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Tag des Geschichtslehrers, 4. November 2008, Hannover, Bericht

Anlässlich der Zentraltagung des niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes kamen am 4. November 2008 etwa 90 Kolleginnen und Kollegen im Historischen Museum Hannover zusammen, wo sie von Museumsdirektor Dr. Schwark und dem Landesvorsitzenden Dr. Martin Stupperich begrüßt wurden.

Stupperich ging in seiner Begrüßung zunächst auf aktuelle politische Fragen rund um das Fach und seine Stellung ein. Nachdem der Geschichtslehrerverband die Bildungsstandards für das Fach Geschichte verfasst und in Niedersachsen auch maßgeblich an der Erstellung des Kerncurriculums mitgewirkt habe, zeichne sich in der öffentlichen Diskussion ab, dass nach wie vor keine Einigkeit über die Ziele des Geschichtsunterrichts bestehe. Das Ziel der Bildungsstandards, eine Vergleichbarkeit unter den Bundesländern herzustellen, sei bislang nicht erreicht. Die Umsetzung der Bildungsstandards im niedersächsischen Kerncurriculum komme deren Intention noch vergleichsweise am nächsten. Stupperich verwies auf die Notwendigkeit, dass sich das Fach Geschichte im Fächerkanon behaupten müsse; ein Domino-Effekt nach der Stundenkürzung in Nordrhein-Westfalen müsse vermieden werden. Er bedauerte, dass der Verband an der Erstellung des Oberstufencurriculums gegenwärtig nicht beteiligt sei. Es sei zu beobachten, ob dem Gedanken der Nachhaltigkeit, wie er die Kompetenzorientierung der Bildungsstandards vorsehe, hinreichend Rechnung getragen werde.

 

Den vormittäglichen Hauptvortrag hielt Professor Dr. Helwig Schmidt-Glintzer (Wolfenbüttel) zum Thema „Chinas Weg in die Moderne 1840-1949“ (Herr Prof. Schmidt-Glintzer hat freundlicherweise seinen Referat-Text zum Nachlesen zur Verfügung gestellt; Sie finden ihn HIER). Anlässlich des thematischen Schwerpunktes 2 des Zentralabiturs 2010 spannte er einen weiten Bogen, der in der globalen Krise des 17. Jahrhunderts ansetzte und konstitutive Unterschiede der chinesischen politischen Kultur im Vergleich zur westlichen aufzeigte. Hierzu rechnete er die späte Wahrnehmung des Auslandes – erst 1861 wurde am chinesischen Hof ein Außenministerium eingerichtet – oder die fehlende Trennung von Staat und Gesellschaft. Obgleich China über kein homogenes Staatsgebilde verfügt habe, sei der Traum von einer harmonischen Gesellschaft doch stets gegenwärtig gewesen. Die staatliche Einheit sei um den Preis des ökonomischen Fortschritts erreicht worden. Chinas Weg in die Moderne sei von daher ein Hinweis auf die Gefährdungen der Moderne.

Die Randländer hätten in der chinesischen Geschichte stets eine besondere Rolle gespielt. Allerdings stehe der Polyzentralität Europas in China eine Monozentralität gegenüber. Noch heute liege China beispielsweise in einer einzigen Zeitzone. Über ein natürliches Zentrum verfüge es indes nicht.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und verstärkt unter dem Eindruck der überlegenen imperialistischen Intervention europäischer Mächte sei es in China zu verschiedenen Verfassungsdiskussionen gekommen. Diese habe sich in den Spannungsfeldern von Zentralismus und Feudalismus, Autokratie und plebiszitärer Monarchie sowie der Frage nach der Rolle der Regionen bewegt. Ab der Jahrhundertwende sei auch verstärkt die Frage diskutiert worden, welche Vorbilder die westliche Zivilisation bereitstelle.

Mit dem Personenkult um Mao, der zur Symbolfigur und Inkarnation Chinas aufgestiegen sei, sei das Land in ein neues Stadium eingetreten. Mao sei von seiner eigenen aktivistischen Lebensphilosophie getrieben gewesen, deren marxistische und sozialistische Vorstellungen durch ausländische Studenten nach China gelangt seien. Sein revolutionärer Aufstieg in den 30er Jahren sei den Erfolgen bei den Bauern der Provinz zu verdanken. Der revolutionäre Elan des Maoismus habe in China Freiheitsvorstellungen zutage gefördert, die langfristig folgenreich geblieben seien.

Die heutigen Reformen ständen im Zeichen des Gegensatzes von Tradition und Moderne. Einen wesentlichen Akzent stelle hierbei – nach den Jahrzehnten der Demütigung durch den Westen – die Reichsintegration dar. In China herrsche die Überzeugung, bald in der Moderne angekommen zu sein.

 

Anschließend berichtete die Vorsitzende der Henning-von-Burgsdorff-Stiftung, Frau OStD' i.R. Brigitte Netzel, über die diesjährigen Wettbewerbsarbeiten und die Neuorganisation der Auszeichnungen. Wir danken der Stiftung, die sich erneut mit 1.500 € an den Kosten der Tagung beteiligt hat, wodurch diese Fortbildung in der ansprechenden Umgebung des Museums  für die  Kolleginnen und Kollegen möglich wurde.

 

Im Nachmittagsprogramm bestand anschließend Gelegenheit, die schulpraktische Verwendung der Erkenntnisse des Vormittags in einem China-Workshop zu diskutieren, den Professor Schmidt-Glintzer und StD Heinz Peter Platen (Neuenhaus) gemeinsam abhielten.

 

Daneben referierte Dr. Christina Böttcher (Halle) über Möglichkeiten der Kartenarbeit im Geschichtsunterricht. Am Beispiel von Karten  zur innerdeutschen Grenze wurde über Wege und Mittel der Füllung von Geschichtskarten mit lebendiger Vorstellung für Schüler berichtet. Die abstrakten Zeichen und Symbole müssten mittels geeigneter Quellen, Bilder und Filme, aber auch mit Hilfe von Erzählungen und Interviews zum Sprechen gebracht werden. Dies wurde mit zahlreichen konkreten Beispiele belegt und in einer Gruppenarbeitsphase in unterschiedliche Richtungen entfaltet.  Wer sich hier weiter informieren möchte, sei auf folgende  Veröffentlichungen der Referentin hingewiesen:

 

Chr. Böttcher, Die Karte, in: Hans-Jürgen Pandel, Gerhard Schneider (Hrsg.), Medien im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2005, 3. Aufl. S. 170-196.

Dies., Umgang mit Karten, in: Hans-Jürgen Pandel, Gerhard Schneider (Hrsg.), Methoden im Geschichtsunterricht,  Schwalbach/Ts. 2004, S. 225-254.

Dies., Theoretische und praktische Aspekte zur Schulgeschichtskartographie, in: Aspekte zur Gestaltung und Nutzung von Karten für den Schulunterricht, in: Kartographische Schriften, Bd 8, Bonn 2003, S. 41-68.

Dies., Die Darstellung von Zeit auf Karten, in: Geschichte lernen (1997), H. 59, S. 48-59.


Schließlich bestand die Gelegenheit, sich von Dr. Andreas Urban durch die Sonderausstellung „Körperformen. Mode Macht Erotik“ im Historischen Museum führen zu lassen.

 

Auf der abschließenden Mitgliederversammlung

 wurde OStR Werner Zihn (Oldenburg) zum Schatzmeister gewählt.
Als neue Regionalbeauftragte wurden gewählt: Barbara Reichert (Lüneburg) für Lüneburg und Dr. Hans-Joachim Müller (Delmenhorst) für die Region Oldenburg.

Dem ausscheidenden Oldenburger Regionalbeauftragten Dr. Klaus Schaap dankte der Vorsitzende für sein langjähriges Engagement.

 

Johannes Heinßen (Stade)

 

   
 Unser Tagungslokal - das Historische Museum am Hohen Ufer 
 Unser Tagungslokal - das Historische Museum am Hohen Ufer 
   
 Einführung durch den Verbandsvorsitzenden Dr. Stupperich 
 Einführung durch den Verbandsvorsitzenden Dr. Stupperich 
   
 China-Vortrag von Prof. Schmidt-Glintzer 
 China-Vortrag von Prof. Schmidt-Glintzer 
   
 Bericht aus Burgsdorff-Stiftung von Frau OStD' i.R. B. Netzel 
 Bericht aus Burgsdorff-Stiftung von Frau OStD' i.R. B. Netzel 
   
 Gespräch am Rande - Herr Platen/Neuenhaus, Herr Dr. Rühter/Nds. Heimatbund und Dr. Stupperich 
 Gespräch am Rande - Herr Platen/Neuenhaus, Herr Dr. Rühter/Nds. Heimatbund und Dr. Stupperich 
   
 Gespräch am Rande - Frau Dr. Hanslik/Isernhagen, Frau Dr. Böttcher/Halle-Wittenberg, Dr. Stupperich 
 Gespräch am Rande - Frau Dr. Hanslik/Isernhagen, Frau Dr. Böttcher/Halle-Wittenberg, Dr. Stupperich 
   
 

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