeweiligen Vorhaben informiert werden. 

 

Im letzten Rundbrief war angekündigt worden, dass eine Delegation des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes das Ministerium aufsuchen werde, um ein Gespräch über das Zentralabitur 2008 zu führen und Vorschläge für eine Beseitigung bestehender Irritationen zu unterbreiten. Dieses Gespräch hat inzwischen am 3. Dezember stattgefunden. Es dauerte fast zwei Stunden. Der Geschichtslehrerverband wurde von Frau Corinna Kögler (Braunschweig/Salzgitter), Herrn Dr. Hans-Joachim Müller (Ganderkesee/Delmenhorst) und dem Vorsitzenden vertreten. Die Ministeriumsseite vertraten Herr Ministerialrat Bade sowie zwei Mitglieder der Zentralabiturkommission, die Herren Eilert und Heldt. Das Gespräch fand in einem sehr konstruktiven Geist statt. Beide Seiten versuchten, aufeinander zuzugehen, nachdem die beiderseitigen Positionen zu Beginn ausgetauscht worden waren. Dem Ministerium war im Vorfeld ein Papier zugestellt worden, das die aus verschiedenen Quellen stammende Kritik an den Zentralabitur-Aufgaben dieses Jahres zusammenfasste. Es wurde verschiedentlich eingeräumt, dass die vorgetragene Kritik zu Recht geäußert worden sei, u.a. auch in der Frage des Wiedfeld-Textes im Schwerpunktfach; Wiedfeld war kein NS-Autor, sondern ein Christlich-Sozialer, was für die Schülerinnen und Schüler jedoch nicht nahe liegen konnte. Die Semesterübergriffe wurden ausführlich thematisiert. Die Verbandsvertreter machten deutlich, dass sinnvolle Vergleiche nur unter ausführlicher Einbeziehung der Gesamtumstände der zu vergleichenden Epochen sinnvoll und möglich seien. Für ein derartiges Ausholen seien aber weder die Aufgabenstellung noch die zur Verfügung stehende Zeit ausgelegt gewesen. Dennoch, so wurde festgestellt, müsse es Semesterübergriffe geben. Man einigte sich darauf, dass darüber nachgedacht werden solle, eine Grundlegung der Semesterübergriffe in Zukunft bereits in den Thematischen Schwerpunkten zu formulieren, und dass auch begründete Negationen von Vergleichen möglich sein sollten. Die monierte zu hohe Stofffülle der Thematischen Schwerpunkte wurde zur Kenntnis genommen, aber auch darauf verwiesen, dass man sich bereits um eine Reduzierung bemüht habe. Dennoch sollen verkürzte Semester (Abschluss direkt vor Weihnachten) in Zukunft für die Thematischen Schwerpunkte Berücksichtigung finden. Der Hinweis darauf, dass der Niedersächsische Geschichts­lehrerverband wünsche, dass die Aufgabenstellungen sich auf mindestens 30 -50% des Inhalts der Thematischen Schwerpunkte beziehe, wurde zur Kenntnis genommen. Ein weiterer Wunsch war, dass die Reihe der Thematischen Schwerpunkte demnächst abgeschlossen sein möge und die Belastung der Kollegen durch angesichts der bislang üblichen Praxis eher randständige Themenbereiche mit der Notwendigkeit des partiellen Nachstudierens vermieden werden möge. Vom Ministerium wurde angekündigt, dass es auf der Basis des kommenden Oberstufencurriculums möglich sein solle, auf bereits bearbeitete Thematische Schwerpunkte zurückzugreifen. Allerdings wurde in dem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es der Verband selbst gewesen sei, der vor Jahren auf die Ausweitung der Themen­stellungen auf ältere Epochen gedrängt habe. Dies musste von Verbandsseite eingeräumt werden. Die wichtige Forderung des Verbandes, dass ein Kontrollgremium berufen werden möge, das die Aufgabenstellungen noch einmal überprüfe, wurde nicht für möglich gehalten, da der gesamte Prozess der Aufgabenstellung dadurch in eine schwierige Lage geraten könne. Abschließend wurde die Bitte geäußert, Probleme mit dem Zentralabitur auch weiterhin möglichst in gebündelter Form durch den Geschichtslehrerverband direkt an das Ministerium heranzutragen.

 

Ein Vorhaben für das kommende Jahr wird die Gestaltung der Zusammenarbeit mit dem wieder begründeten Landesverband Bremen sein, der selbst die Bitte an den Niedersächsischen Geschichtslehrerverband herangetragen hat. Es leuchtet ein, dass ein kleiner Landesverband wie Bremen nicht die Möglichkeit hat, in gleicher Weise wie Niedersachsen Veranstaltungen durch­zuführen, die sich von der Teilnehmer­zahl her lohnen müssen und für die eine ausreichende finanzielle Basis notwendig ist. Hier sollte sich unser Verband öffnen und Kooperations­möglichkeiten aushandeln. Dabei müssten u.U. auch Tagungen unseres Verbandes mit den Bremern zusammen auf bremischem Gebiet denkbar sein. Was sich am Ende konkret ergibt, werden wir im kommenden Jahr mitteilen.

 

Nach dem Wechsel im Landtagspräsidium ist die Arbeit der Historischen Kommission beim Landtagspräsidenten zum Erliegen gekommen. Das neue Präsidium verfolgt die Förderung der niedersächsischen Landesgeschichte offensichtlich nicht weiter. Man möchte sich jetzt mit der besonderen Förderung des Europagedankens durch den Landtag befassen. Es ist zu befürchten, dass der Hintergrund dieser Wendung mehr ist als nur Geschichts­vergessenheit. Es macht sich eine bewusste Wendung gegen die Wertschätzung der Geschichte und des Historischen bemerkbar. Wie anders ist es sonst zu verstehen, dass von Seiten des neuen Landtagspräsidenten und leider auch der Fraktionen (Ausnahme: die Grünen) eine Landtagssanierung betrieben wird, die kompromisslos auf einen Neubau unter Abriss des bestehenden und unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes betrieben wird?

Der Niedersächsische Geschichts­lehrerverband hat sich gemeinsam mit dem Niedersächsischen Heimatbund und der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen in einer Pressekonferenz eindeutig für den Erhalt des bisherigen Landtagsgebäudes ausgesprochen, das zwar sanierungsreif, jedoch nicht abrisswürdig sei. Schließlich handele es sich um den zentralen Ort niedersächsischer Demokratiegeschichte. Es sei der Ort, an dem für das Land zentrale Entscheidungen gefallen und an dem das Land Niedersachsen fast ein halbes Jahrhundert lang eine besondere Repräsentanz gefunden habe. Der in seiner Zeit herausragende Architekt Dieter Oesterlen habe mit diesem Bau Architektur­geschichte geschrieben. Die beteiligten Verbände hielten die Erhaltung des Landtags­gebäudes selbst dann für vertretbar, wenn die Sanierungskosten geringfügig über den Neubaukosten liegen würden, was im Übrigen aber sehr unwahrscheinlich sei. Das Argument von Lehrerseite, dass eine aufwändige Sanierung angesichts der knappen öffentlichen Kassen (s. Lehrermangel) im Augenblick ohnehin nicht in die Landschaft passe, wurde von den anderen Verbänden allerdings so nicht geteilt.

Sollte aber ein Neubau unabweisbar sein, dann – so die beteiligten Verbände – solle das ehemalige Landtagsgebäude einem neuen Zweck zugeführt werden und nicht einfach ersatzlos abgerissen werden, wenn auf dem danebengelegenen Platz der Göttinger Sieben ein Neubau entstehe. Es lag nahe, dass von Seiten unseres Verbandes in der Pressekonferenz der Vorschlag unterbreitet wurde, dann das Haus der Geschichte des Landes Niedersachsen an dieser zentralen Stelle unterzubringen.

Die wichtigste Forderung der drei Verbände war es, endlich eine öffentliche Diskussion in dieser so wichtigen Frage in Gang zu bringen und nicht weiterhin derartig weitgreifende Entscheidungen hinter geschlossenen Türen zu fällen und die Öffentlichkeit dann mit den Ergebnissen zu überraschen, um nicht zu sagen zu überrumpeln. Die jüngsten Presseberichte lassen eine Erkenntnis in diesem Sinne noch keineswegs erkennen. Warten wir ab, welche Entwicklung das neue Jahr bringen wird.

 

Mit nochmaligen guten Wünschen für die kommenden Weihnachtstage und das Neue Jahr grüßen

 

 

Dr. Martin Stupperich, 1. Vors.

Dr. Wieland Sachse, 2. Vors.

 

 

   
 Unser traditionelles Tagungslokal - das Historische Museum in der hannoverschen Altstadt 
 Unser traditionelles Tagungslokal - das Historische Museum in der hannoverschen Altstadt 
   
 Plenarsaal des nds. Landtages aus den sechziger Jahren, Flügel des historischen Schlosses - sanieren oder abreißen?  
 Plenarsaal des nds. Landtages aus den sechziger Jahren, Flügel des historischen Schlosses - sanieren oder abreißen?  
   
 

.:: Impressum | Disclaimer | Webmaster | Zuletzt aktualisiert am 15.02.2009 ::.