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2008.03a: Zwischenrundbrief, 29. Juni 2008

 

Zwischenrundbrief aus aktuellem Anlass

 

Ende Juni 2008

 

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

viele von Ihnen haben irritiert auf die Änderung der Stundentafel im Änderungserlass ?Die Arbeit in den Klassen 5 ? 10 des Gymnasiums? reagiert, zumal es zunächst so schien, als würde eine Verschiebung der Stunden für den Geschichtsunterricht aus den höheren Klassen in die Unterstufe erfolgen. Ich habe daraufhin ein Gespräch im Kultusministerium geführt und kann Ihnen folgendes Ergebnis mitteilen:

 

Es wird keine Verteilung der Stunden von oben nach unten geben, sondern lediglich  eine Umschichtung innerhalb der Doppeljahrgangsstufe 5/6 vollzogen. Die Klasse 5 erhält zwei Stunden, die Klasse 6 eine Stunde. Alles Übrige bleibt so wie bisher. Auf diese Weise braucht am Kerncurriculum nichts geändert zu werden.

 

Für Kolleginnen und Kollegen, die eine offizielle Bestätigung dieser Sachlage benötigen, füge ich den Brief des MK vom 24. Juni 2008 bei.

 

Zwar wäre es eindeutig besser, wenn man es beim Alten beließe, aber in Zeiten der eigenverantwortlichen Schule ist es möglich schulintern so zu verfahren wie zuvor, wenn es einem gelingt, die Zustimmung der Elternschaft zu gewinnen. Da aber ohnehin wegen des Lehrermangels in allen Fächern nicht voll unterrichtet werden kann, ist die Gefahr einer Überbürdung des 6. Jahrgangs, was oft geäußert wird, wohl real nicht gegeben.

Diese Entscheidung ist jetzt Sache der Fachkonferenzen.

 

Für alle Kolleginnen und Kollegen, die zum Historikertag nach Dresden fahren wollen, ist der Hinweis wichtig, dass der Anmeldeschlusstermin der 15. August ist. Die Anmeldung erfolgt online. Sie können von uns (gudrun.schwarze@hannover-stadt.de) eine Bestätigung Ihrer Mitgliedschaft bekommen, die zu einer verbilligten Tagungsgebühr führt.

 

Wir haben eine begrenzte Anzahl an Tagungsprogrammbüchern erhalten. Wer ein Exemplar benötigt, kann sich melden, dann wird es zugesandt, solange der Vorrat reicht. Ich bitte aber darum, nur dann ein Exemplar zu erbitten, wenn auch wirklich die Absicht besteht nach Dresden zu fahren.

 

Wir werden in Dresden, wie schon im vorigen Rundbrief ? falls Sie ihn nicht mehr zur Hand haben: Er steht auf der Verbandshomepage ? mitgeteilt, eine Sonderveranstaltung durchführen. Diese Veranstaltung am Mittwoch, 1. Okt., um 18.00 Uhr, Hörsaal 03, wird sich mit dem Thema ?Nachhaltiger Geschichtsunterricht in Sekundarstufe I und II? befassen. Es referiert Frau Prof. Dr. Susanne Popp über das Thema: ?Was erwarten die Hochschulen von den Abiturientinnen und Abiturienten?. Außerdem spricht Dr. Arie Wilschut (Amsterdam) über einen Referenzrahmen für den Mittelstufenunterricht. Prof. Dr. Ekkehard Weber (Wien) wird über die Alte Geschichte im Oberstufenunterricht sprechen.

Anschließend soll eine umfassende Diskussion stattfinden. Um diese Diskussion, die auch weitere den Geschichtsunterricht betreffende Punkte aufnehmen wird, im Vorfeld zu strukturieren, haben wir im vorbereitenden Arbeitskreis ein Thesenpapier erarbeitet, das die Position der Veranstalter erkennen lässt. Damit die Möglichkeit besteht, sich vorab darauf einzustellen, ist das Papier im Anhang beigefügt.

 

Wer nicht zum Historikertag fahren will, möchte evtl. an einer der landesverbandsinternen Tagungen teilnehmen, auf die im letzten Rundbrief bereits hingewiesen wurde. Zunächst soll daher die aktuelle Tagungsübersicht für die von uns gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Politologenverband durchgeführte Tagung ?Die Zukunft der Erinnerung? vorgestellt werden. Sie findet am 5. September im Haus der Region in Hannover, Hildesheimer Straße, statt. Die Zahl der Anmeldungen könnte noch gesteigert werden. Ich verweise darauf, dass Sie für die Teilnahme an dieser Tagung die Reisekosten über das Ministerium erstattet bekommen.

 

Im Anschluss an die Helmstedter Universitätstage findet am 28. und 29. September die Tagung des Niedersächsischen Geschichtslehrerverbandes zum Thema ?Grenz-Räume? statt. Auch auf diese Tagung, die dankenswerter Weise von unserer Regionalbeauftragten für Braunschweig, Frau Dr. Mätzing, vorbereitet wurde, wurde im letzten Rundbrief ausführlich hingewiesen. Inzwischen stehen die Hauptreferenten und ihre Themenformulierungen fest:

Herr Prof. Brunner (Bundeswehr-Hochschule München) wird sich, wie schon mitgeteilt, mit Fälschungen und Verfälschungen von Karten beschäftigen. Frau Dr. Christina Böttcher (Universität Halle-Wittenberg) spricht über ?Die deutsch-deutsche Grenze auf Geschichtskarten ? didaktische Überlegungen zur Karteninterpretation?. Anhand von aktuellen Schulgeschichtskarten (Schulgeschichtsatlanten, Textkarten in Geschichtslehrbüchern) möglicherweise auch historischen Karten der Jahre vor 1989 (Wanderkarten, Autokarten u.ä.) sollen Aspekte der Kartengestaltung und Nutzung thematisiert werden. Erörtert werden soll, wie man durch Karteninterpretation und mediale Arrangements differenzierte Einblicke in die Vielschichtigkeit von historischen Räumen, Strukturen und Prozessen gewinnen kann.

 

Wir werden direkt nach den Sommerferien noch eine ausführlichere Einladung zu dieser Tagung versenden.

 

Die Kerncurricula liegen jetzt in der Landtagsfassung vor. Wie man hört, gibt es von Seiten des Landtags keinerlei kritische Anfragen, so dass das Lehrplanwerk ohne Beanstandung durchgehen und zum 1. August in Kraft gesetzt werden kann.

Noch vor den Sommerferien beginnen die Fortbildungen für die sog. Multiplikatoren. Diese Kolleginnen und Kollegen werden darauf vorbereitet, die Fachkonferenzen über das neue Kerncurriculum zu informieren und die Besonderheiten des Umgangs mit diesen Vorgaben mit den Geschichtslehrer(innen) zu diskutieren. Dies soll im kommenden Schuljahr auch an Ihrer Schule stattfinden.

 

Vorerst aber wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen einen erfolgreichen Abschluss des Schuljahrs 2007/08 und wünsche allen, dass die wohlverdienten Sommerferien Erholung und neue Kräfte bringen.

 

Mit besten Grüßen 

 

Martin Stupperich

 

 

 

Anhang

 

 

02.05.08/ Arbeitsgemeinschaft Bildungsstandards im VGD

 

 

Thesenpapier

für die Sonderveranstaltung des VGD auf dem

Historikertag Dresden 2008

 

 

 

  1. Die ?Entrümpelungs?-Debatte des Frühjahrs 2008 hat verschiedene Hintergründe: Angestoßen wurde sie durch die aktuelle Debatte um das G8. Angeschlossen hat sich eine Mediendebatte über Schule heute generell in die zahlreiche frustrationsbedingte Vorbehalte vor allem gegen die gestrige Schule einflossen. Politisch ist die Kürzungsdebatte vom Spardiktat bestimmt. Das Ergebnis werden massive Stundenkürzungen und die Hinwendung zum Integrationsfach sein. Damit ist dem Fach Geschichte keinesfalls gedient. Für die Weiterentwicklung der Fachlehrpläne bietet diese Debatte keine sinnvolle Orientierung.

 

  1. Das Eingehen auf die verbreiteten Kürzungs- und ?Entrümpelungs?-Forderungen bedeutete das Eingeständnis, ?Gerümpel?, d.h. leichthin verzichtbare und überflüssige Inhalte, unterrichtet zu haben. Die Beschränkung auf wenige inhaltliche Stichpunkte (Beispiel NRW) würde die eigentliche inhaltliche Lehrplanarbeit in die Hände der Schulbuchautoren und Verlage legen. Eine Straffung des mit den Bildungsstandards des VGD vorgelegten Papiers kann sich nur an Überlegungen orientieren, die auf konkreten Erfahrungen mit heutigen Schülerinnen und Schülern einerseits und sorgfältigen Überlegungen zur fachlichen Legitimation von Inhalten andererseits beruhen. Die Überarbeitung der Bildungsstandards des Geschichtslehrerverbandes muss unter der Zielsetzung einer Niveau- und Bestandssicherung des Faches und ausgehend von der Praxis der Fachkollegenschaft in Aufnahme neuer Inhaltsbereiche (deutsch-jüdische Geschichte, Frauengeschichte, Islamgeschichte, deutsch-polnische Geschichte) so erfolgen, dass ein fundierter Oberstufenunterricht ermöglicht wird.

 

  1. Geschichte ist ein Denkfach. Daher ist ein wichtiger Schritt der Überarbeitung der Bildungsstandards des Geschichtslehrerverbandes die Einordnung des Abschnitts Sachkompetenz hinter den Abschnitt Deutungs- und Reflexionskompetenz. Damit wird verdeutlicht, dass das Fach und die Ziele des praktischen Unterrichts auf die Schulung des problemlösenden Denkens auszurichten sind. Dies setzt Unterrichtszeit voraus, die lt. Mainzer Erklärung des Geschichtslehrerverbandes von 2005 2 Wochenstunden pro Jahrgangsstufe in mindestens 4 Jahrgängen betragen muss.

 

  1. Es wäre ein Missverständnis des Kompetenzbegriffs, ihn ausschließlich als Methodenbeherrschung zu verstehen, der gegenüber die Inhalte Angebotscharakter haben. Die Inhalte sind für den Geschichtsunterricht nach wie vor konstitutiv. Geschichtsbewusstsein (Historische Kompetenz) erwächst aus dem Erwerb von Deutungs- und Reflexionskompetenz durch den Erwerb angemessener inhaltlicher Kenntnisse (Sachkompetenz) auf der Grundlage von Methodenkompetenz. Einer Beliebigkeit der Inhalte kann nicht das Wort geredet werden. Diese würde die auf Zusammenhangsdenken ausgerichtete innere Struktur des Faches Geschichte zerstören.

 

  1. Zeitbewusstsein ist für das Geschichtsbewusstsein konstitutiv. Daher ist das chronologische Prinzip als Leitfaden für den Mittelstufenunterricht unverzichtbar. Der Oberstufenunterricht baut auf dem chronologischen Orientierungswissen auf, benötigt die Chronologie jedoch nicht mehr als Leitfaden der inhaltlichen Planung.

 

  1. Lernprogression im Fach Geschichte erfolgt in Spiralen. Die Wiederaufnahme von Inhalten in neuen Zusammenhängen benötigt die Rückkopplung an einen Referenzrahmen, der z.B. als Epochenschema erarbeitet werden kann. Nur so kann Nachhaltigkeit im Geschichtsunterricht erzeugt werden.

 

  1. Langfristiges Ziel der Unterrichtsarbeit des Gymnasiums ist die Studierfähigkeit der Schülerinnen und Schüler.  Daher orientieren sich die Bildungsstandards am gehobenen Leistungsniveau. Das Fach Geschichte ist in den Oberstufenverordnungen als eigenständiges, belegungs- und einbringungspflichtiges sowie in der Abiturprüfung gesetztes Fach abzusichern (s. Mainzer Erklärung des Geschichtslehrerverbandes von 2005, Nr. 5). Dem entspricht die notwendige wissenschaftliche Verortung des Faches Geschichte in der Lehrerbildung an den Universitäten auch im Rahmen des Bologna-Prozesses (Mainzer Erklärung, Nr. 6).

 

Es ist das Ziel des Verbandes, dass auch die anderen weiterführenden Schulformen einen eigenständigen und qualitativ guten Geschichtsunterricht bewahren oder wieder aufbauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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