Startseite | HOMESitemap, SucheKontakt, eMail
Praxis Geschichte
Praxis Politik
Deutsch Unterricht
Praxis Englisch
 

2006.04: Rundbrief Dezember 2006

Den vorliegenden Rundbrief einschließlich des Protokolls der Mitgliederversammlung vom 9.11.2006 finden Sie als PDF-Datei HIER!

 

 

Rundbrief, Dezember 2006

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

schon neigt sich das Jahr 2006 wieder dem Ende zu. Auf unseren Tischen stapeln sich die Klausuren der letzten Wochen und einige stehen noch bevor. Manch einer nimmt die Korrekturen mit in die Weihnachtsferien. Dennoch wünschen wir Ihnen und uns einige Tage der Ruhe ?zwischen den Jahren? und nach Neujahr, um neue Kraft zu schöpfen nach den Anstrengungen der vergangenen Monate. Gelegenheiten zum Kraftschöpfen sind in den letzten Jahren immer dringender geworden, denn nie zuvor war in unserem Beruf die Arbeitsbelastung und die Arbeitsverdichtung so hoch wie heute. Es hängt kurz gesagt damit zusammen, dass die Schule in unserem Land die gleichen Ergebnisse wie in einigen Ländern des Auslands erzielen soll, ohne dass die gleichen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

 

Auch am Fach Geschichte geht diese Entwicklung nicht vorbei. Denn da in den entsprechenden Tests stets nur bestimmte Fächer im Mittelpunkt stehen, beobachten wir in allen Bundesländern eine Tendenz zur Zweiklassengesellschaft der Fächer: Hier die Langfächer und die Naturwissenschaften, dort der Rest der Fächer. Für die Ersteren wurden von der KMK Bildungsstandards verab­schiedet, für die Letzteren entfallen diese oder werden den Kultusbürokratien der Länder anheim gestellt.

 

Aus diesem Grunde haben sich die Landesverbände des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands geeinigt, einen eigenen Entwurf für Bildungsstandards Geschichte vorzulegen, von dem bereits in früheren Rundbriefen die Rede war und der jetzt im Wochenschau-Verlag erschienen ist. Der Landesverband Niedersachsen hatte die Federführung. Es war das Ziel, das Fach Geschichte als anspruchsvolles Fach und als ?Denkfach? zu bewahren und es davor zu schützen, in die Beliebigkeit oder gar Belanglosigkeit abgedrängt zu werden. Es sollte deutlich werden, dass Bildung im engeren Sinne ohne Geschichte nicht vorstellbar ist. Es sollte weiterhin deutlich werden, dass eine beliebige Kürzung an die Substanz des Faches gehen würde.

 

Es ist die Zielsetzung unseres Verbandes, auch wenn es für manche Bundesländer schon zu spät ist, nicht nur eine weitgehende Vereinheitlichung der Vorstellungen davon, was Geschichtsunterricht sei und beinhalten müsse, zu erreichen, sondern vor allem da, wo es noch möglich ist, eine Konsolidierung des Faches auf hohem Niveau zu erreichen. Daher haben wir die Bildungsstandards, die als Entwurf für das Gymnasium konzipiert wurden, zunächst allen Gymnasien in Niedersachsen zu Verfügung gestellt (Die Verbandsmitglieder müssen sich leider entgegen der ursprünglichen Planung aufgrund der Kassenlage mit der Internet-Ausfertigung zufrieden geben bzw. mussten ein Exemplar ? wenn auch verbilligt ? erwerben.). Zugleich haben sich mehrere Mitglieder der Verbandskommission, die den Entwurf erstellte, für die neu gebildete Kommission des Nds. Kultusministeriums für die Erstellung des Kerncurriculums Geschichte zur Verfügung gestellt. Dieses Kerncurriculum wird auf der Basis der vorliegenden Bildungsstandards erstellt werden. Ziel ist es, das Ergebnis bis zum Sommer 2007 vorzulegen.

 

Wie dringend eine Konsolidierung unseres Faches ist, zeigt der Umgang mit der Geschichte im Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo das Fach in der Sekundarstufe I auf lediglich drei Jahrgänge zurückgedrängt wurde, also massiv als Steinbruch herhalten musste. Ein derartiger Eingriff geht an die Substanz des Faches und sollte nicht toleriert werden. Die Bildungsstandards sind auf der Basis nordrhein-westfälischer Bedingungen nicht mehr zu erfüllen. Aus diesem Grunde hat unser niedersächsischer Landesverband die schon im letzten Rundbrief als Entwurf abgedruckte Resolution gegen einen drohenden Abbau der Geschichte in den Schulen durch seine Mitgliederversammlung beschlossen.

 

Die Mitgliederversammlung war Teil des Zentralen Tages des Geschichtslehrers am 9. November 2006 in Hannover. Wieder konnte der Verband im Historischen Museum tagen und das besondere Ambiente dieses Hauses genießen. Wieder waren um die 200 Tagungsteilnehmer nach Hannover gekom­men, die interessiert den Vorträgen folgten. Es ging sowohl um die Bildungsstandards als auch um einen der Thematischen Schwerpunkte für das Abitur 2008 (Imperialismus).

Finanziell wurden wir einmal mehr von der Henning von Burgsdorff Stiftung unterstützt, ohne deren Hilfe wir die Tagungen in dieser Regelmäßigkeit nicht finanzieren könnten. Wir sind auch sehr froh, dass die Burgsdorff-Stiftung in Person ihrer Vorsitzenden Frau Netzel, deren Ziel es ist, eine Kultur der Anerkennung engagierter Kolleginnen und Kollegen zu pflegen, erneut Preise für zwei gelungene Projekte sowie an eine Kollegin und einen Kollegen für ihr Lebenswerk verleihen konnte (Einzelheiten auf unserer Internetseite).

 

Zu den Vorträgen:

Prof. Dr. Michael Sauer (Göttingen) referierte über das Thema Kompetenzentwicklung im Geschichtsunterricht. Es ging also um das Kompetenzmodell, dass den Bildungs­stan­dards des Geschichtslehrer­ver­bandes zu­grunde liegt. Der Referent bezog sich auf die drei Großbereiche der Kompetenzentwicklung: auf die Sachkompetenz, die Deutungs- und Reflexionskompetenz sowie auf die Medien-/Methodenkompetenz. Er führte Beispiele zur Entfaltung dieser Kompetenzbereiche an. Sein Vortrag bestach durch den hohen Grad an Konkretheit, der den Zuhörern immer wieder die Möglichkeit gab, sich und ihren Unterricht mit dem Vorgetragenen zu identifizieren. Die im Foyer des Museums angebotenen Druckexemplare der Bildungsstandards gaben vielen im Publikum die Möglichkeit, dem Vortrag auf eigene Weise zu folgen.

 

Prof. Dr. Boris Barth (Konstanz) referierte über das Thema ?Imperialismus ? Europäische Expansion im Industriezeitalter?. In diesem Vortrag ging er mit einigen der bisher als wissenschaftliche Selbstverständlichkeiten transportierten Thesen ins Gericht, so z.B. mit der These, die Expansion sei aus primär wirtschaftlichen Interessen erfolgt; tatsächlich sei dieses Interesse sekundär hinzugetreten. Auch sei das Britische Empire nicht aufgrund systematischer politischer Planung, sondern eher aufgrund einer unterschiedlich bedingten Eigendynamik entstanden. Die Ausführungen über China und Japan gingen deutlich über das hinaus, was bislang im Unterricht der Sekundarstufen I und II vermittelt werden konnte.

 

Am Nachmittag referierte StD Wolfgang Münchenhagen (Tostedt) über das Thema Oberstufenaufsatz und Bildungsstandards. Er setzte sich für eine stärkere methodische Schulung des schriftlichen Arbeitens ein, da damit die Stringenz der Gedankenführung und die Lesbarkeit des Textes gefördert werde. Das wirke sich dann auch positiv auf den Korrekturaufwand aus.

 

Materialien zu den letzteren beiden Referaten sollen auf unserer Verbandshomepage ver­öffentlicht werden.

 

Die Tagung wurde abgeschlossen durch die traditionelle Mitgliederversammlung des Landes­verbandes, s. dazu das unten stehende Protokoll.

Zuvor hatte der Erweiterte Vorstand während eines Arbeitsessens in einem benachbarten Restaurant beschlossen, dass der Kreis der E-Mail-Adressaten, die den Rundbrief elektro­nisch entgegennehmen, aus Kosten­gründen möglichst vergrößert werden sollte. Es ergeht deshalb noch einmal eine Bitte, an die Adresse kontakt@vgd-nds.de etwa vorhandene E-mail-Adressen zu melden.

Der Vorstand sprach zudem die dringende Bitte aus, dass alle Referendare, die bislang Empfänger kostenloser Zeitschriften- und Rundbriefsendungen waren, sich, sofern sie jetzt in Amt und Würden sein sollten, am Einzugsverfahren für den Mitgliedsbeitrag beteiligen möchten (Ansprechpartner ist unser Schatzmeister Herr Robert Packeiser,  Hauffstr. 5, 30177 Hannover, E-mail: playpackeis@yahoo.de, Tel.: 0511/4599110,. Dieses Verfahren erübrigt aufwändige Mahn­verfahren.

Der Vorstand beschloss darüber hinaus, dass die nächste Frühjahrstagung in der 2. Aprilhälfte in Aurich/Ostfiesland stattfindet. Die Zentrale Tagung soll regelmäßig in jedem Jahr in Hannover veranstaltet werden. Im Frühjahr 2008 soll die Tagung in Braunschweig stattfinden.

 

Die Tagungen in einzelnen Regionen sollen wie bisher regelmäßig abgehalten werden. Die letzte Tagung dieser Art fand am 30. November in Oldenburg unter der Leitung von Herrn Dr. Klaus Schaap statt. Obwohl eine themengleiche erfolgreiche Tagung im Oktober in Osnabrück bereits abgelaufen war (Leitung: Herr Thomas Grove), kamen wieder viele Teilnehmer aus dem nordwestlichen Niedersachsen zusammen, um den Ausfüh­rungen von Frau Dr. Botermann, Göttingen, zu folgen.

Einen Vortrag des Vorsitzenden über die Bildungsstandards gab es am 24. November in Wildeshausen. Hier hatte der Klett-Verlag eingeladen.

 

Der Beschluss der Mitgliederversammlung, die umfangreichen Portokosten, die für Koope­rationsvorhaben mit dem Niedersäch­sischen Landtag anfallen, in Zukunft durch den Landtag finanzieren zu lassen, konnte im Gespräch mit der Landtagsverwaltung in unserem Sinne umgesetzt werden, d.h. der Landtag übernimmt die Kosten.

 

Nach wie vor wird an dem Vorhaben Haus der Geschichte des Landes Niedersachsen gearbeitet. Im Augenblick laufen Gespräche mit der Zielsetzung, die Landeshauptstadt in das Vorhaben einzubinden. In welcher Weise dies angesichts der knappen Kassen geschehen kann, wird sich zeigen müssen. Sobald sich konkrete Ergebnisse abzeichnen, wird im entsprechenden Rundbrief darüber berichtet werden. Immerhin ist es eine Initiative des Landesverbandes Niedersachsen des Geschichtslehrerverbandes (VGD). Daran sollte immer wieder erinnert werden.

 

Der Historikertag in Konstanz, der im letzten Rundbrief ausführlich angekündigt war, hat inzwischen stattgefunden. Als Delegierte fungierten außer den beiden Vorsitzenden diesmal Herr Dr. Schaap, Frau Merkentrup (beide Oldenburg) und Herr Gast (Barsinghausen). Im Rahmen einer eigenen Veranstaltung wurden die Bildungsstandards einem vollen Hörsaal vorgestellt. Auf dem Podium saßen die Autoren. Sie konnten dem Plenum kompetent Auskunft geben. Es gab ein sehr reges Interesse an den Bildungs­standards des Verbandes. Dass sie zu umfangreich seien, wurde durchaus nicht bemängelt. Hier zeigte sich, dass das Publikum sehr weitgehend aus Gymnasial­lehrern bestand, denn es ging in der Diskussion eher um Einzelheiten, die im Bereich der Sachkompetenz (Inhalte) noch zu ergänzen wären, als um Streichungen. Dennoch wird es entsprechende Konzepte auch für die anderen Schulformen geben müssen.

(Über weitere Veranstaltungen des VGD auf dem Historikertag in Konstanz lesen Sie HIER.)

 

Im Augenblick laufen Bemühungen des Bundesverbandes, den Landesverband Bremen erneut zu konstituieren. Zahlreiche Bremer sind allerdings im Landesverband Niedersachsen organisiert. Sollte die Neu­gründung Probleme bereiten, so ist grundsätzlich denkbar, dass der Landes­verband Niedersachsen Bremen einbeziehen und sich dann, ähnlich der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, entsprechend umbenennen kann: Verband der Geschichtslehrer Deutschlands, Landes­ver­band Niedersachsen/Bremen. Aber dies ist lediglich ein Angebot. Entscheiden müssen die Bremer selbst.

 

 

Mit den besten Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr grüßen vielmals

 

Ihre

 

 

Dr. Martin Stupperich, Hannover, 1. Vorsitzender

Dr. Wieland Sachse, Göttingen, 2. Vorsitzender

 

   
 Welfische Königskutschen - Blick ins Historische Museum 
 Welfische Königskutschen - Blick ins Historische Museum 
   
 VGD: Bildungsstandards Geschichte 2006 
 VGD: Bildungsstandards Geschichte 2006 
   
 

.:: Impressum | Disclaimer | Webmaster | Zuletzt aktualisiert am 27.02.2007 ::.