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Historikertag Dresden, 29.9.-3.10. 2008, Bericht

Historikertag Dresden
29. September bis 3. Oktober 2008

Beteiligung des Geschichtslehrerverbandes

 

 

Der Landesverband Niedersachsen reiste mit 7 Delegierten nach Dresden, die - außer an diversen Veranstaltungen des Historikertages - an den Sektionen des VGD und an zwei Delegiertenversammlungen des VGD teilnahmen:

 

  • Thomas Grove, Graf Stauffenberg-Gymnasium Osnabrück
  • Herta Hoffmann, Max-Planck-Gymnasium Delmenhorst
  • Corinna Kögler, Gymnasium Salzgitter-Bad 
  • Dr. Wieland Sachse, Felix-Klein-Gymnasium Göttingen
  • Dr. Martin Stupperich, Leibnizschule Hannover
  • Martin Thunich, Wilhelm-Raabe-Schule Hannover
  • Werner Zihn, BBS Oldenburg

Im Rahmen der ersten Versammlung am Dienstag, 30.9., wurde die Resolution unseres Landesverbandes vom 19. Juni 2008 (Mitgliederversammlung) verteilt und vom Vorsitzenden ausführlich begründet. Es ging inhaltlich vor allem um die Kritik an der breit ausgefächerten Vorstandstätigkeit im Bereich der Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit, die nach Auffassung der niedersächsischen Mitgliederversammlung am Kerngeschäft des Verbandes vorbeigehe. Im Rahmen der zweiten Versammlung am Donnerstag wurde eine Abstimmung beantragt. Die Mehrheit stimmte jedoch für Nichtbefassung. Damit wurde die Delegiertenversammlung unserem Anliegen sicher nicht gerecht. Dennoch glauben wir, dass die Botschaft beim Geschäftsführenden Vorstand angekommen ist.

 

Der Historikertag war für den Geschichtslehrerverband aufgrund mehrerer erfolgreich verlaufener Sektionen durchaus ertragreich.

Folgende Sektionen wurden vom VGD angeboten:

 

Sektion:

Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht

01. Oktober 2008

Leitung: Roland Wolf, LV Baden-Württemberg (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands)

 

Sektion:

Landes- und Regionalgeschichte als Beitrag zur Entwicklung von Geschichtsbewusstsein. Ein deutsch-tschechischer Vergleich

01.  Oktober 2008

Leitung: Rolf Brütting, LV NRW (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands) und Manfred Treml (Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine)

 

Sonderveranstaltung:

Nachhaltiger Geschichtsunterricht in Sekundarstufe I und II: Vorschläge für neue Kerncurricula

01.  Oktober 2008

Leitung: Martin Stupperich, Niedersächsischer Geschichtslehrerverband)

 

Sektion:

Historische Erinnerung im Zeitalter des Internet - Ungleichheiten als Methodenproblem

02. Oktober 2008

Leitung: Thomas Lange (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands) und Clemens Rehm (Verband der deutschen Archivare und Archivarinnen)

 

Sektion:

Reflektiertes Geschichtsbewusstsein als Ziel ? - Mediale Vermittlung von Geschichte: Aufgaben, Möglichkeiten, Probleme

03.Oktober 2008

Leitung: Klaus Fieberg (Verband der Geschichtslehrer Deutschlands)

 

Der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen leitete die angegebene Sonderveranstaltung am Mittwochabend über nachhaltigen Geschichtsunterricht in den Sekundarstufen I und II. Die Veranstaltung in dem sehr großen Hörsaal 04 war sehr gut besucht, wenn auch nicht erwartet werden konnte, dass sämtliche Plätze belegt sein würden.

 

Die Veranstaltung war in erster Linie der Grundlegung von Leitlinien für die Konzeption eines Oberstufencurriculums gewidmet. Dazu waren Gäste aus dem benachbarten Ausland eingeladen, um den eigenen Blick zu weiten.

 

Über den neuerdings in den Niederlanden praktizierten nachhaltigen Geschichtsunterricht in der Mittelstufe als Voraussetzung des Oberstufenunterrichts referierte Dr. Arie Wilschut, Universität Amsterdam. Dieser Unterricht operiert mit einem Referenzrahmen, der so konstruiert ist, dass er jedem Schüler noch in der Oberstufe präsent ist. Ein Referenzrahmen kann unterschiedlich gestaltet sein. Die Niederlande haben sich für ein Zehnepochenschema entschieden, das bereits in den unteren Klassen mit Hilfe elementarer Bezeichnungen und stets wiederkehrender Bildsymbole eine nachhaltige Orientierung im schwer überschaubaren Meer historischer Fakten erlaubt. Die neuen holländischen Untersuchungen über das Vorhandensein von Geschichtswissen in der Oberstufe im Vergleich zu früheren Befunden geben den Autoren dieses Konzepts Recht. Wilschut wehrt sich mit der am Referenzrahmen orientierten Didaktik gegen den von der Nationalgeschichte geprägten niederländischen Geschichtskanon, der von der augenblicklichen Regierung trotz des Widerspruchs zur Referenzrahmenorientierung als für den Unterricht zusätzlich verbindlich erklärt wurde. (Ergänzend sei darauf verwiesen, dass Arie Wilschut auf unserer Fachtagung in Aurich zum gleichen Thema referiert hat, s. dazu den Bericht über die Auricher Tagung!)

 

Demgegenüber referierte der Althistoriker Prof. Dr. Ekkehard Weber, Universität Wien, über die von der Schulpolitik in Österreich gesetzten Rahmenbedingungen für den Geschichtsunterricht, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass durch die sog. autonome Schule eine große Beliebigkeit der Stoffverteilung Platz gegriffen habe. Hier wurden Ähnlichkeiten der augenblicklichen Situation in Deutschland und Österreich sichtbar. Immerhin weist die Oberstufe in Österreich fünf Leitthemen aus dem Bereich der Alten Geschichte aus, die im Vergleich zu den Inhalten der Neuzeit und der Zeitgeschichte jedoch allenfalls ein Fünftel ausmachen. Bei sechs Wochenstunden für die gesamte Oberstufe lässt sich erahnen, wie wenig letztlich zu erreichen ist, auch wenn der österreichische Lehrplan hochfliegende Erwartungen weckt.

 

Dass auf dieser, den deutschen Verhältnissen ähnlichen Basis alle Erwartungen der Hochschulen im Blick auf das Können der Abiturienten ins Leere laufen müssen, liegt angesichts der Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Susanne Popp, Universität Augsburg, auf der Hand. Aufgrund einer breit angelegten Umfrage unter Hochschulprofessoren ergab sich folgendes Erwartungsspektrum, dessen Reihenfolge eine absteigende Gewichtigkeit der Punkte ausdrückt. Hochschullehrer fordern zuallererst ein verlässliches Orientierungswissen, danach folgen Interesse und Anstrengungsbereitschaft sowie überfachliche Schlüsselqualifikationen und Urteilsvermögen. Erst am Schluss rangiert Fachwissen. Letzteres drückt den klaren Unterschied zwischen den Inhalten des Schulfachs und der wissenschaftlichen Disziplin aus. Die Schule soll und muss nicht das Studium vorwegnehmen bzw. mit Hochschulansprüchen konkurrieren. Ein Mindestmaß an Methodenbeherrschung wird allerdings erwartet, jedoch weithin vermisst. Es wird bei genauerem Hinhören im Grunde ein epochenspezifischer Referenzrahmen als Fundament eingefordert: Ohne Mental Maps in den Köpfen der Schüler und Studenten fehle die Voraussetzung zur Verarbeitung neuer Informationen. In einer Befragung von Studenten des 1. Semesters wurde eben dies auch aus studentischer Sicht bestätigt.

Damit knüpfte die Vortragende wieder an das Referat von Arie Wilschut an und so schloss sich der Kreis.

 

   
 Historikertag in Dresden - Besichtigung am Rande: Frauenkirche 
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 1. Delegiertentag des VGD: Aufrechte Niedersachsen 
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 Sektion Kerncurriculum: Referentin Prof. Popp im Gespräch mit Referent Dr. Wilschut 
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 Sektion Kerncurriculum: Referent Prof. Weber im Gespräch mit Dr. Stupperich 
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 2. Delegiertenversammlung des VGD: Langatmige Wahlen 
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 2. Delegiertenversammlung: LV Niedersachsen vollzählig 
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