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2007.02: Rundbrief Mai 2007

Hier finden Sie den kompletten Rundbrief mit Bildern und Anhang als PDF-Datei!

 


Rundbrief

 

 

Mai 2007

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

rechtzeitig vor der Schlussrunde in diesem Schuljahr soll dieser Rundbrief Sie noch erreichen, um Sie über Geschehenes und noch Kommendes zu informieren.

 

Unsere Frühjahrstagung in Aurich, die wir im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft abhalten konnten, war stark besucht und verlief sehr erfolgreich. Nicht zuletzt die engagierte und umsichtige Vorbereitung durch unser ostfriesisches Verbandsmitglied Friedemann Rast aus Aurich hat diesen Erfolg möglich gemacht. Ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Zum Ablauf der Tagung über Bildungs­standards, ein Abiturthema und das neue Seminarfach beachten Sie bitte das ausführliche Protokoll unseres Schriftführers, Herrn Dr. Heinßen, das Sie bereits jetzt auf der Homepage unseres Landesverbandes lesen können, bevor es zum nächsten Termin in unserer Verbandszeitschrift erscheint. Im Anhang dieses Rundbriefes finden Sie eine Darstellung der Leitlinien des niederländischen Lehrplankonzeptes, das in Aurich vorgetragen wurde.

 

Die Gespräche über die Lehrplangestaltung in Deutschland, speziell in Niedersachsen, im Vergleich zur niederländischen Praxis, die bei diesem Treffen in Aurich im Zentrum stand, haben die anwesenden Mitglieder der Kerncurriculum­kommission nicht unbeeindruckt gelassen. Die weiteren Verhandlungen über die Gestaltung des niedersächsischen Kerncurriculums für Geschichte werden die Anregungen aufnehmen.

Die häufig vorgetragene Forderung der Straffung des Inhaltsbereichs ist nach den letzten Erfahrungen allerdings leichter gestellt als umgesetzt, denn nach wie vor werden dem Verband gegenüber aus der Öffentlichkeit von Seiten verschiedener gesellschaftlicher Gruppen oder Institutionen Forderungen nach Ergänzung, und das heißt Erweiterung, vorgetragen. So wurde z.B. von Seiten der Schulbuchkommission beim Leo-Baeck-Institut in Berlin und in ähnlicher Weise vom Georg-Eckert-Institut in Braunschweig darum gebeten, die Geschichte der Juden in Deutschland und Europa über den Verfolgungsaspekt hinaus breiter darzustellen und somit für den Unterricht verpflichtend zu machen. Diesen Forderungen kann sich die Kommission nicht verschließen. Beide Richtungen, Straffung und Ergänzung, unter einen Hut zu bringen, wird nicht leicht sein.

 

An dieser Stelle möchten wir noch einmal ausdrücklich all jenen Fachkonferenzen danken, die sich fast alle große Mühe mit der Erstellung einer ausführlichen Stellungnahme zu den Bildungsstandards des VGD gemacht haben. Der Arbeitskreis Bildungsstandards wird und hat bereits z.T. diese Anregungen diskutiert und über Möglichkeiten der Umsetzung beraten.

 

Die Fortbildungsarbeit unseres Landesverbandes wird auch nach der Aurich-Tagung fortgesetzt. Als nächstes bieten die Osnabrücker wieder eine Fortbildung zum Thema ?Imperialismus ? Expansion im Industriezeitalter? an. Diese Tagung findet am 6. Juni 2007 im Gymnasium Melle in der Zeit von 15.00 bis 18.00 Uhr statt. Es wird anhand von Referaten ausgewiesener Schulbuchautoren ein Weg gewiesen, wie die Vorgaben des Ministeriums zu diesem Zentralabiturthema umgesetzt werden können. Die Leitung liegt bei unserem Kollegen Thomas Grove, der auch die Anmeldungen entgegennimmt: tgrove@osnanet.de , oder über das Gymnasium Melle, Gröneberger Str. 41, 49324 Melle.

 

Im letzten Rundbrief war die Rede davon, dass einige Regionen noch verbandsmäßigen Auftrieb erhalten sollten. Es soll daher wie erwähnt die nächste Frühjahrstagung in Braunschweig stattfinden. Zuvor aber werden am 28./29. September die Helmstedter Universitätstage abgehalten. Im unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Tagung zum Thema ?Umstrittene Erinnerung? wird eine didaktische Tagung unseres Verbandes durchgeführt, an der Sie teilnehmen können. Sponsorengelder durch die Stiftung Aufarbeitung dafür sind bereits zugesagt worden, so dass sich die mit der Tagung verbundenen Aufwendungen in Grenzen halten werden. Diese didaktische Tagung wird den auf das Wochenende folgenden Montag noch mit einbeziehen. Sie erhalten demnächst eine gesonderte Einladung zu dieser Veranstaltung.

 

Die jährliche Zentraltagung unseres Verbandes findet auch in diesem Jahr wieder im Historischen Museum in Hannover statt. Wir bleiben beim Novembertermin. Spätestens im September werden die Einladungen dazu verschickt.

 

Am Mittwoch, dem 9. Mai, fand die Preisverleihung des Schülerwettbewerbs des Niedersächsischen Landtags im Plenarsaal statt. Unser Verband hatte den Wettbewerb gemeinsam mit n-21 mitgetragen und daher war der Vorsitzende des Landesverbandes mit einer Laudatio an der Preisverleihung, die der Landtagspräsident vornahm, beteiligt. Auch die Jury, die aus Mitgliedern des Landtagspräsidiums, des Geschichtslehrerverbandes und der Historischen Kommission beim Landtagspräsidenten bestand, war anwesend. Die Wettbewerbs­arbeiten waren in der Portikushalle ausgestellt und konnten von den Abgeordneten, aber auch von den Preisträgern selbst in Augenschein genommen werden. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um preisgekrönte Arbeiten handelte. Alle Beiträge waren insgesamt so gut, dass sie es verdient hatten, im Niedersächsischen Landtag der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Den Abschluss der Feier bildete ein gemeinsames festliches Essen mit allen Preisträgern im Leineschlossrestaurant.

 

Folgende 10 Schulen haben gewonnen:

 

1. Benediktschule Visbeck (Realschule) ? 3.000,-- ? Preisgeld

2. Gymnasium Munster ? 2.000,-- ? Preisgeld

3. Neue Oberschule Braunschweig ? 1.000,-- ? Preisgeld

 

Weitere Preisträger sind:

- Goethegymnasium Hildesheim

- Gymnasium Warstade

- Altes Gymnasium Oldenburg

- Realschule Calberlah

- Haupt- und Realschule Twistringen

- Hauptschule Visselhövede

- Inselschule Wangerooge (Förderschule)

Diese Schulen erhalten ein Preisgeld von je 500 ?.

 

Auch mit dem Hauptstaatsarchiv Hannover hat sich eine Zusammenarbeit angebahnt: Das Archiv lädt ein zu einer Lehrerfortbildungsveranstaltung an einem Nachmittag im Juni, deren genauer Termin noch festgelegt wird, sobald feststeht, dass eine ausreichend große Anzahl von Kolleginnen und Kollegen teilnehmen will. Es soll um Möglichkeiten der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern im Archiv gehen, sei es aus Gründen der Erstellung einer Facharbeit oder im Zusammenhang mit einer Arbeitsgemeinschaft oder einem Wahlpflichtkurs. Daher bitte ich noch einmal darum, dass alle, die sich über die Zusammenarbeit zwischen Schule und Archiv informieren wollen, zunächst unverbindlich ihr Interesse bis zum 15. Mai der Verbandsleitung bekannt geben. Mail- oder Fax-Adresse s. o.

 

 

Vorerst grüßen vielmals mit allen guten Wünschen für das letzte Quartal in diesem Schuljahr

 

Dr. Martin Stupperich, 1. Vors.                                 Dr. Wieland Sachse, 2. Vors. 


28. April 2007/Stupperich

 

Das Konzept der De Rooy?Kommission in den Niederlanden

 

Hintergrund der Tätigkeit der De Rooy?Kommission ist die Debatte in den Niederlanden über die Notwendigkeit der Verbesserung des geschichtlichen Wissens der Jugend. Da diese Diskussion sich rasch unversöhnlich einander gegenüber stehende Fraktionen erzeugte (Position A: Nationalhistorische Identitätsbildung, Position B: Keine festen Inhalte, sondern Methoden und Einübung von Kritikfähigkeit), bildete die De Rooy-Kommission eine gegenüber beiden Seiten kritische Position der Orientierungsfähigkeit in der Geschichte aus.

 

Begründung des Konzepts historischer Orientierungsfähigkeit:

1.       Jede fachspezifische Kompetenz basiert auf der Fähigkeit, sich in der Geschichte zu orientieren.

2.       Ein Geschichtsbewusstsein auf der Basis eines Orientierungswissens ist nicht mit Faktenkenntnissen gleichzusetzen, sondern eine Verbindung von Kenntnissen, Einsichten und fachspezifischen Methodenkompetenzen.

3.       Schülerinnen und Schüler benötigen die Erfahrung einer inneren Kohärenz der Lernprozesse über die Schuljahre und Lehrkräfte hinweg nicht nur auf methodologischem, sondern auch auf inhaltlichem Gebiet.

4.       Ohne einen verbindlichen Grundstock von historischem Orientierungswissen können nach Auffassung der Kommission weder chronologische, noch themenzentrierte Curricula die für den Lernzuwachs notwendigen übergreifenden Zusammenhänge herstellen.

 

Für die meisten deutschen Geschichtsdidaktiker irritierend knüpft die De Rooy-Kommission das ?Geschichtsbewusstsein? (historisch besef) an

1.       chronologisches Bewusstsein

2.       fachspezifische Kompetenzen und Methoden/Zugangsweisen

3.       historisches Orientierungswissen

 

Die Kommission entwarf für die schulische Praxis zur inhaltlichen Ausgestaltung des Orientierungswissens das 10-Epochenschema, im Blick auf seine Funktion auch als Referenzrahmen bezeichnet.

 

Es handelt sich nicht um ein deduktiv abzuarbeitendes Schema, sondern um ein Instrument der Rückbindung des konkreten Unterrichtsstoffs an spezifische, kennzeichnende Epochenmerkmale, die stets auch parallele Epochenerscheinungen ins Gedächtnis rufen und zum epocheninternen Vergleich auffordern sollen. Zum Beispiel wird die zunächst nationalhistorisch betrachtete Gestalt des Erasmus von Rotterdam damit eingebaut in den Zusammenhang der Epoche der Entdecker und Reformatoren und reicht so in die europäische und Weltgeschichte hinein. Es werden die Beziehungen zu den Themen Unabhängigkeitsbewegung der Niederlande, Spaltung der christlichen Kirche Europas und Wandel des Welt ? und Menschenbildes der Renaissance erarbeitet.

Das Epochenkonzept mit seinen Merkmalen soll also begriffliche Inseln im für Schüler unübersichtlichen Meer historischer Detailinformationen schaffen.

 

Die Unterrichtspraxis sieht nach diesem Modell folgende Bereiche vor:

1.       Domäne A: Erarbeitung der 10 Epochen mit Lernzielen aus den Bereichen chronologisches Bewusstsein und fachspezifische Kompetenzen (Zugangsweisen/Methoden)

2.       Domäne B: Längsschnittthemen und ?praktische Studien?( Recherchen, Präsentationen), auch ?Fallstudien?. Dabei sind die in Domäne A erworbenen Kenntnisse anzuwenden.

 

Der Anteil der Domäne B steigt mit den Schulstufen:

Grundschule: 80% Domäne A

Orientierungsstufe 70% Domäne A

Gymnasiale Mittelstufe: 55% Domäne A (130 Stunden), 45% Domäne B (110 Stunden, in denen sieben ?diachronische Themen? erarbeitet werden sollen (aus einem Katalog von Wahlthemen)

Gymnasiale Oberstufe: 30% Domäne A, 70% Domäne B mit 10 diachronischen Themen.

 

Auf dem Abiturniveau verlangt das De Rooy-Konzept des historischen Orientierungswissens:

1.       Sichere Beherrschung des 10-Epochen-Konzepts als Referenzrahmen mit der Fähigkeit, jedes Epochenmerkmal mit mindestens einem selbstgewählten Beispiel erläutern zu können.

2.       Versiertheit im Gebrauch des historischen Orientierungswissens bei der Erschließung geschichtlicher Fragestellungen.

3.       Fähigkeit, ein gegebenes Fallbeispiel anhand der Epochenmerkmale diachron vergleichend zu reflektieren

4.       Einsicht in die Bedeutung der Kenntnis eines Epochenrasters für die historische Orientierung in der Gegenwart.

 

 

Stellungnahmen in den Niederlanden:

1.       Vertreter des nationalhistorischen Identitätskonzepts: Kritik daran, dass kein fester Katalog von Daten, Fakten und Namen vorgeschrieben wird.

2.       Vertreter einer linksorientierten Grundposition: Das Rad der Geschichte werde zurück gedreht und öffentlichem Druck nachgegeben. Die Aufgaben eines Geschichtsunterrichts in der Demokratie seien nicht Orientierungswissen, sondern Kompetenzentwicklung und Ausgehen von den Interessen, Fragen und lebensweltlichen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler.

3.       Befürworter des Konzepts im Grundsatz kritisierten die Epochenbenennungen.

 

Für die deutsche Diskussion bedenkenswerte Aspekte der niederländischen Debatte:

 

1.       Stellenwert eines Kanons geschichtlicher Inhalte

2.       Bedeutung des chronologischen Durchgangs gegenüber der Themenzentrierung für den fachspezifischen Lernprozess

3.       Die Rolle curricularer Verlässlichkeit und Planbarkeit des Geschichtsunterrichts angesichts des von Lehrerwechsel und Stundenausfällen gekennzeichneten Unterrichtsalltags

4.       Angemessene Mittel, um die Uferlosigkeit des Detailreichtums im Fach Geschichte zu steuern

5.       Rolle des Datenlernens im Vergleich zum Erwerb methodischer Kompetenzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
 Der Verbandsvorsitzende dankt dem niederländischen Referenten aus Amsterdam, Dr. Arie Wilschut, für seine Ausführungen. 
 Der Verbandsvorsitzende dankt dem niederländischen Referenten aus Amsterdam, Dr. Arie Wilschut, für seine Ausführungen. 
   
 

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