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2008.02: Rundbrief März 2008

Rundbrief März 2008

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

leider mussten wir den Versand des Februar-Rundbriefs stoppen, weil zentrale Informationen durch die Verschiebung der Gedenkstättentagung (s.u.) nicht mehr aktuell waren. Der vorliegende Brief nimmt die weiterhin gültigen Nachrichten auf und ergänzt sie durch neue Mitteilungen. Die Empfänger des E-mail-Briefs mögen die Wiederholung einiger Nachrichten entschuldigen.

 

Alle, die den Vorgang der Wahlen zum Geschäftsführenden und zum Erweiterten Landesverbandsvorstand auf der letzten Mitgliederversammlung am 3. Dezember 2007 mit­erlebt haben, wissen, dass dem Geschäftsführenden Vorstand die Auflage gemacht wurde, binnen Jahresfrist einen neuen Schatzmeister zu präsentieren. Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass Herr Zihn aus Oldenburg bereit ist, das Amt (wieder) zu übernehmen. Herr Zihn hat in der Sache große Erfahrung, da er bereits für mehrere Jahre Schatzmeister unseres Verbandes gewesen ist. Er hat das Amt kommissarisch übernommen und wird auf der nächsten Mitgliederversammlung für diesen Posten offiziell kandidieren.

 

Für alle, die inzwischen neu in den Verband eingetreten sind, aber auch für diejenigen, die inzwischen möglicherweise die Übersicht ein wenig verloren haben, sei hier die im Augenblick gültige Liste der Mitglieder des GV (Geschäftsführender Vorstand) und des EV (Erweiterter Vorstand) des Landesverbandes vorgestellt.

 

Geschäftsführender Vorstand:

  1. Vorsitzender: Dr. Martin Stupperich, Hannover,
  2. Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Wieland Sachse, Göttingen
  3. Schatzmeister: Werner Zihn, Olden­burg (kommissarisch)
  4. Schriftführer: Dr. Johannes Heinßen, Stade

 

Erweiterter Vorstand:

  1. die Mitglieder des GV
  2. die Regionalbeauftragten:

 

-          Region Hannover: Frau Dr. Inge Hanslik, Isernhagen

-          Region Braunschweig: Frau Dr. Heike Mätzing, Braunschweig

-          Region Oldenburg/Ostfriesland: Herr Dr. Klaus Schaap, Oldenburg

-          Region Osnabrück: Herr Thomas Grove, Melle

-          Region Grafschaft Bentheim/südliches Emsland: Herr Marcus Pfeiffer, Neuenhaus

-          Region Lüneburg: Frau Barbara Reichert, Lüneburg

-          Region Stade: Herr Dr. Johannes Heinßen (s.o.)

-          Region Göttingen: Herr Dr. Wieland Sachse (s.o.)

 

Außerdem nimmt die Vorsitzende der Henning von Burgsdorff-Stiftung, Frau Brigitte Netzel, einen Sitz im EV ein.

 

Auf der Mitgliederversammlung ebenso wie im letzten Rundbrief wurde noch mitgeteilt, die Frühjahrstagung unseres Verbandes finde im April in Braunschweig statt. Leider sind wir genötigt, diese Aussage zu korrigieren. Diese Tagung in Braunschweig kann leider zunächst nicht stattfinden, da der Vorsitzende kürzlich von der Schulbehörde mit der Übernahme des Prüfungsvorsitzes bei den Referendarsprüfungen beauftragt wurde. Dies ist, wenn man alle damit zusammenhängenden Examenslehrproben und mündlichen Prü­fungen zusammen­nimmt, eine Menge Arbeit. Darüber Hinausreichendes ist in den Prüfungsphasen dieses Frühjahrs nicht mehr leistbar! Aus diesem Grunde sollte die ursprünglich geplante Februar-Tagung in Celle zum Thema Er­innerung zugleich unsere Frühjahrstagung sein! Die Einladung und die Verlaufsplanung waren in der E-Mail-Fassung des Februar-Rundbriefs bereits veröffentlicht. Unser Verband hatte diese Tagung gemeinsam mit dem Kultusministerium, dem Volksbund Deut­sche Kriegsgräberfürsorge und dem Polito­logenverband geplant und vorbereitet. Wir hatten wieder mehrere Schulbuchverlage eingeladen, die mit ihren Neuerscheinungen nach Celle kommen wollten. Die Einladungen müssen in Ihren Schulen auch bereits angekommen sein. Da es jedoch nach Auffassung des Ministeriums und einiger beteiligter Verbände zu wenig Anmeldungen gab, wurde die Tagung kurzfristig abgesagt. Inzwischen ist ein neuer Termin festgelegt worden, allerdings erst nach den Sommerferien: Die Tagung zum Thema Erinnerung soll nunmehr am 5. September 2007 stattfinden. Der konkrete Tagungsablauf wird im nächsten Rundbrief bekannt gegeben.

 

Das Problem, dem sich die Tagung widmen möchte, wird durch die Tatsache gekenn­zeichnet, dass sich die Schülerschaft nicht nur in den Sek.I-Schulen, sondern zeitversetzt auch in den Gymnasien nachhaltig verändert hat. Ein stetig wachsender Anteil der Schülerinnen und Schüler weist einen Migrationshintergrund auf und bezieht seine Identität aus außereuropäischen, zumindest aber aus außerdeutschen religiösen und nationalen Identifikationsangeboten. Hier auf eine Kollektivscham (Theodor Heuss) oder zumindest auf eine kollektive Verantwortung der Deutschen zu verweisen, stößt bei dieser Klientel in stärkerem Maße noch als bei den im Lande geborenen deutschen Jugendlichen auf Vorbehalte. Bisweilen gibt es heftige Gegen­reaktionen, die in muslimischen Kreisen meist aus Voreinstellungen stammen, die in der Familie gepflegt werden.

Wie geht man mit einem Jugendlichen z.B. aus dem Libanon um, der bei einem Klassen­besuch im ehemaligen KZ seinem Judenhass bis hin zur Störung der Totenruhe freien Lauf lässt? Genügt hier lediglich der Schulverweis? Und was ist zu tun angesichts der Tatsache, dass es sich hier vermutlich nur um die Spitze des Eisbergs handelt?

In gleicher Weise bedeutsam ist die Frage der Erinnerungskultur und eines angemessenen Gedenkens auf dem Hintergrund des Rechts­radikalismus von Jugendlichen. Kann sich die Demokratie diese wachsenden zentrifugalen Kräfte eigentlich leisten?

 

Es soll darüber hinaus auch um die Opfer von Krieg und Gewalt generell gehen, denn auch sie haben es verdient, dass ihrer in an­ge­messener Weise gedacht wird. Ein Gemein­wesen kann nach einer kriegerischen Katastrophe, die in der Summe über 50 Millionen Menschen das Leben kostete, nicht zur Tagesordnung übergehen. Wie aber gedenkt man in angemessener Form und so, dass die Bereitwilligkeit der Adressaten, sich an diesem Gedenken zu beteiligen, geweckt und nicht geradezu verhindert wird?

So erklärt sich der Titel der Fachtagung: ?Die Zukunft der Erinnerung ? Geschichts- und Politikunterricht vor neuen Heraus­forderun­gen?. Wie also wird die durch den Unterricht vermittelte Erinnerungsarbeit und Gedenk­kultur in Zukunft aussehen müssen? Ich verweise in diesem Zusammenhang darauf, dass der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands für eine thematisch ähnliche Tagung im vergangenen Jahr, die von der KMK in Zusammenarbeit mit der Bundes­zentrale für Politische Bildung am 23./24. April 2007 in Berlin veranstaltet wurde, ein Thesenpapier veröffentlicht hat, das eine erste Leitlinie sein kann (s. Anlage). Die Tagung trug den Titel ?Holocaust und Nationalsozialismus im Unterricht ? Überlegungen zu einer zeit­gemäßen Vermittlung?. (Die Vorstands­mit­glieder erinnern sich daran, dass es um die erste Fassung der Thesen eine heftige Auseinandersetzung gab. Es wurde dann eine völlige Neufassung für die Berliner Tagung erarbeitet und dort vorgestellt.)

 

Nun zu anderen geplanten Tagungen:

Eine Regionaltagung zum Thema Schule und Archiv hat unser Regionalbeauftragter Herr Grove  am 3. April 2008 um 15.00 Uhr im Staatsarchiv Osnabrück, Schloßstr. 29, organisiert. Die Referentin, Frau Dr. Birgit Kehne, ist Leiterin des Staatsarchivs Osnabrück. Sie wird zunächst durch das Archiv führen, um anschließend über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Schule bzw. Geschichtslehrern und Archiv zu berichten. Diese Möglichkeiten könnten insbesondere auch für Facharbeiten im Rahmen des Seminarfachs genutzt werden. Aber auch Wettbewerbsarbeiten oder Referate können auf der Grundlage von Quellen zur Geschichte angefertigt werden. Interessenten melden sich möglichst bald bei Herrn Thomas Grove (Gymnasium Melle), E-mail: tgrove@osnanet.de.

 

Zwei wichtige Tagungen werden sich Ende September/Anfang Oktober gegenseitig Konkurrenz machen: Der Historikertag in Dresden (30.09. bis 03.10.08) und die Helmstedter Universitätstage, die für unseren Verband im vergangenen Jahr zum ersten Mal erfolgreich mit einer eigenen Tagung begleitet wurden. Die Universitätstage finden am 26. und 27. September zum Thema ?Mythos 1968? statt. Die Tagung unseres Verbandes würde sich wie im vergangenen Jahr am Sonntag und Montag (28./29. September) anschließen. Wie im vergangenen Jahr wären auch diesmal unterschiedliche Buchungen notwendig. Die Hotelunterkunft würde durch Sponsoren in einem erschwinglichen Rahmen gehalten. Die Geschichtslehrertagung wird sich ein eigenes Thema geben, über das noch beraten wird. Die Einladungen erfolgen rechtzeitig.

 

Die Mitgliederversammlung am 3. Dezember hat nach entsprechenden Nachbesserungen beschlossen, dass die neue Bundeszeitschrift, in der sowohl die ?Informationen? als auch die Zeitschrift GPD (Geschichte, Politik und ihre Didaktik) aufgegangen sind, als neue Zeitschrift des Landesverbandes abonniert wird. Die Zeitschrift erscheint viermal im Jahr. Alle Mitglieder werden die Zeitschrift regelmäßig erhalten. Eine Sondernummer wird zum Historikertag erscheinen. Danach wird vermutlich beginnend im Januar 2009 die Belieferung mit den Vierteljahresheften beginnen.

 

Über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für das von unserem Verband angeregte ?Haus der Geschichte des Landes Niedersachsen? hatte ich mich brieflich Anfang Februar beim Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur erkundigt, nachdem im Sommer des Vorjahrs ein Gespräch mit dem Minister stattgefunden hatte. Mit Datum vom 26. Februar 2008 schrieb Herr Minister Stratmann zurück. Er verwies darauf, dass mit den Plänen zum Wiederaufbau des Herrenhäuser Schlosses die innerstädtische Museumslandschaft sich neuen Gegebenheiten anpassen müsse. Deshalb werde in diesem Jahr ein Expertengespräch zur Neuordnung der Museumslandschaft Hannover gemeinsam von Stadt und Land initiiert. Dieses Verfahren habe sich in den Städten Braunschweig, Oldenburg und Lüneburg bewährt. Damit drückte der Minister aus, dass eine neue Entwicklung die zügige Ausarbeitung eines Konzepts für das Haus der Geschichte verzögert habe, ohne dies direkt auszusprechen. Er fuhr fort: ?Für Sie sind die oft sehr langen Abstimmungsnotwendigkeiten sicherlich frustrierend, aber ich versichere Ihnen, dass ich weiterhin die Etablierung einer umfassenden musealen Darstellung der Geschichte des Landes Niedersachsen verfolgen werde.? Es werde eine enge Kooperation mit der Stadt Hannover notwendig sein, um das Haus der Geschichte im Historischen Museum der Landeshauptstadt zu verwirklichen.

 

 

Zum Schluss noch zwei kurze Hinweise:

  1. Bitte denken Sie an die Benennung von Delegierten aus den Regionen für den Historikertag in Dresden! Wir werden für die endgültige Bestimmung der Delegierten eine eigene Mitgliederversammlung benötigen, weil es die Satzung so erfordert. Im Rahmen der letzten Mitgliederversammlung am 3. Dezember 07 war es nicht möglich, die Posten zu besetzen.
  2. Der Entwurf des niedersächsischen Kerncurriculums für das Fach Geschichte befindet sich in der Anhörung.

 

 

Mit besten Grüßen und allen guten Wünschen für ein gelungenes zweites Halbjahr

 

 

Dr. Martin Stupperich, 1. Vors. LV Niedersachsen

Dr. Wieland Sachse, Stellv. Vors., LV Niedersachsen

 



 

 

Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V.

VGD-Landesvorsitzende Berlin, Hessen, Vertreter Mecklenburg-Vorpommern

Herr R. Ballof, Vorsitzender der VGD-Arbeitsgruppe zur deutsch-jüdischen Geschichte

 

Thesen

zu einer zeitgemäßen Behandlung der deutsch-jüdischen Geschichte
im Unterricht

 

(vorgetragen auf der Tagung:

?Holocaust und Nationalsozialismus im Unterricht ? Überlegungen zu einer zeitgemäßen Vermittlung?, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland/KMK am 23. und 24.April 2007 in Berlin)

 

Aufgabe der heute pädagogische Verantwortung tragenden Generation ist es, das Gedenken an die deutsch-jüdische Geschichte einschließlich der Verbrechen im Dritten Reich als Teil der deutschen Geschichte für künftige Generationen wach zu halten. Dazu ist die Entwicklung eines pädagogischen Konzepts erforderlich, das in der Erinnerung an die Vergangenheit gegenwartsbezogen und zukunftsweisend den Jugendlichen den Zugang zu dieser Problematik ermöglicht und nahe legt. Darum bemüht sich eine Arbeitsgruppe des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands.

 

1. Heutige Jugendliche haben aus Neugier und  vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Lebenssituation eigene Fragen an diesen Abschnitt deutscher Geschichte.

 

2. Eine Fokussierung der deutsch-jüdischen Geschichte auf die Themenbereiche Verfolgung und Holocaust fasst die deutsch-jüdischen Beziehungen zu eng. Dementsprechend sollte das Verhältnis von Juden und Nichtjuden über diese Themenbereiche hinaus im Kontext der deutschen, der europäischen und der Weltgeschichte betrachtet werden.

 

3. Dabei sind ethisch-moralische Wertungen auf der Basis der Unterscheidung von Sach- und Werturteil unerlässlich.

 

4. Das hier vorgeschlagene Konzept einer integrierten deutsch-jüdischen Geschichte stellt folgende Aspekte in den Vordergrund:

4.1 Die Juden waren im Verlauf der Geschichte nicht nur Objekte, Verfolgte und Opfer, sondern auch Subjekte, aktive Bürger und kreative Mitgestalter von Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Mitteleuropa.

4.2 Die Eigenentwicklung in der jüdischen Welt wird differenziert betrachtet.

4.3 Die unterschiedlichen Erscheinungsformen jüdischen Lebens zwischen Integration und Auseinandersetzung werden untersucht.

4.4 Der ungeheure Zivilisationsbruch in Deutschland, der Millionen von Menschen das Leben gekostet und Werte unwiederbringlich zerstört hat, wird sichtbar gemacht.

4.5  Aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit ?Holocaust? werden Gegenwartsbezüge und Zukunftsorientierungen entwickelt, insbesondere für den Umgang mit Minderheiten.

 

5. Zugänge, Dauer und Intensität der Behandlung der Thematik in der Schule müssen den Lerngruppen angemessen sein, um Abwehr-Reaktionen der Jugendlichen zu vermeiden.

 

6. Ein eigenes Fach, etwa im Sinne einer ?Holocaust education?, ist nicht erforderlich.

 

 

 

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